Auch neue Kapazitäten für die Halbleiter-Produktionskette Asahi Kasei lizenziert Acetonitril-Elektrolyt in China

Von Daniel Schrader 5 min Lesedauer

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Asahi Kasei lizenziert den Elektrolyten „Acetolyte“ an Highchem. Acetolyte soll Lithium-Ionen-Zellen leistungsfähiger machen. In Taiwan öffnet zudem eine Schneideanlage für einen Halbleiter-Photoresist. Sie soll Lieferengpässen in der Chip-Herstellung entgegenwirken.

Die Schneideanlage für den Halbleiter-Photoresist „Sunfort“ im taiwanesischen Tainan soll Lieferengpässen in der Chip-Herstellung entgegenwirken.(Bild:  Asahi Kasei)
Die Schneideanlage für den Halbleiter-Photoresist „Sunfort“ im taiwanesischen Tainan soll Lieferengpässen in der Chip-Herstellung entgegenwirken.
(Bild: Asahi Kasei)

Asahi Kasei vergibt erstmals eine Lizenz zur lokalen Produktion und zum Vertrieb des Batterieelektrolyten „Acetolyte“ in China. Highchem Shanghai, der Handelsarm des japanischen Chemieunternehmens Highchem, erhält eine nicht-exklusive Lizenz für den chinesischen Markt und beliefert dort bereits Zellhersteller mit Elektrolyt-Lösungsmitteln wie Dimethylcarbonat.

Eine Lizenzoffensive, auch in Deutschland

Yuichi Taka von Highchem, Yueyuan Long von Highchem Shanghai sowie Osamu Matsuzaki und Yuto Iizuka von Asahi Kasei am Firmenhauptsitz.(Bild:  Asahi Kasei)
Yuichi Taka von Highchem, Yueyuan Long von Highchem Shanghai sowie Osamu Matsuzaki und Yuto Iizuka von Asahi Kasei am Firmenhauptsitz.
(Bild: Asahi Kasei)

Im Batteriegeschäft ist der japanische Hersteller Asahi Kasei bislang vor allem als Zulieferer von Separatoren bekannt: mikroporösen Kunststofffolien, die Kathode und Anode in der Zelle trennen. Unter der Marke „Hipore“ betreibt das Unternehmen dafür Werke in Japan und baut derzeit gemeinsam mit Honda eine Fertigung in Ontario auf; im Sommer 2025 kam eine Kapazitäts-Partnerschaft mit Toyota Tsusho für ein Werk in North Carolina hinzu.

Der Elektrolyt gehört dagegen zu einem vergleichsweise jungen Geschäftsfeld, das Asahi Kasei seit 2010 entwickelt. Die erste kommerzielle Produktion ist mit der ersten Lizenz an den deutschen Zellhersteller EAS Batteries im November 2025; für den japanischen Markt wird das Produkt als „in Entwicklung“ gekennzeichnet.

Die China-Lizenz an Highchem Shanghai ist damit erst der zweite öffentlich bekannte Vertrag für diese Technologie, zudem der erste im größten und preissensibelsten Batteriemarkt der Welt. Asahi Kasei hat dafür klare Ziele gesetzt: mindestens zehn neue Lizenzverträge im Zeitraum der Geschäftsjahre 2025 bis 2027, mit einem kumulierten Ergebnisbeitrag von mindestens zehn Milliarden Yen bis etwa 2030. Gemessen daran bleibt nach zwei öffentlich bekannten Abschlüssen noch viel zu tun.

Ein Innovationsprodukt?

Asahi Kasei positioniert Acetolyte als Innovationsprodukt. Der Elektrolyt nutzt Acetonitril als Lösungsmittel und soll so die Ionenleitfähigkeit erhöhen. Eine höhere Ionenleitfähigkeit senkt den Innenwiderstand der Zelle und erlaubt damit höhere Lade- und Entladeströme bei geringerer Verlustwärme. Asahi Kasei zufolge liefern Zellen mit dem Elektrolyten zwischen minus 40 und minus 20 Grad Celsius noch nutzbare Leistung und bleiben bis 60 Grad zyklenstabil. Folge seien eine höhere Leistungsabgabe bei niedrigen Temperaturen sowie eine verbesserte Haltbarkeit bei Hitze.

Acetonitril ist ein bekanntes Elektrolyt-Lösungsmittel, dieses ist aber nicht Standard in Lithium-Ionen-Batterien. Für eine Reduktionsstabilität und damit die Langlebigkeit der Zelle sind genau abgestimmte Additive erforderlich. Zudem bleibt der niedrige Flammpunkt ein wichtiger Sicherheitsfaktor. Asahi Kasei verweist hier auf ein Additivpaket, welches nicht näher spezifiziert wird.

Leistungsversprechen mit Blick auf Deutschland

Neu ist nicht die Zellchemie, sondern die Formulierung: Acetonitril in Kombination mit Carbonat-Lösungsmitteln eingesetzt, den Lithiumsalzen Lithiumhexafluorophosphat und LiFSI sowie Vinylencarbonat als Additiv. Nach Herstellerangaben lässt sich das Gemisch auf vorhandenen Anlagen für konventionelle Elektrolyte verarbeiten, was den Umstellungsaufwand bei Zellherstellern begrenzt.

