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In den Sternen steht …. „Die Nachfrage nach Datacenter wird das Angebot deutlich übersteigen“

Redakteur: Ulrike Ostler

Dr. Béla Waldhauser, Leiter der Datacenter Expert Group im Eco - Verband der Internetwirtschaft e. V., nennt die wesentlichen Trends im Datacenter-Markt 2017. Sein Resümee: Die Nachfrage nach Datacenter-Kapazitäten wird weiterhin stark steigen, so dass die Anbieter kaum nachkommen werden.

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Der DataCenter-Markt boomt - auch im kommenden Jahr.
Der DataCenter-Markt boomt - auch im kommenden Jahr.
(Bild: © mozZz / Fotolia.com)

„Alle gestandenen größeren Datacenter werden ihre Kapazitäten massiv ausbauen“, sagt Waldhauser. Als Beispiele nennt er Equinix, Interxion, E-Shelter und Telehouse. „Dabei geht es jeweils um 5 bis 10 Megawatt zusätzlicher Leistung pro Anbieter in den nächsten zwölf Monaten“, verdeutlicht er.

Auch die neuen Anbieter wie Zenium, Maincubes, DRT oder Colt DCS planen nach Angaben von Waldhauser Neubauten. Außer Maincubes hat aber noch keiner der drei anderen mit dem Neubau begonnen, so dass mit der Fertigstellung erst in 2018 zu rechnen ist.

Das Bild zeigt den 1899 fertiggestellten „Großen Refraktor“ des astrophysikalischen Observatoriums in Potsdam.
Das Bild zeigt den 1899 fertiggestellten „Großen Refraktor“ des astrophysikalischen Observatoriums in Potsdam.
(Bild: Vogel It-Medien GmbH)

Colt habe sein Datacenter-Geschäft sogar in eine eigene Business Unit überführt, die direkt an die Investoren berichte und nicht mehr an den Colt-Vorstand, um vom Marktwachstum zu profitieren. Keppel T&T habe sich nicht nur mit einer Tochtergesellschaft an Maincubes beteiligt, sondern mit einer weiteren Tochtergesellschaft auch das existierende Rechenzentrum der Citigroup gekauft.

US-Konzerne fragen nach

„Mittlerweile haben wir kein Überangebot mehr am Frankfurter Markt, wie es lange Jahre der Fall war. Ganz im Gegenteil werden wir in 2017 eine starke Nachfrage erleben, die das verfügbare Angebot übersteigt“, analysiert Waldhauser.

Als Grund hierfür nennt Eco die massive Nachfrage der Internet-Giganten aus den USA. Mehr oder weniger jeder der großen Player betreibt schon oder plant kurzfristig Cloud-Angebote aus Frankfurt heraus anzubieten. Diese Installationen benötigen jeweils mehrere Megawatt IT-Leistung. Die extrem hohe Nachfrage werde sich 2017 und 2018 fortsetzen. Das gelte umso mehr, als die meisten der Neu- oder Ausbauten frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2017 oder gar erst 2018 fertig gestellt werden.

Béla Waldhauser, Leiter der Datacenter Expert Group im eco - Verband der Internetwirtschaft e. V., äußert sich zu den Trends im Datacenter-Markt, die 2017 bestimmend sein werden.
Béla Waldhauser, Leiter der Datacenter Expert Group im eco - Verband der Internetwirtschaft e. V., äußert sich zu den Trends im Datacenter-Markt, die 2017 bestimmend sein werden.
(Bild: Telehouse/KDDI)

Dazu Waldhauser: „Dieser Trend untermauert meine frühere Aussage, dass sich die einstigen Carrier-Hotels - wie die Co-Location-Rechenzentren zu Beginn genannt wurden - zu Cloud-Hotels gewandelt haben. Dies geht einher mit höherer Leistungsdichte und Verfügbarkeit bei gleichzeitig deutlicher Reduzierung des Stromverbrauches für die Datacenter Infrastruktur.“

Die dritte Konsolidierungswelle

Zugleich stellt der Eco fest, dass sich die Konsolidierung der Housing- und Hosting-Branche weiter fortsetzt. Aktuelle große Deals wie die Übernahme der Host Europe Group durch GoDaddy zeigten Konsolidierungstrends. Die Anbieter wollten Skaleneffekte nutzen und geografische Erweiterungen realisieren.

Anfang Dezember 2016 prägen zwei große Akquisitionen die Housing- und Hosting-Branche: GoDaddy gewinnt den Bieterwettstreit um die Host Europe Group und der Rechenzentrums-Dienstleister Equinix gibt bekannt, 29 Rechenzentren von Verizon zu übernehmen (siehe: Artikel-Links).

Waldhauser kommentiert: „Beide Transaktionen zeigen aktuelle Konsolidierungstrends. Das betrifft sowohl die Hosting-Branche als auch den Bereich Server-Housing/Colocation in Rechenzentren.“

Hoster sichern sich mit Akquisitionen neue Märke

In den vergangenen Jahren hat Host Europe auch selbst mit der Übernahme des Server-Providers Intergenia und anschließender Restrukturierung die Konsolidierung der Branche vorangetrieben. Diese Entwicklung setze sich mit der Übernahme durch GoDaddy nun logisch fort, sagt Waldhauser: „GoDaddy gewinnt mit der Übernahme eine stärkere Präsenz in der EU. Mit diesem Deal sichert sich der amerikanische Domain-Spezialist ein Standbein in Kontinental-Europa, selbst über den Brexit hinaus.“ Auch Equinix gewinne mit der Übernahme der Verizon Rechenzentren Präsenz in in neuen Märkten.

Datacenter-Konsolidierung in drei Wellen

Einsparungen durch Skaleneffekte sind ein weiterer Grund für Akquisitionen in diesen Bereichen. „Der Trend geht zu immer größeren Rechenzentren, die es ermöglichen, Cloud-Lösungen besonders günstig anzubieten“, so Waldhauser. Der Kostendruck sei hoch, drängten zurzeit doch US-amerikanische Cloud-Anbieter auf den deutschen Markt und investierten massiv in Rechenzentrumsflächen. Die Nachfrage nach Datacenter-Kapazitäten steige dadurch kontinuierlich an. „Alle gestandenen größeren Datacenter werden ihre Kapazitäten massiv ausbauen", resümiert Waldhauser.

Waldhauser unterteilte bereits im Februar 2016 die weltweiten Übernahmen in der RZ-Branche in drei Wellen: Die derzeitige dritte Welle zeichnet sich demnach dadurch aus, dass Unternehmen danach streben, die Position an der Spitze des Feldes auszubauen oder zu erreichen. Große RZ-Betreiber kaufen kleinere auf, um sich strategische Vorteile zu sichern oder fusionieren mit gleich starken Unternehmen, um gemeinsam konkurrenzfähiger zu sein.

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