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Gartner Magic Quadrant 2020 zu SAM-Tools Die Software-Assets im Blick

| Autor / Redakteur: M.A. Jürgen Höfling / Jürgen Höfling

In Zeiten von Cloud, Edge und Mobile fällt es den Unternehmen noch einmal schwerer, bei der eingesetzten Software den Durchblick zu behalten. Tools für Software Asset Management (SAM) können da helfen. Der neueste Gartner Magic Quadrant zu SAM-Tools zeigt Wege aus dem Dickicht.

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Software Asset Management-Werkzeuge verschaffen Durchblick weit über die Lizenzkontrolle hinaus
Software Asset Management-Werkzeuge verschaffen Durchblick weit über die Lizenzkontrolle hinaus
(Bild: Rainer_Sturm_pixelio.de)

Wenn man Monat für Monat Geld für etwas bezahlt, was man gar nicht benötigt und auch nicht benutzt, ist das im Privatbereich ärgerlich, im Unternehmensbereich eventuell tödlich. Vor allem, wenn man womöglich gar nicht weiß, dass das so ist, wie es ist. Genauso gefährlich ist es aber auch für ein Unternehmen, wenn man etwas kontinuierlich nutzt, wofür man gar nicht bezahlt hat. Auch da ist Nicht-Wissen kein Entschuldigungsgrund, Nicht-Wissen schützt bekanntlich nicht vor Strafe.

Bei der betrieblichen Software-Nutzung sind die eben beschriebenen Situationen keine Seltenheit. Die Lizenzbestimmungen, die die Juristen der Software-Anbieter ausgearbeitet haben, sind meist ein schwer zu entwirrendes Paragrafen-Dickicht, Fallstricke lauern überall.

Und die Verlagerung der Software-Nutzung in die Cloud und die damit einhergehenden unzähligen Mietmodelle einerseits und die zunehmende Verschränkung von Informationstechnik und software-orientierter Produktionssteuerung – Stichwort Edge Computing – andererseits sowie die mobile IT-Schiene machen das Software Asset Management (SAM) nicht eben einfacher.

Der Magic Quadrant 2020 enthält viele neue SAM-Aspekte

Ohne Software, die den Überblick über die gekauften Lizenzen und die tatsächlich eingesetzte Software automatisiert und die darüber hinaus idealerweise auch das Beziehungsgeflecht der verschiedenen Softwarepakete untereinander durchleuchtet, geht es zumindest in mittleren und größeren Unternehmen nicht. Solche SAM-Software-Tools gibt es mittlerweile eine ganze Menge im Markt, wobei der Reifegrad der einzelnen Angebote sehr unterschiedlich ist, wie der neueste „Gartner Magic Quadrant“ („Magic Quadrant for Software Asset Management Tools“, 20 Juli 2020) zum Thema ausweist.

Angesichts der vielen neuartigen Fragestellungen rund um das Thema SAM ist allerdings der unterschiedliche Reifegrad nicht nur eine Frage der Hersteller-Kompetenz, sondern auch der Hersteller-Fokussierung. So ist beispielsweise die Einbeziehung der Sphäre der Produktions-Software, etwa in Fabriken und Kraftwerken. in das Lizenz-Management für viele SAM-Tool-Anbieter ebenso Neuland wie für die Anwender. Beide müsse dabei eine Lernkurve durchlaufen.

Die Zusammenschau von traditioneller Software alias IT und produktionsorientierter, maschinennaher Software alias OT (für Operational Technology) ist hochaktuell und gleichzeitig ein heißes Eisen. Die traditionellen IT-Software-Hersteller dringen mit der heutigen Dominanz des Internets und des Internet-Protokolls zunehmend in Domänen der Produktions-Software ein und etablieren dort auch ihre Lizenz-Audit-Mechanismen.

Gleichzeitig orientieren sich die traditionellen Produktionssoftware-Anbieter an diesen Gepflogenheiten, so dass für die Anwender Durchblick nottut. Ansonsten müssten sich diese vermutlich auf hohe Kosten gefasst machen, die niemals und nirgends budgetiert seien, vermuten die Gartner-Analysten und stellen fest: „ SAM-Werkzeuge, die sowohl IT- als auch OT-Softwarepakete unterstützen, sind nicht nur für die Beurteilung derartiger Risiken ausgelegt, sondern befördern auch das verstärkte Zusammenwirken dieser beiden Gebiete“.

Cloud und Virtualisierung erfordern neue SAM-Methoden

Eine zweite heiße Sache, die SAM-Tool-Hersteller laut Gartner heute einfach „können“ müssen, wenn sie in ihrem Metier zu den führenden Unternehmen („Leaders“) zählen wollen, ist die Erfassung von Lizenzmodellen für die verschiedenen Typen von Mietsoftware und Virtualisierungsmodellen, sprich: der Software, die nicht auf den Speichermedien im Rechenzentrum dauerhaft dingfest zu machen ist. „SAM-Tools-Anbieter wie Aspera, Flexera, Servicenow und Snow generieren mittlerweile eine genaue Auflistung der genutzten Software-Pakete und der entsprechenden „Unterfütterung“ durch entsprechende Lizenzen („Effective License Position“, ELP) auch für browser-basierte Software wie SaaS-Pakete und Web-Anwendungen, beispielsweise Microsoft 365 , Salesforce oder Workday“, heißt es in dem Gartner-Report. Für die Ermittlung des ELP müssten in diesen Gefilden andere Ansätze verwendet werden als für das Auffinden von Software, die auf Festplatten direkt vor Ort gespeichert sei.

