Meinungsbeitrag zur Kältemittelverordnung

F-Gase werden künstlich verknappt. Was ist davon zu halten?

| Autor / Redakteur: Natascha Meyer* / Ulrike Ostler

Betreiber und Hersteller müssen sich jetzt um Alternativen zu den F-Gasen und Anpassungen kümmern, denn der nächste Verknappungssprung von 30 Prozent wird signifikante Preisauswirkungen zur Folge haben.
Betreiber und Hersteller müssen sich jetzt um Alternativen zu den F-Gasen und Anpassungen kümmern, denn der nächste Verknappungssprung von 30 Prozent wird signifikante Preisauswirkungen zur Folge haben. (Bild: Stulz)

Durch die Abgabe von Kältemitteln an die Umwelt, sei es durch falsche Entsorgung oder durch unbeabsichtigte Leckagen im System, wird der Treibhauseffekt begünstigt. Aus diesem Grund wurden bereits vor Jahren FCKW-haltige Kältemittel aus dem Verkehr gezogen. Wir bei Stulz sehen die Kältemittelverordnung bezüglich der F-Gase, insbesondere in Bezug auf den Umweltschutz, als zwingend notwendig.

Die heutigen Kältemittel sind zwar nicht mehr mit den damaligen zu vergleichen, ihr schädigendes Potential ist jedoch nicht zu vernachlässigen. Somit ist die stufenweise Reduzierung der Kältemittel mit einem hohen GWP (Global Warming Potential) der nächste logische und notwendige Schritt.

2018: Großer Schritt zu weniger F-Gasen

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23.10.17 - Die EU verabschiedet sich schrittweise von der Nutzung so genannter F-Gase, die klimaschädliches Fluor enthalten. 2018 dürfen rund 30 Prozent weniger davon in den Verkehr gebracht werden als 2017. Was denkt die Datacenter-Branche darüber, und wie bereitet sie sich vor? lesen

Dabei sollte man die Innovationskraft der F-Gase Verordnung nicht unterschätzen: Die Erfahrungen auch aus anderen Bereichen zeigen, dass neue gesetzliche Regelungen immer auch technische Entwicklungen gefördert haben. Der externe Einfluss verpflichtet sowohl Betreiber als auch Hersteller, sich mit der Nachhaltigkeit und dem effizienten Betrieb ihrer Anlagen und Maschinen auseinanderzusetzen.

Die Verordnung hat jedoch für Hersteller und Betreiber Nachteile: Die am Markt vorhandenen Substitute für gängige Kältemittel sind hier besonders zu erwähnen. Ein niedriger GWP bedingt eine schnelle Zersetzung des Kältemittels bei Eintritt in die Atmosphäre. Dies kann nur gewährleistet werden, wenn es chemisch reaktiv ist. Eine hohe Reaktivität bedeutet jedoch auch meistens eine hohe Brennbarkeit und damit ein Sicherheitsrisiko für Mensch und Maschine – beispielsweise beim Einsatz von Propan und Butan.

Die möglichen Alternativen

Natürlich gibt es Produkte mit geringem GWP und relativ geringer Brennbarkeit. Doch auch hier gibt es Nachteile. Die F-Gase „R1234yf“ und „R1234ze“ zum Beispiel erfüllen beide Attribute. R1234yf kommt jedoch für uns nicht in Frage, da es eine anderen Fluid-Gruppe angehört – bei Reaktion mit Wasser entsteht Flusssäure – und aufgrund der geringen Verfügbarkeit am Markt derzeit zu teuer ist.

Abbildung 1 zeigt die unterschiedlichen Attribute eines gängigen Kältemittels wie "R134a" im Vergleich mit "R1234yf" und "R1234ze". Auch hier wird deutlich: Einen „Alleskönner“ gibt es derzeit nicht.
Abbildung 1 zeigt die unterschiedlichen Attribute eines gängigen Kältemittels wie "R134a" im Vergleich mit "R1234yf" und "R1234ze". Auch hier wird deutlich: Einen „Alleskönner“ gibt es derzeit nicht. (Bild: Stulz)

Unsere Wahl bei Stulz ist R1234ze. Unser Produkt „Cyber Cool 2“ haben wir, gemäß der F-Gas Verordnung, speziell auf dieses Kältemittel angepasst. Allerdings hat R1234ze eine geringere volumetrische Kälteleistung. Dies hat zur Folge, dass ein Kaltwassersatz, der ursprünglich auf einer definierten Fläche 1000 Kilowatt Kälteleistung erbracht hat, auf derselben Fläche nur noch 750 Kilowatt erreicht. Der Energieaufwand sinkt zwar ebenfalls, was somit keinen negativen Einfluss auf die Energie-Effizienz hat, der Kunde muss jedoch bei gleichbleibendem Kältebedarf eine größere Maschine einplanen.

Für neue Rechenzentren, die in weniger dicht besiedelten Gebieten geplant werden, mag dieser Nachteil aufgrund großzügigerer Platzverhältnisse nicht so schwerwiegend sein. Bereits existierende Rechenzentren oder Industrieanlagen, die teilweise in Ballungsräumen stehen, müssen jedoch mit dem zur Verfügung stehenden Platz auskommen. Ein größerer Footprint kann hier zu signifikanten Problemen für Infrastruktur und Budget führen.

Ergänzendes zum Thema
 
Über die Autorin Natascha Meyer

Markt und Entwicklung

Dass die Preise für Kältemittel signifikant ansteigen werden, ist aufgrund des verabschiedeten Phase-Down-Verfahrens absolut sicher. Aus unserer Sicht ist jedoch nicht einzuschätzen, wann der nächste spürbare Preissprung zu erwarten ist.

Nach Ankündigung der F-Gase Verordnung und den damit verbundenen Verknappungssprüngen wäre eigentlich mit einem Preisanstieg in 2016 zu rechnen gewesen. Wir gehen davon aus, dass aufgrund von Vorratskäufen im Vorfeld ein zeitverzögerter Preisanstieg in 2017 stattfand. Wie groß die Vorräte bei Betreibern, Herstellern und Versorgern derzeit sind, ist nicht absehbar; dementsprechend könnte es beim nächsten Verknappungssprung in 2018 wieder eine zeitverzögerte Preisanpassung geben.

Dennoch müssen Betreiber und Hersteller sich jetzt um Alternativen und Anpassungen kümmern, denn der nächste Verknappungssprung von 30 Prozent (siehe: Aufmacherbild) wird signifikante Preisauswirkungen zur Folge haben.

Wir bei Stulz denken beispielsweise darüber nach, Geräte, die für den Einsatz im Nicht-EU-Ausland vorgesehen sind, unbefüllt auszuliefern. Unsere Kunden können das benötigte Kältemittel dann auf dem lokalen Markt zu günstigeren Preisen erwerben.

Die Autorin Natascha Meyer ist Produktmanagerin bei der Stulz GmbH in Hamburg
Die Autorin Natascha Meyer ist Produktmanagerin bei der Stulz GmbH in Hamburg (Bild: Stulz)

Langfristig sind solche Lösungen natürlich nicht praktikabel, nicht nur mit Blick auf den Kältemittelpreis, sondern insbesondere aus ökologischer Sicht. Daher werden wir bei Stulz weiter forschen und entwickeln, um auch für die nächsten Jahre gewappnet zu sein und Lösungen anbieten zu können, die Kunden und Umwelt zugutekommen.

Was meinen Sie zu diesem Thema?
Guter Artikel Natascha, was hindert Sie daran, aus ökologischer Sicht das im Moment...  lesen
posted am 30.11.2017 um 21:54 von Unregistriert


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