Kühlung frisst Energie und noch mehr Energie, aber es gibt Abhilfe

Effiziente Klimatechnik für den Mittelstand

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Der Energiesparverkäufer

Jäger bezeichnet sich gern als „Energiesparverkäufer.“ Er plädiert wie viele andere Spezialisten der IT-Klimabranche für Präzisionsklimageräte. Die hängen niemals an der Decke, sondern sind Schränkgeräte. Ihr Leistungsvermögen ist ungleich höher als das der Raumklimageräte.

Sie wälzen bei gleicher Kälteleistung locker dreimal so viel Luft um, und zwar präzise nur in der tatsächlich zur Kühlung benötigten Menge. Ferner sorgen sie sehr fein für Be- oder Entfeuchtung. Das alles automatisch und über Fühler digital gesteuert.

Präsizionsklimageräte arbeiten nach dem Prinzip der indirekten freie Kühlung. Außerhalb der Gebäude nutzen Rückkühler oder „Chiller“ meist günstige Freilufttemperatur. In ihnen wird ein Gemisch aus Wasser und Glykol abgekühlt und zu den Präzisionsklimageräten in den Server-Räumen gepumpt. Dabei halten diese modernen Systeme energieintensive Kompressorlaufzeiten möglichst minimal.

Präzision geht und spart

Im Server-Raum blasen die Präzisionsklimageräte die wassergekühlte Luft mit Ventilatoren zielgerichtet vor die Rechner. Damit das funktioniert, sollten sich IT-Verantwortliche noch einmal Gedanken über den Aufbau der Server machen.

Die Maxime heißt: Kalt- und Warmgänge schaffen! Also alle Server in gleicher Richtung in die Längsachse eines Raums. Weg mit den alten Desktops und Rack-Server verwenden. Außerdem müssen Vorder- und Rückseite der Server voneinander getrennt sein.

Es darf keine Möglichkeit für heiße Luft geben, in die Kaltzone vorne zurück zu zirkulieren, was man als thermischen Kurzschluss bezeichnet. Also braucht es Blenden vor nicht genutzten Rack-Schächten sowie Klimavorhänge in den freien Räumen neben und über den Racks.

Kühler Wind von der Seite

Es ist in der Regel nicht einmal nötig, besonders hoch belastete, also heiße Server in einen eigenen (Wasser-)gekühlten Schrank zu packen. Gute Verteilung tut''s auch. Für eine Kühlung durch ein System in den unteren Rack-Schüben zu sorgen ist heute auch nicht mehr angesagt. Fujitsu-Spezialist Jensen und Stulz-Manager Jäger plädieren für „Side-Cooling“, wofür verschiedene Hersteller Lösungen anbieten (siehe: Abbildung 3).

Die Kühlsysteme stehen hier zwischen den Server-Racks und ragen aus ihnen etwas hervor. Mehrere Ventilatoren übereinander blasen Kaltluft vor bis zu drei Racks neben ihnen. Auf der ganzen Höhe werden die Server hinreichend gekühlt. Für bis zu 10 bis 15 Kilowatt im Rack reicht das.

Und es kostet nicht einmal unerschwinglich viel. Solche Side-Cooler gibt es ab 7.000 Euro. Jensen und Jäger versprechen, dass sich diese Systeme in sehr kurzer Zeit amortisieren, so viel sparen sie an Strom. Und man muss nicht x2 rechnen wegen der Redundanz. Denn für den Notfall bleiben die alten Büroklimageräte oben an der Wand.

Der Autor:

Ludger Schmitz ist freier Journalist in München.

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