Es ist kein Zufall, wenn oben vier Protagonisten der SAM-Tools-Szene explizit genannt wurden, haben sich doch genau diese vier Anbieter im diesjährigen „magischen SAM-Quadranten“ als führende Anbieter (Snow, Flexera, Servicenow) beziehungsweise als (einziger) Herausforderer (Aspera) herauskristallisiert. Von den Wurzeln her ist der Spitzenreiter Snow schwedisch, Flexera und Servicenow US-amerikanisch und Aspera deutsch.

Aber alle vier sind weltweit unterwegs, wobei geografische Schwerpunkte bestehen, bei den einen mehr als den anderen. Details lassen sich in dem Report nachlesen.

Die Metriken des Magic Quadrant SAM-Tools

im Detail nachlesen kann man in dem Magic Quadrant auch die „Stärken“ und „Schwächen“ der einzelnen Anbieter. Hier wollen wir nur die Kriterien darstellen, mit denen das Gartner-Team das Ranking aufgestellt hat. Diese Kriterien setzen sich zum einen aus allgemeinen Leistungsmerkmalen, die Gartner von SAM-Tools verlangt, zusammen und zum zweiten aus Punkten, bei denen zusätzliche Details (Hersteller, Produkte etc.) gefordert werden.

Die allgemeinen Kriterien, was ein SAM-Tool nach Gartner können muss:

  • Identifikation bestehender Software-Nutzungsrechte und Integration in das jeweilige Anbieter-Portal sowie in entsprechende Beschaffungs-Anwendungen, um Zugriff auf Vertragsbestimmungen und Kaufunterlagen zu erhalten. Erklärung der Lizenzbedingungen, so dass der Nutzer etwaige Vertragsverletzungen heilen und die Lizenznutzung optimieren kann.
  • Konsolidierung verschiedener Berechtigungen zu einem „Lizenzinventar“ pro Anbieter
  • Identifikation und Inventarisierung aller genutzten Softwarepakete (Vor-Ort gespeichert, in virtuellen Umgebungen laufend, aus der Cloud bezogen)
  • Harmonisierung der Berechtigungen mit der Nutzung. Das ergibt die Effective Licence Position (ELP).
  • Optimierung der Software-Nutzung. Identifizierung nicht genutzter Pakete beziehungsweise Features, für die man aber zahlt.
  • Zur-Verfügung-Stellen der Lizenz- und Nutzungsinformation für andere Abteilungen, um Anbieter und Software-Pakete über den ganzen Lebenszyklus zu verwalten

Die speziellen Kriterien:

  • Es müssen Anbieter, die sehr ausgefeilte beziehungsweise trickreiche Metriken für die Lizenzierung wie „Anzahl der verwendeten CPU-Kerne“ nutzen, sicher identifiziert werden
  • Die Anbieter müssen mindestens 80 Prozent der Softwarepakete Adobe (PC und SaaS), IBM, Microsoft (Vor-Ort und Mietmodelle) Oracle Database, Salesforce (SaaS) und SAP (ECC 6.0 und S/4HANA) bei der Erstellung des ELP erfassen
  • Die Anbieter müssen einen Connector zur Verfügung stellen, um eine native API-Integration von wenigstens einem der SaaS-Anbieter Adobe, Microsoft oder Salesforce zu ermöglichen.
  • Identifizierung unbeabsichtigter Lizenz-Verletzungen und Möglichkeiten zu ihrer Heilung
  • Aufdecken von Einsparmöglichkeiten durch Reduzierung von Lizenzen, ohne dass der Betrieb gestört wird.
  • 4 Millionen Dollar jährlicher Mindestumsatz mit dem SAM-Produkt beziehungsweise aus Wartungsverträgen
  • Generelle, separate Verfügbarkeit des SAM-Produkts.

SAM-Tools weiten den Blick für die digitale Wirtschaft insgesamt

In den Einzelbewertungen der SAM-Anbieter gehen die Autoren des Gartner Magic Quadrant an vielen Punkten noch mehr ins Detail. Da wird die „Cloud-Readyness“ ebenso bewertet wie die weltweite Präsenz des Unternehmens, desgleichen die Leistungsfähigkeit des Kundendienstes; darüber hinaus wird die Verfügbarkeit beziehungsweise die Nicht-Verfügbarkeit von APIs zu Cloud-Anwendungen seziert und nicht zuletzt wird über Kunden-Rezensionen analysiert, wie oft wann und in welchen Situationen das SAM-Paket nur noch mit Hilfe der Servicetechniker-Truppe betrieben werden kann.

Gartner taxiert den weltweiten SAM-Tool-Markt auf rund 300 Millionen Dollar (2019) mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 12 Prozernt. Bezüglich der inhaltlichen Entwicklung des SAM-Angebots sehen die „Gartner-Magiker“ eine deutliche Erweiterung der SAM-Tools voraus beziehungsweise schon im Gange.

Genannt werden dabei die Schwachstellen- Klassifikation einer Software und eine weitere inhaltliche Ausdehnung in Richtung Applikations-Rationalisierung, Projektplanung und Digitale Transformation. Man erkennt an dieser Liste unschwer, dass der Durchblick bei der Lizenzierung und Nutzung von Software auch den Blick in viele andere Sektoren der digitalen Wirtschaft schärft.

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