Suchen

Interview mit Chip Childers, Cloud Foundry Foundation „Alle Kubernetes-Cluster sollen von Cloud Foundry profitieren“

Autor: Ulrike Ostler

„KubeCF“ ist eine Open-Source-Distribution der Cloud Foundry Application Runtime (CFAR), die auf „Kubernetes“ laufen soll. Ursprünglich von Suse ins Spiel gebracht, handelt es sich seit März dieses Jahres um ein Inkubationsprojekt der Cloud Foundry Foundation. Von heute ist die Nachricht, dass Abby Kearns ihren Posten bei der Organisation als Executive Director aufgibt und Chip Childers ihn übernimmt. Datacenter-Insider hat ihn interviewt.

Firmen zum Thema

Die Cloud Foundry Foundation bekommt einen neuen Geschäftsführer und die Community noch mehr Kubernetes.
Die Cloud Foundry Foundation bekommt einen neuen Geschäftsführer und die Community noch mehr Kubernetes.
(Bild: LeutherCommerce auf Pixabay)

Cloud Foundry steht für eine Open-Source-Technologie, die etwa von Dell EMC, Google, IBM, Microsoft, SAP, Suse und VMware unterstützt. Die Container-basierte Architektur soll es ermöglichen, Anwendungen in jeder beliebigen Sprache in jeglicher Cloud auszuführen, etwa „Amazon Web Services“ (AWS), „Google Cloud Platform“ (GCP), „IBM Cloud“, „Microsoft Azure“, „OpenStack“ und „VMware vSphere“.

Relativ spät ließ sich die Cloud-Foundry-Community auf Kubernetes ein, seit März ist nun KubeCF, aktuell also in der Version 1.0, ein neues Inkubationsprojekt. Die Distribution arbeitet mit dem „cf“-Operator von Project „Quarks“ zur Bereitstellung und Verwaltung von Releases, die aus der cf-Bereitstellung erstellt wurden, und kann so konfiguriert werden, dass Kubernetes als zugrunde liegender Container-Scheduler unter Verwendung der Arbeit von Projekt „Eirini“ verwendet wird.

Thomas Di Giacomo, President of Engineering und Innovation bei Suse, sagt: „Wir freuen uns sehr, dass das KubeCF-Inkubationsprojekt mit der Cloud Foundry Foundation steht und über die Unterstützung und das Feedback, das wir von der Runtime PMC und der Cloud Foundry Kubernetes SIG erhalten haben.“ Das Projekt lasse sich nun leichter vorantreiben. Zudem sei sichergestellt, dass sich diese wichtige Technologie so entwickele, wie sie für alle am nützlichsten sein könne.

Kubernetes .... Eirini, BOSH und Quarks

KubeCF wurde der Stiftung von der Suse zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen hat die Technik produziert und kommerzialisiert.

KubeCF passt somit in eine Entwicklung, die nach Gesprächen zwischen SAP, IBM und Suse auf dem Cloud Foundry Summit Europe 2017 angestoßen wurde, und mit der ersten vorgelagerten Initiative „Containerizing Cloud Foundry“ gestartet wurde. Es entstanden die Projekte Eirini zur Planung von Benutzeranwendungen auf Kubernetes und „Quarks“ zur Bereitstellung und Verwaltung von „BOSH“-Releases auf Kubernetes.

Childers, im März noch CTO der Cloud Foundry Foundation, erläutert: „Nach dem Entwurf stellten wir fest, dass eine Schlüsselkomponente fehlt: die Verteilung von CFAR für Kubernetes.“ Mit KubeCF lasse sich die Lücke füllen, indem die Community ein Repository aufbaut, das alle Komponenten von CFAR in einer Distribution zusammenführt. „Wir sind begeistert, dass KubeCF als Inkubationsprojekt beitritt und wir auch in Zukunft eine produktive Beziehung haben werden.“

Derneue Executive Director der Cloud Foundry Foundation, Chip Childers, 2018 auf der Kopenhagerner Konferenz der Organisation.
Derneue Executive Director der Cloud Foundry Foundation, Chip Childers, 2018 auf der Kopenhagerner Konferenz der Organisation.
(Bild: Ulrike Ostler/ Vogel IT-Medien GmbH)

Nun übernimmt Childers die Aufgabe des Executive Director der Cloud Foundry Foundation von Kearns. Diese hat an anderer Stelle eine leitende Funktion übernommen, die noch bekannt gegeben wird. In der Bekanntmachung seitens der Foundation heißt es: „Wir als Stiftung schlagen ein neues Kapitel auf: die Profile unserer technischen Mitarbeiter zu schärfen, die Leistungen der Gemeinschaft hervorzuheben und die Cloud-Foundry-Plattform als die beste Kubernetes-Erfahrung für Unternehmensentwickler neu zu definieren.“

Cloud Foundry ist einerseits sehr erfolgreich andererseits stehlen Entwicklungen wie OpenStack und Kubernetes, zwischenzeitlich Docker der Foundation die Show. Wie erklären Sie das?

Chip Childers: Hier ist es ganz wichtig zu beachten, dass jede der genannten Technologien ein anderes Problem löst. Cloud Foundry steht weder in direkter Konkurrenz zu OpenStack, noch zu Kubernetes, noch zu Docker. Vielmehr macht es Sinn, Cloud Foundry zusammen mit diesen anderen Cloud-nativen Tools zu verwenden.

Tatsächlich setzen die meisten Anwender der Cloud Foundry-Plattform mindestens eines dieser anderen Projekte in Kombination mit Cloud Foundry ein. Jede dieser Technologien ist für sich gesehen erfolgreich, weil jedes sein ganz eigenes Ding macht.

