Hygiene verhindert Legionellose

In Verdunstungskühlanlagen lauert der Tod

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dietmar Müller

Verdunstungsrückkühler müssen hygienisch und ohne nennenswertes Risiko eines mikrobiologischen Wachstums eingerichtet werden.
Verdunstungsrückkühler müssen hygienisch und ohne nennenswertes Risiko eines mikrobiologischen Wachstums eingerichtet werden. (Bild: gemeinfrei, maxknoxvill/Pixabay / CC0)

Rechenzentrumsbetreiber müssen sich proaktiv um die Hygiene bei Rückkühl- und Verdunstungskühlanlagen kümmern. Wer nicht warten und prüfen lässt, gefährdet sich und andere, warnte die Expertenorganisation Dekra und das Umweltbundesamt. Die Betreiber der Anlagen sind hier in der Pflicht.

Grundsätzlich senken Verdunstungskühlanlagen erreichbare Medientemperaturen, Minimieren den für die Rückkühltechnik erforderlich Platzbedarf und geben dem Betreiber die Möglichkeit, die Effizienz der Anlage enorm zu verbessern, so Bernd Dürr in seinem Buch „IT-Räume und Rechenzentren planen und betreiben“.

Um Verdunstungsrückkühler sicher, effizient, hygienisch und ohne nennenswertes Risiko eines mikrobiologischen Wachstums und Ausbreitung betreiben zu können, sei es aber sehr wichtig, bei Anlagenplanung, Komponentenauswahl und Anlagenbetrieb wesentliche Anforderungen zu berücksichtigen.

Für Deutschland wurden mit der 42. BImSchV, die sich in weiten Teilen auf die VDI Richtlinie 2047-2 stützt, die anerkannten Regeln der Technik bezüglich hygienegerechten Betriebes von Verdunstungskühlanlage zusammengeführt. Zusätzlich sind die neuesten Erkenntnisse, wichtige Hinweise und Vorlagen für den Betrieb und Dokumentation von Verdunstungskühlanlagen in das überarbeitete VDMA Einheitsblatt 24649 eingeflossen. Damit kann sichergestellt werden, dass alle für einen hygienisch einwandfreien Betrieb von Verdunstungskühlanlagen erforderlichen Informationen den Anlagenplanern, Erbauern, Betreibern aber auch den Komponentenlieferanten zur Verfügung stehen.

Nachfolgend sind wesentliche Anforderungen an eine Verdunstungskühlanlage zusammengestellt:

Planerische Anforderungen

  • Zugänglichkeit für Inspektion, Reinigung, Desinfektion und Instandsetzung
  • Vermeidung von Stagnationsbereichen
  • Entleerbarkeit des Benetzungskreislaufs
  • Erstellung einer Risiko-Analyse
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Konstruktive Anforderungen bezüglich Verdunstungsrückkühler

  • Zugänglichkeit für Inspektion, Reinigung, Desinfektion und Instandsetzung
  • Vermeidung von Stagnationsbereichen
  • Entleerbarkeit des Benetzungskreislaufs
  • Minimierung des Tropfenauswurfs
  • Verwendung geeigneter Materialien
  • Dokumentation technischer Grenzen

Anforderungen an eine Anlageninbetriebnahme

  • Planung und Vorbereitung (Wasseranalyse, Reinigung, Erstinspektion)
  • Koordination der Inbetriebnahme für alle relevanten Komponenten
  • Einweisung des Betriebspersonals

Anforderungen an den Betrieb

  • Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung aus hygienischer Sicht mit Angabe der Zuständigkeiten
  • Schulung des Betriebspersonals
  • Wasseranalytik und mikrobiologische Untersuchung
  • Vermeidung von Anlagenzuständen, die ein unkontrolliertes mikrobiologisches Wachstum ermöglichen oder fördern
  • Durchführung von Inspektion, Reinigung und Instandhaltung aller relevanten Anlagenkomponenten (Wasseraufbereitung, Wasserbehandlung, Verdunstungsrückkühler)
  • Dokumentation des Anlagenbetriebes in einem Betriebshandbuch

Keine übertriebenen Ängste

Zuletzt kam es 2010 in Ulm, 2013 in Warstein und 2016 in Bremen zu schweren Legionellosen. In Bremen wurde als Infektionsquelle eine Rückkühl- oder Verdunstungskühlanlage identifiziert.

Bei diesen Anlagen werden Teile des zu Kühlzwecken versprühten Wassers in Form von Wassertröpfchen an die Umgebung abgegeben. Ist dieses Wasser mit Legionellen belastet, kann es zu Erkrankungen in einem weiten Umfeld kommen.

Hinweis: Bernd Dürr hat in seinem Bestseller „IT-Räume und Rechenzentren planen und betreiben“ die Situation genau beleuchtet und gibt wichtige Tipps. Wir zitieren für diesen Beitrag weite Teile seines Manuskripts.

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