Konkrete Zelldaten stammen bislang ausschließlich aus der Zusammenarbeit mit EAS Batteries aus Nordhausen, das seit März 2026 spezifisch LFP-Batterien in Serie fertigt. Entscheidend sind dabei W/kg-Werte: Sie setzen die Leistung ins Verhältnis zum Zellgewicht und zeigen an, wie schnell eine Batterie Energie abgeben kann. Die zylindrische Zelle mit Lithium-Eisenphosphat-Kathode (LFP) und 22 Amperestunden erreiche 2.550 W/kg Dauerleistung gegenüber 1.550 W/kg bei einer Vergleichszelle mit herkömmlichem Elektrolyten.

Im Zwei-Sekunden-Puls schrumpft der Abstand allerdings auf rund zehn Prozent: 3.760 gegenüber 3.420 W/kg. Bei 5C-Ladung und -Entladung (einer rechnerischen Vollladung in zwölf Minuten) und vollständiger Entladung halte die Zelle nach 2.400 Zyklen noch 80 Prozent ihrer Ausgangskapazität.

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Eine Einordnung verdient die begleitende Aussage, der Elektrolyt ermögliche kleinere Batteriepacks mit höherer Energiedichte. Ein Elektrolyt erhöht die spezifische Energie einer Zelle nicht. Kleiner ausfallen können allerdings Packs, die heute wegen ihrer Leistungs- oder Kühlanforderungen überdimensioniert sind.

China-Lizenz verlagert die Skalierung zum Partner

Highchem Shanghai produziert und verkauft den fertigen Elektrolyten künftig an chinesische Zellhersteller; dieselbe Kundengruppe, die das Unternehmen bereits mit Elektrolyt-Lösungsmitteln beliefert. Batterien fertigt Highchem nicht. Hier wird entscheidend sein, inwiefern die Messwerte aus Qualifikationstests des Elektrolyten Batteriehersteller überzeugen.

Hinzu kommt der Preisdruck durch die etablierten chinesischen Elektrolythersteller Tinci und Capchem: Beide haben in den vergangenen Jahren so stark in eigene Kapazitäten investiert, dass die chinesische Elektrolytindustrie heute deutlich mehr produzieren kann, als der Markt aufnimmt.

Zielmarkt Batteriespeicher

Der Hersteller verweist ausdrücklich auf Vorteile von Acetolyte zum Einsatz in stationären Batteriespeichersystemen. Diese rücken für Rechenzentren in letzter Zeit stärker in den Fokus für den Einsatz nicht nur in der Notstromversorgung, sondern auch für den Ausgleich von Dunkelflaute-Zeiten bei erneuerbaren Energien, für Peakshaving bei KI-Workloads und für Netzdienste am Regelenergiemarkt. Zugleich spielt der Elektrolyt von Asahi Kasei seine Stärken primär bei der Leistungsdichte und der Funktion bei extremen Temperaturen aus (beides etwa bei Elektroautos entscheidend), für Rechenzentren dürften Sicherheit, Zyklenfestigkeit und Kosten eher ausschlaggebend sein.

Die Lizenzoffensive fällt in eine Phase, in der Asahi Kasei Teile seines Petrochemiegeschäfts umbaut. Der Konzern beendet am Standort Kawasaki die Produktion von MMA-Monomer und PMMA sowie das SB-Latex-Geschäft. Auch die dortige Aufbereitung von Acetonitril mit einer Kapazität von rund 14.000 Tonnen jährlich soll auslaufen. Acetonitril fällt als Koppelprodukt der Acrylnitril-Herstellung an und ist der zentrale Lösungsmittelbestandteil von Acetolyte. Die Versorgung mit Acetonitril soll künftig über Tongsuh Petrochemical in Südkorea erfolgen.

Erweiterung der Halbleiter-Photoresist-Produktion

Auch abseits der Batteriesparte baut Asahi Kasei Kapazitäten für wachsende Märkte aus, diesmal aber in Eigenproduktion. Das Unternehmen verkündet die Inbetriebnahme einer neuen Schneideanlage im taiwanesischen Tainan für den Halbleiter-Photoresist „Sunfort“: eine lichtempfindliche Folie, die im Halbleiter-Packaging als Maske für die Leiterbahnstrukturierung dient. Die rund zwei Milliarden Yen (etwa elf Millionen Euro) teure Anlage soll die Schneidkapazität um 40 Prozent steigern, mit Potenzial zur Verdopplung der Produktionsmenge.

Anders als bei Acetolyte handelt es sich dabei um keinen technologischen Sprung, sondern um eine Kapazitätserweiterung im laufenden Geschäft. Asahi Kasei konfektioniert Sunfort bereits seit 1997 in Tainan und baut dort nun die Kapazität für die kundenspezifische Konfektionierung aus.

Die Investition reagiert auf einen strukturellen Engpass: Nicht nur die Chipfertigung selbst, sondern ebenfalls das nachgelagerte Packaging gelten als Flaschenhals der Halbleiter-Lieferkette auch für die KI-Infrastruktur mit hoher Nachfrage bei wenigen Anbietern wie ASE, Amkor und JCET.

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