Welche Entwicklungen hat Cloud Foundry seit der Gründung durchlaufen? Wie hat sich der Fokus verschoben? Wie messen Sie den Erfolg?

Chip Childers: Die Foundation wurde vor fünf Jahren gegründet, um das geistige Eigentum der Open-Source-Cloud-Foundry-Technologie zu verwalten und dem Projekt vorzustehen. Wir arbeiten weiterhin eng mit unseren Mitgliedern und den technischen Projekt-Managern zusammen und stimmen uns ab.

Gemeinsam wollen wir nun den Schwerpunkt der Entwicklung auf eine Kubernetes-basierte Plattform hin verschieben. Wir arbeiten eng mit der Community zusammen, um diese Transformation zu unterstützen und einfacher zu machen.

So wie sich die Technologie wandelt, so verändert sich auch Cloud Foundry: Es erhält neue Funktionen, bleibt aber flexibel, um den Anforderungen unserer vielfältigen Community gerecht zu werden. Dieser Evolutionsprozess läuft bereits seit Jahren. Unsere Aufgabe ist es nun, Kubernetes-Clustern überall die hervorragende Entwicklungsumgebung von Cloud Foundry angedeihen zu lassen. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass das gesamte Ecosystem diese Bewegung geschmeidig mitgehen kann. So sieht für uns Erfolg aus.

Abby Kearns gibt ihre Rolle als Executive Director an Sie ab. Was ändern sich dadurch – für die Partnerunternehmen, die Community, die Kunden?

Chip Childers: Abby und ich haben während unserer gemeinsamen Amtszeit bei der Foundation im Gleichschritt zusammengearbeitet. Wir haben zusammen enge Bande zu unseren Mitgliedern und zur Community aufgebaut, und daran wird sich mit ihrem Weggang nichts ändern. Meine tagtäglichen Aktivitäten mit und in der technischen Community werden sicherlich viele meiner Gespräche mit unseren Board-Members bereichern - aber so war das eigentlich schon immer.

Sehen Sie die Gefahr, dass alles, was Cloud Foundry ausmacht, vom Kubernetes-Universum vereinnahmt wird?

Chip Childers: Cloud Foundry und Kubernetes stehen nicht im Wettbewerb miteinander, tatsächlich machen sie sich vielmehr gegenseitig stärker: Kubernetes ist zum industrieweit anerkannten Standard für die Container-Orchestrierung geworden und steht für die nächste Generation der Infrastruktur-Plattformen. Die „Cloud Foundry Application Runtime“ (CFAR) ist dagegen eine Anwendungsplattform, die den Entwicklern die bestmögliche Umgebung offerieren soll.

Dass unsere Community eine eigene Container-Orchestrierungskomponente für die Plattform erstellt hat, lag einfach daran, dass wir der Zeit in Sachen Container-Einsatz um einiges voraus waren. Jetzt, da Kubernetes ausgereift ist, setzt es unsere Community freudig ein und arbeitet an Migrationsstrategien und -Tools. Das wird unseren Mitwirkenden viel Zeit geben, um sich noch mehr auf die Verbesserung der Entwicklungsumgebung zu konzentrieren.

Beim vergangenen Summit war alles auf den Komfort der Entwickler ausgerichtet – das ist für mich überraschend; denn so oft wie ich die Programmierer erwähnt gehört habe, hatte man meinen können, es handle sich um einen Entwicklerkongress. Dabei sind die Entwickler nicht einmal die Zielgruppe. Oder doch?

Chip Childers: Doch, Entwickler sind genau die Zielgruppe unserer Community. Der gesamte Sinn und Zweck von Cloud Foundry besteht darin, Programmierer effizienter zu machen, das ist seit Anfang an der Hauptfokus des Projekts. Die Technologie gibt den Entwicklern die Freiheit, alles zu tun, was sie wollen, indem sie die Komplexität reduziert, die Produktivität kanalisiert und sie in die Lage versetzt, Apps in jeder Sprache, in jeder Cloud und mit jedem Framework zu erstellen. Bei uns dreht sich absolut alles um die Entwickler, sie sind schließlich die Anwender von Cloud Foundry.

Gibt es Cloud Foundry in fünf Jahren noch oder gehört dann alles, bedauerlicherweise, auf Legacy-Friedhöfe?

Chip Childers: Cloud Foundry gibt es bereits seit 2009. Die Community hat die Architektur der Plattform konsequent weiterentwickelt, als andere wichtige Open-Source-Projekte erwachsen und reif genug wurden, um sich an die Cloud Foundry-Architektur anzupassen. Das ist die Stärke von Open Source: Sie ermöglicht es der Community, das Projekt weiterzuentwickeln.

Durch diesen gesamten Prozess hindurch hat unsere Community dafür gesorgt, dass das gesamte Ökosystem - von kommerziellen Distributionen bis hin zu den Endanwendern - die Reise mitmachen kann. Die Community nimmt den Prozess der Migration von einem Entwurf auf den nächsten sehr ernst und hat die Architektur in den letzten fünf Jahren gleich mehrmals erfolgreich umgestaltet.

Der antike griechische Philosoph Heraklit sagte: „Veränderung ist die einzige Konstante im Leben.“ Unsere Community hat diese Denkweise verinnerlicht, sowohl für das Cloud-Foundry-Projekt selbst als auch bezüglich Überlegungen, wie die Umgebung weiter verbessert werden kann. In letzter Konsequenz wird es die Cloud Foundry-Kernfunktion „cf-push“ auch in Zukunft noch geben, ihre Architektur wird sich aber weiterentwickeln.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:46498143)

Über den Autor

 Ulrike Ostler

Ulrike Ostler

Chefredakteurin DataCenter-Insider, DataCenter-Insider