Plus 6.600 Quadratmeter Rechenzentrum

Equinix eröffnet weiteres Datacenter in Frankfurt am Main

| Redakteur: Ulrike Ostler

Nach zwölf Monaten Bauzeit eröffnet Equinix nach dem Vorbild von „FR 4“ und „FR 5“ sein siebtes Rechenzentrum in Frankfurt: "FR 6".
Nach zwölf Monaten Bauzeit eröffnet Equinix nach dem Vorbild von „FR 4“ und „FR 5“ sein siebtes Rechenzentrum in Frankfurt: "FR 6". (Bild: Equinix)

Es ist das elfte Rechenzentrum von Equinix, Anbieter von Interconnection- und Datacenter-Dienstleistungen, in Deutschland, das siebte in Frankfurt am Main und das sechste auf dem dortigen „Digitalen Campus“, das seit der vergangenen Woche offiziell die dortige Datacenter-Fläche um 6.600 Quadratmeter erweitert – Platz für 2.000 Cabinets. Einen Kunden für „FR 6“ gibt es bereits. Er wird noch in diesem Monat den Betrieb aufnehmen können.

Insgesamt 92 Millionen Dollar hat das Unternehmen in den Bau des IBX- Hochleistungsrechenzentrum FR 6 investiert. 1.325 Rechnerschränke werden in der ersten Ausbauphase Platz finden können.

Der Ausbau erfolgt im 19. Jahr seit der Gründung des Unternehmens „Equality Neutrality Internet Exchange“ 1998 durch Al Avery und Jay Adelson im Silicon Valley 1998, wo sich auch heute noch der Firmensitz befindet und es laut CEO und Mitgründer der Equinix Inc., Steve Smith, keinen Grund mehr zu erwerben gibt. Doch ohnehin verdiene das Unternehmen mit seinen rund 10.000 Kunden und 179 Rechenzentren etwa 60 Prozent der Einkünfte außerhalb der USA, den Großteil davon in Europa und Asien. Smith rechnet damit, dass der Anteil der nicht im den USA generierten Umsätzen in den kommenden Jahren auf rund 82 Prozent steigen könnte.

Der Umsatz in diesem Jahr wird auf 3,6 Milliarden Dollar geschätzt, was einem Wachstum von 11 Prozent entspräche. Übrigens trügen die zehn größten Kunden 60 bis 65 Prozent zum Equinix-Umsatz bei, so Smith.

Die Bedeutung des Edge-Computing

Treiber dieses Wachstums bei Equinix und der gesamten Branche sei zum einen die Entwicklung hin zu Cloud-Business und das Internet of Things (IoT) am Horizont. Er geht davon aus, dass in der kommenden Dekade etwa 10 bis 15 Prozent der IT-Last weiterhin on premise verarbeitet werden wird, 15 bis 20 Prozent der Unternehmen werden auf Infrastructure as a Service (IaaS) vertrauen, weitere 15 bis 20 Prozent werden Software as a Service (SaaS) in Anspruch nehmen und 10 bis 15 Prozent der heutigen IT wird verschwinden.

Mittenzwischen sitzen die Co-Locator/ Anbieter von Rechenzentrumsdienstleistungen, die sowohl die Cloud-Anbieter aufnehmen, als auch Anwender-Unternehmen und seit jüngsten verstärkt Security-Anbieter, die ihre Produkte so schnell wie möglich Software-enabled und per Service anbieten wollen. Zwar bauten die Cloud-Companies weltweit eigene Datacenter-Ressourcen auf, doch der springende Punkt sei: irgendwo. Die Stärke eines Co-Locator wie Equinix sei jedoch, dass man stärker „vor Ort“ sein können, im Sinne von Edge-Computing (siehe: Equinix zu „Digital Edge“).

Das sei zum einen wichtig für die geringere Latenz, aber auch um das Sicherheitsbedürfnis der Kunden befriedigen zu können. Die hiesigen Datenschutz-Gesetze wögen den Nachteil der hohen Energiepreise auf – zumindest noch. Der Datenschutz werde künftig auf ein europaweit einheitliches Niveau gehoben und die Konkurrenz, insbesondere aus den nordischen Ländern, inklusive Island, sei spürbar.

