Damit die Telekom-Cloud grüner wird Das Telekom-Rechenzentrum in Biere soll nachhaltiger wirtschaften

Redakteur: Ulrike Ostler

Die Cloud soll grüner werden. Dafür hat T-Systems ein Forschungsprojekt im Rechenzentrum Biere in Sachsen-Anhalt gestartet. Gemeinsam mit dem Fraunhofer IFF in Magdeburg entwickeln T-Systems-Experten Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit im Betrieb von Rechenzentren.

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Das Rechenzentrum in Biere beherbergt einen Großteil der Cloud-Angebote von der Deutschen Telekom.
Das Rechenzentrum in Biere beherbergt einen Großteil der Cloud-Angebote von der Deutschen Telekom.
(Bild: Deutsche Telekom)

Das langfristigeZiel des Projekts ist ein Rechenzentrum, das sich durch das Zusammenspiel aus regenerativer Erzeugung, Speichern und flexiblen Verbrauchern bilanziell selbst versorgt. Das entlastete einerseits das Stromnetz, andererseits stärkte eine erhöhte Autarkie die Resilienz des Rechenzentrums.

„Rechenzentren sind die Herzkammern der Digitalisierung“, so die Telekom in einer Pressemitteilung. Sie bildeten den Kern der Cloud. Das heißt: Die Rechenkapazitäten, Anwendungen und Speicher, die Anwender jederzeit über ihr Netz abrufen können, kommen aus großen Rechenzentren.

Eines der modernsten Europas ist das Telekom-Datacenter in Biere. 2014 eröffnet und 2018 erweitert, verfügt es bereits heute über einen sehr guten Energie-Effizienzwert von 1,3 PUE (Power Usage Effectiveness). Mit zunehmender Digitalisierung wird der Stromverbrauch von Rechenzentren jedoch absehbar steigen. Deshalb sucht T-Systems schon jetzt nach Wegen, den Stromverbrauch und die CO2-Produktion zu senken.

„Rechenzentren konzentrieren hohe energetische Bedarfe auf wenige Standorte“, erläuterte Johannes Krafczyk, bei T-Systems verantwortlich für Datacenter Innovations. „Der Einfluss von Maßnahmen und Technologien zur CO2-Reduktion ist deshalb potenziell sehr hoch.“

Das ambitionierte Ziel lautet: „Net-zero energy data center“. Damit ist ein Rechenzentrum gemeint, das unter optimalen Bedingungen keine Energie mehr aus dem öffentlichen Stromnetz bezieht und sich alleinig durch CO2-neutrale Energie versorgt.

Fast 100 Maßnahmen für weniger Energieverbrauch

Dafür analysierte das Projektteam im ersten Schritt Einsatzmöglichkeiten von insgesamt 98 Technologien und Einzelmaßnahmen, um den CO2-Abdruck von Biere und seinem Zwillings-Rechenzentrum in Magdeburg zu senken. Dazu zählen Photovoltaik und Windkraft, aber auch bessere Kühltechnik, Wärmenachnutzung und effizientere Rechner.

Im Herbst des vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die Telekom für ein gemeinsames Angebot von OVHcloud und der Telekom zum einen die OpenStack-IT-Architektur nutzen will, aber auch die wassergekühlten Server von OVHcloud, die das Unternehmen selbst entwickelt hat und die eine hohe Energie-Effizienz bieten. Ob diese in Biere stehen sollen, ist unbekannt.

Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings hoch, wenngleich es inzwischen eine Vielzahl wassergekühlter Systeme gibt, etwa von Cloud & Heat als auch Systeme aus dem Open Compute Projekt. Die Telekom gibt jedenfalls bekannt, dass im Rechenzentrum Magdeburg bereits ein Pilotprojekt mit wassergekühlten Racks laufe. Dabei gehe es unter anderem um den Vergleich der Energie-Effizienz mit klassischer Luftkühlung.

Die Telekom hat aber auch weitere Lieferanten und Partner aufgerufen, effizientere Technologien beizusteuern. Die jetzt bereits bekannt gewordenen Maßnahmen sollen jedenfalls folgendes Ergebnis haben: Ein höherer Autarkiegrad von bis zu 50 Prozent sowie ein Einsparen von bis zu 20.000 Tonnen CO2 pro Jahr.

Im zweiten Schritt geht es an die praktische Überprüfung der Analysen des Fraunhofer Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF. Dirk Kabelitz, Leiter des Datacenter Campus Biere, führt aus: „Derzeit prüfen wir die Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit konkreter Maßnahmen, zum Beispiel die Nutzung von Abwärme. Ebenso untersuchen wir die Eigenversorgung aus nachhaltigen Energiequellen.“

Die Nachhaltigkeitsstrategie der Telekom

Das Projekt in Biere gehört zur Nachhaltigkeitsstrategie der Telekom. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, bis spätestens 2040 klimaneutral zu arbeiten. Ein wichtiger Meilenstein ist bereits erreicht: Seit Anfang 2021 bezieht das Unternehmen seinen Strom konzernweit ausschließlich aus erneuerbaren Energien.

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