Branchentreff in Darmstadt - Was bewegt?

Fachkräftemangel dominiert die Future Thinking

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Ulrike Ostler

Was sagen die Branchen-Insider zu den Trends im Rechenzentrumsbau, der Datacenter-Planung und dem -Betrieb?
Was sagen die Branchen-Insider zu den Trends im Rechenzentrumsbau, der Datacenter-Planung und dem -Betrieb? (Bild: Dr. Dietmar Müller/ Vogel IT-Medien GmbH)

Diese Woche kam auf der „Future Thinking“ im Wissenschafts- und Kongresszentrum Darmstadtium in Darmstadt die Datacenter-Branche zusammen, um die neusten Entwicklungen zu diskutieren. Die zweitägige Veranstaltung gipfelte in der Verleihung der Rechenzentrumspreise 2019. Veranstalter Ulrich Terahe wartete zudem mit einer Überraschung auf.

Die Branche hat jeden Grund, sich auf dem zweitägigen Kongress selbst zu feiern: Der Bau neuer Rechenzentren boomt, bestehende Einrichtungen sind ausgelastet. Sowohl Betreiber als auch Anbieter von entsprechendem Equipment sind in Hochstimmung. Aber natürlich gibt es auch Probleme: Wir haben uns bei den Besuchern umgehört, was für Sie die dringendsten Herausforderungen für die Branche sind.

Fachkräfte im Fokus

Im Vorfeld war bereits der Fachkräftemangel im Rechenzentrum (RZ) als DAS dringendste Problem der Betreiber zurzeit ausgerufen worden – auch der Autor dieser Zeilen durfte dazu einen Vortrag auf Basis des jüngst veröffentlichten eBooks von DataCenter-Insider halten. Darin stellte er die Ergebnisse der Umfrage von Datacenter-Insider zum Thema vor (sind auch im eBook aufgeführt). Anschließend referierte Blanka Bundschuh vom Future Thinking-Veranstalter DC-CE RZ-Beratung über eine von ihr betreute Schulungsplattform im Rechenzentrumsbereich.

eBook „Fachkräftemangel im Rechenzentrum“

Fachkräftemangel im RechenzentrumDeutschland ist der drittgrößte Rechenzentrumsmarkt weltweit, es mangelt aber an Fachkräften. Die Mehrzahl der RZ-Betreiber findet nicht genügend Personal. In diesem eBook haben wir die Gründe dafür ausgelotet und nach Exit-Strategien gefahndet.  (PDF | ET 27.03.2018)

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Beide Vorträge machten deutlich, dass der Fachkräftemangel in der Branche kein Mythos, sondern bittere Realität ist. Grund dafür ist nach Auswertung der DataCenter-Insider-Umfrage nicht zuletzt das liebe Geld: Das durchschnittliche Gehalt in der Branche ist vergleichsweise niedrig, ITler erhalten etwa im Bankensektor deutlich mehr Gehalt. Betreiber müssen sich mit Schulungen, wie von Frau Bundschuh vorgestellt, gegen den Fachkräftemangel stemmen.

„Ich halte es für zielführend, wenn die Personalabteilungen der RZ-Unternehmen vorausschauend Pläne zur Kompetenzentwicklung ihrer Mitarbeiter entwerfen. (…) Als besonders effektiv haben sich praktische Übungen erwiesen – besonders im Rechenzentrum halte ich den Praxisbezug für absolut notwendig“, so Bundschuh bereits im Vorfeld der Future Thinking gegenüber DataCenter-Insider.

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„Der Fachkräftemangel ist für die Branche so akut, dass er dieses Jahr zum Thema Nummer eins geworden ist“, erklärte auch Veranstalter Ulrich Terrahe, Geschäftsführer der DC-CE RZ-Beratung. „Die Betreiber interessiert brennend, wie man am besten gegensteuert, was man da machen kann.“ Darüber hinaus hält er die Digitalisierung für ein drängendes Problem: „Nicht nur die Digitalisierung der Wirtschaft bzw. der Welt, sondern speziell Digitalisierungstechnologien für das Rechenzentrum sind ein spannendes Thema.“

Co-Location, Edge und Cloud boomen

Viel Aufmerksamkeit erhielten auch die anderen „großen“ Themen der Kongressmesse in diesem Jahr wie Co-Location, Edge und Cloud oder die neue F-Gase-Verordnung plus die rasante Entwicklung rund um Kühlung und Wärmerückgewinnung - wie ganz allgemein der Energieverbrauch und die neuste Gesetzeslage dazu ein latent brennendes Thema für alle Beteiligten darstellte. Im privaten Kreis wurde gerne die Frage erörtert, ob der Diesel nun am Ende ist – sowohl als Brennstoff für Notstromaggregate im Rechenzentrum als auch für die Dienstwagen der RZ-Betreiber.