Der Standort Frankfurt am Main

Doch noch sei insofern der Standort Frankfurt für Equinix von besonderer Bedeutung: Die über 400.000 in der Rhein-Main-Region ansässigen nationalen und internationalen Unternehmen machten Frankfurt zu einem der größten Wirtschaftsstandorte in Deutschland – und zum idealen Ort für Equinix, um Verbindungen zwischen Unternehmen, Geschäftspartnern, Netzwerken und Endkunden herzustellen.

„FR 6“ soll nicht das letzte Rechenzentrum sein, das Equinix in Frankfurt baut.
„FR 6“ soll nicht das letzte Rechenzentrum sein, das Equinix in Frankfurt baut. (Bild: Equinix)

970 Unternehmen (davon mehr als 225 Cloud-, Security- und IT-Service Provider) nutzen die Frankfurter Rechenzentren, die zu den internationalen Standorten mit der weltweit höchsten Netzwerkdichte gehören, als geschäftliche Basis. Schon jetzt sei „Campus Kleyer“ (bestehend aus den Rechenzentren „FR4“ und „FR5“) ist einer der Equinix-Standorte mit der weltweit höchsten Konzentration an Netzwerken. Mit 375 Netzwerken und Netzwerkbetreibern aus über 70 Ländern ist es zudem einer der Standorte in Europa mit den meisten Verbindungen: mehr 50.000. Als ein maßgebliches Gateway für Datentransfers zwischen Ost und West bietet Campus Kleyer latenzoptimierte Zugänge zu fünf Kontinenten und Verbindungen zu allen Zielen innerhalb Europas mit weniger als acht Millisekunden Latenz.

Zudem steige weltweit steigt die Nachfrage nach Interconnection noch. Auch deutsche Unternehmen seien zunehmend darauf angewiesen, ihre eigene IT-Infrastruktur dichter ans Digital Edge zu bringen. Donald Badoux, Managing Director Equinix Deutschland, führt aus, dass das Marktforschungsunternehmen GfK zum Beispiel gerade mitten im Transformationsprozess seiner IT stecke und die Equinix-Rechenzentren in Frankfurt künftig zum Knotenpunkt für den eigenen Datenverkehr in der EMEA-Region mache.

Argumente für den Datacenter-Ausbau in Frankfurt

Burkhard Kehrbusch, Global Head Information Technology bei der GfK, bestätigt: „Anfang des Jahres haben wir einen Servicevertrag mit Equinix abgeschlossen, der vorsieht, bis 2018 den gesamten GfK-Datenverkehr in der Region EMEA über Equinix-Rechenzentren abzuwickeln. Durch die Kooperation haben wir eine skalierbare, kostentransparente Zugangslösung gefunden. Gleichzeitig können wir sicherstellen, dass unternehmenskritische Daten auf höchstem Sicherheitsniveau geschützt sind. Nicht zuletzt war auch der Standort ausschlaggebend für die Zusammenarbeit: Mit seiner zentralen Lage ist Frankfurt der ideale Ausgangspunkt für den weiteren europäischen und globalen Ausbau.” Bis 2018 würden zudem in weiteren europäischen Städten Secondary-Deployments geschaffen.

Für die die Equinix-Rechenzentren in Frankfurt spreche zudem, so Equinix-Chef Smith, dass sie ein wichtiger Knotenpunkt für Banken, Handelsunternehmen und Hersteller seien: Sie beherbergten Multi-Asset und Multi-Venue Finanz-Ökosysteme, innerhalb derer die verschiedenen Marktteilnehmer von latenzarmen Verbindungen untereinander profitierten. Mithilfe der Connectivity-Vielfalt erhielten die Kunden Zugang zu Handelsmöglichkeiten, Handelsplätzen und Finanzdienstleistern in der ganzen Welt.

Gleichzeitig agiere Frankfurt als Haupt-Handelsknotenpunkt für Deutschlands wichtigste Handelsplattformen, wie zum Beispiel die Deutsche Börse, so ein weiterer Argumentationsstrang. Vor allem der Teilbereich der digitalen Bezahlsysteme habe in jüngerer Zeit an Bedeutung gewonnen. Die Equinix-Rechenzentren böten Zahlungsdienstleistern ausreichend Speicher, Konnektivität und Compliance, die sie dafür benötigen.

