Doppelböden und Kabelschächte als Energiefresser Amadeus optimiert Kühlung im Rechenzentrum mit hochdichten Kabeldurchführungen

Redakteur: Ulrich Roderer

Das Rechenzentrum Amadeus gehört zu den größten und leistungsstärksten Datenzentren weltweit. Es ist Teil der Amadeus IT Group S.A., einer weltweiten Anbieterin von IT-Lösungen für die Reisebranche. Mehr als 80.000 Reisebüros setzen die Reisemanagement-Lösung des Unternehmens ein. In Spitzenzeiten arbeitet das Zentrum 7000 Daten-Transaktionen pro Sekunde ab.

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( Archiv: Vogel Business Media )

„Angesichts dieser Zahlen ist Hochverfügbarkeit für unser Geschäft und vor allem für unsere Kunden unabdingbar“, sagt Matthias Koll, Manager Infrastructure bei Amadeus. Seit dem Start vor über siebzehn Jahren sorgen Matthias Koll und sein Team dafür, dass die IT- und Gebäudeinfrastruktur immer auf dem neuesten Stand gehalten wird. So werden ständig Lösungen evaluiert, die zu einer Erhöhung der Verfügbarkeit, Sicherheit und Effizienz der betriebenen Anlagen beitragen. Ein Hauptaugenmerk legt Matthias Koll dabei natürlich auf die Optimierung von Faktoren, die beim Rechenzentrums-(RZ-)Betrieb als geschäftskritisch gelten wie zum Beispiel die Kühlung.

Bei Amadeus halten drei redundante Kühlsysteme die Computerräume und die darin stehenden Racks mit der Hardware permanent auf einer Optimaltemperatur zwischen 18 und 22 Grad um den reibungslosen Geschäftsbetrieb sicherzustellen. „Dazu wird die erzeugte Kaltluft mit hohem Druck durch den RZ-Doppelboden geblasen und strömt überall dort aus, wo es dem sensiblen IT-Equipment nach Kühlung verlangt“, erklärt Koll und räumt in gleichen Atemzug ein: „Nun ja, leider trat in der Vergangenheit die Kühlluft nicht ausschließlich an den gewünschten Stellen aus, sondern auch an den Kabeleinlässen und - führungen im Doppelboden. Diese hatten wir zwar mit Bleimatten weitestgehend abzudecken versucht, aber der geringe Wirkungsgrad verlangte zwingend nach einer erheblichen Optimierung.“ So machten sich Matthias Koll und sein Team auf die Suche nach einer entsprechenden Verschlusslösung und war einigermaßen verwundert, dass es im deutschsprachigen Raum mit der in Berlin ansässigen Firma Daxten nur einen Anbieter für ein den Anforderungen entsprechendes Dichtungssystem namens Koldlok gibt.

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Bis zu 63 Prozent der Kühlluft entweicht an Doppelbodeneinlässen

Bei einem Vor-Ort-Termin in Erding für eine Teststellung hat Koll erkannt, dass er anscheinend ein ganz heißes Eisen angepackt hatte: Denn das amerikanische Uptime Institute hat in einer Studie ermittelt, dass bis zu 63 Prozent der insgesamt erzeugten Kühlluft in Rechenzentren an Kabelführungen und durch unzureichend abgedichtete Doppelbodeneinlässen entweicht und nicht mehr dorthin gelangt, wo diese dringend benötigt wird, nämlich in Serverräumen, in den Racks und vor allem bei den dort untergebrachten Servern. Im schlimmsten Fall droht dann die Entstehung von so genannten Hotspots, d.h. von Wärmezonen an der Hardware, die dadurch zu überhitzen droht, zu Fehlfunktionen neigt und ausfallen kann.

Die daraus ableitbaren Implikationen sind klar: Konventionell kann ein derart hoher Kühlverlust und alle damit einhergehenden Risiken nur durch eine Erhöhung der Leistung der Klimageräte vermieden werden, und das treibt den Energieverbrauch erheblich in die Höhe. Bei nicht höher skalierbaren Kühlungskapazitäten müssen kostspielige Investition in zusätzliche Kühlanlagen getätigt werden, die zudem wertvollen Rechenzentrumsraum beanspruchen würden.

Das Koldlok-System, bestehend aus einem zweiteiligen Kunststoffrahmen mit speziellen in zwei Lagen angeordneten, bürstenartigen Kunstfasern. Während der Teststellung wurde das System in wenigen Sekunden in die Öffnungen im Doppelboden eingesetzt und dann fest darauf verschraubt. Es umschließt die durch den Boden geführten Kabel nahezu lückenlos, den sonst deutlich zu spürenden Luftzug konnte Koll nicht mehr feststellen.

Patentierte Kabeldurchführungen sparen Energiekosten

Heute, mit ungefähr 130 bei Amadeus eingesetzten Koldlok-Systemen, lässt sich die Effizienz dieser Lösung auch anhand harter Fakten belegen: Innerhalb eines Jahres konnte Matthias Koll eine Energieeinsparung bei der RZ-Kühlung von über 46.000 Euro erzielen – bescheinigt durch ein externes Gutachten von einem unabhängig beratenden Ingenieur. Dabei lag der Amortisationszeitraum der Investition gerade einmal bei drei Monaten. „Zudem konnten wir durch die rein mechanische Koldlok-Abdichtung der Doppelbodeneinlässe einen Druckanstieg von 30 auf 40 Hektopascal verzeichnen – wohlgemerkt bei konstanter Kühlleistung“, freut sich Koll. Den größten Vorteil aber sieht Koll darin, dass er keine zusätzlichen Kühlanlagen anschaffen und damit wertvolle RZ-Fläche opfern muss. „Da Amadeus als Service-Provider auch das Hosting für die ausgelagerte IT seiner gewerblichen Kunden anbietet, bedeutet jeder Quadratmeter eingesparte Fläche mehr Raum für Rechnerkapazität und damit eine Erhöhung der eigenen Wirtschaftlichkeit.“

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