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„Was wirklich für Aufsehen sorgt auf der Future Thinking ist für mich das Thema Edge-Rechenzentrum“, so Jörg Poschen, Head of Marketing bei der Daxten GmbH. „Noch ist ‚Edge‘ nicht eindeutig definiert, aber seit 2011 verfolgen wir gespannt die Entwicklung.“ Aktuell harrt er auf eine Normierung des Konzeptes von kleinen Datacenters an der Quelle von Daten, etwa direkt in Turbinen von Windkraftanlagen.

Auch Bernhard Seibold, zuständig für das Systems Engineering bei der Thomas Krenn AG, berichtete von einem Boom bei Edge-Rechenzentren. „Bis vor drei Jahren galt die Cloud als DER Heilsbringer der Branche, seit dem bauen und installieren wir in zunehmendem Maße kleine, kompakte Edge-Rechenzentren direkt vor Ort.“ Der Grund dafür liegt in der mangelnden Bandbreite der Verbindungen zwischen „echtem“ RZ und der Quelle von Daten, etwa im IoT-Umfeld. Besser ist es, die Daten direkt vor Ort auszuwerten und nur die Ergebnisse ins „Mutterhaus“ zu übermitteln.

Die Herausforderung dabei sind teilweise extrem unwirtliche Bedingungen, wobei Kuhställe noch zu den besseren Locations zählen (wiewohl die Landwirte, heutzutage industriell aufgestellt, durchaus zu einer prosperierenden Klientel geworden sind). Auch ätzende Stoffe, große Kälte und/oder Hitze oder eine hohe Staubbelastung können den kleinen Edge-Superrechnern stark zusetzen, weswegen man mit Stahlbauern zusammen nach der jeweils besten Schutzhülle suchen müsse.

Rechenzentren müssen nachhaltiger werden

Neben Edge zählt für Seibold die Energieversorgung und die Notwendigkeit von Stromeinsparungen zu den drängendsten Themen der Branche genauso wie für die Future Thinking. Diese Herausforderung nahm auch Hessen u.a. in Person von Elias Spreiter vom hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie Verkehr und Landesentwicklung in seinem Vortrag an. Kein Wunder, Rechenzentren zählen in dem Bundesland dank des Internet-Knotens in Frankfurt zu den größten Stromverbrauchern.

„Die Politik hat langsam verstanden“, kommentierte Staffan Reveman, der seit 1982 in der Branche der Stromversorgungstechnik in leitenden Positionen tätig ist, im Gespräch mit DataCenter-Insider. „Gerade im hessischen Wirtschaftsministerium reift die Erkenntnis, dass man angesichts der hohen Stromkosten in Deutschland – viermal so hoch wie beispielsweise in Schweden - neue Konzepte verfolgen muss.“ Er hofft auf veränderte Rahmenbedingungen durch die Politik.

Am Abend des ersten Tages waren sich aber alle Teilnehmer einig – nämlich bei der Feier zur Vergabe des Deutschen Rechenzentrumspreises. 51 innovativen Einreichungen waren ins Rennen gegangen, an acht davon verlieh die TV-Moderatorin Joey Grit Winkler einen Award, ausgewählt durch eine Jury. Für den Publikumspreis wurden auf dem Fachportal DataCenter-Insider deutlich mehr Stimmen abgegeben als die Jahre zuvor, rund 4.000 waren bis zum 24. April zusammengekommen.

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Veranstalter Terrahe wartete im Gespräch mit DataCenter-Insider mit einer kleinen Überraschung auf: Aller Voraussicht nach wird die Tuture Thinking 2019 an einem anderen Ort stattfinden. Das Darmstadtium ist ein beeindruckender Gebäudekomplex, passt aber vielleicht nicht mehr ganz als Rahmen für das Treffen der Rechenzentrumsbranche. „Die Messe hat in diesem Jahr ihr Bild deutlich verändert, so haben wir erstmalig den Marktplatz hereingenommen und mittig platziert. Gleichzeitig aber hatten einige Aussteller Terminprobleme – kurz: Wir müssen zunächst die diesjährige Veranstaltung auswerten, dann entscheiden wir, wo es hingeht.“

* Dr. Dietmar Müller ist Journalist und Buchautor und lebt in Niederbayern.

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