Cloud und Strom

Schließlich könnten sich Unternehmen über „Equinix Cloud Exchange“ mit den größten Cloud-Anbietern der Branche, wie „Amazon Web Services“ (AWS), „Microsoft Azure“, „Google Cloud Platform“, Salesforce und „VMware vCloud Air“, verbinden. Kunden in Frankfurt profitierten zudem über den Zugang zu „F5 Silverline DDoS Protection“ von noch mehr Sicherheit.

Schon heute teilt sich die Equinix-Kundschaft wie folgt: 29 Prozent Service Provider, 15 Prozent Content-Lieferanten, 22 Prozent Network-Provider und der Rest: Enterprises.

Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, fasst das wie folgt zusammen: „Rechenzentren sind als wesentlicher Teil der IT-Infrastruktur eine Voraussetzung der Digitalisierung, unerlässlich für die Verarbeitung der täglich wachsenden Datenmenge und die Steuerung der ebenso schnell wachsenden Zahl vernetzter Geräte, für industrielle Produktion und für Dienstleistungen. Der Raum Frankfurt ist ein herausragender Standort dieser Branche, die hier bereits mehr Strom verbraucht als der Frankfurter Flughafen, Deutschlands größte Arbeitsstätte. Ich freue mich, dass die Equinix Germany GmbH als einer der weltweit führenden Anbieter hier nun bereits das siebte Rechenzentrum eröffnet, und ich freue mich auch, dass Deutschlands Rechenzentren heute zu den energieeffizientesten weltweit zählen.”

Die Netze

Doch Energie-Effizienz und der Strompreis sind nicht die einzigen Herausforderungen. Die für die Datacenter-Interconnects benöigten Bandbreiten und die Verbindungen zu den Endpunkten, sei es „Connected Cars“ oder intelligentere Maschinen benötigten dringend einen Netzausbau. So unterhalte Equinix längst Verbindungen zu Satelliten-Companies und zu Tier-One-Kabelbetreibern und beteilige sich am Verlegen neuer Leitungen. Die Absicht, damit den Telekommunikationsunternehmen in die Quere zu kommen, bestehe jedoch nicht.

Zugleich sehe Equinix auch die Notwendigkeit, die Nutzung der Netze zu flexibilisieren, sagt CEO Smith. Auf rund 40.000 Exabytes werde das Datenaufkommen im Jahr 2000 geschätzt. Heute reiche kaum noch ein Tag, um dieselbe Menge zu produzieren. So sei man derzeit dabei, auf Network Function Virtualisierung (NFV) und allgemein auf Software Defined Networks (SDN) umzustellen.

Genehmigungen

Eines der größten Hindernisse in Deutschland sind die Behördenwege – Genehmigungen, Antragsbearbeitungszeiten, die Verteilung auf diverse Ämter. So waren im Fall von FR 6 etwa die Stadt Frankfurt und das Regierungspräsidium Darmstadt involviert. Der stellvertretende Regierungspräsident Alexander Böhmer erläuterte dann auch während der Eröffnung, exemplarisch, welchen Prüfungen das Rechenzentrum schon vorab unterzogen werden musste.

Unter anderem habe das Regierungspräsidium 119 Schallquellen bewertet. Zum Vergleich: „In einem Hotel rechnen wir mit zehn Schallquellen.“

Welche Bedeutung die Emissionen haben könnten, führte er ebenso aus. Selbst wenn man davon ausginge, dass ein Dieselgenerator, der für die Notstromversorgung eingesetzt wird, nur einmal in fünf Jahren anspringe, würde es, wenn in allen Rechenzentren des Zuständigkeitsgebiets auf einmal benötigt würden, einer Kapazität von rund 1.000 Megawatt entsprechen. Block 5 im nahegelegenen Kraftwerk Staudinger produziere 1.350 Megawatt. Und: Die Diesel sorgen nicht nur für Lärm, sondern auch für Abgase, die schließlich abgeführt gehörten.

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Dass die wertvolle Abwärme in die Atmosphäre verklappt wird, stört Herr Minister Tarek Al-Wazir...  lesen
posted am 11.09.2017 um 09:30 von staffan@reveman.com

Die Zahl stammt aus einer Rede des Regierungsvizepräsidenten aus dem Regierungsbezirk Darmstadt...  lesen
posted am 13.07.2017 um 12:15 von ulos

Block 5 vom Kraftwerk Staudinger hat eine Leistung von 512 MW und Block 6 hat 622 MW, also...  lesen
posted am 13.07.2017 um 11:39 von Unregistriert


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