Aus Alt mach neu - nicht immer muss ein Datacenter auf der grünen Wiese entstehen

Zu Besuch im Rechenzentrum vom Provider Spacenet

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Die Versorgung mit Notstrom

Natürlich sind Strom- und Notstversorgung doppelt ausgelegt – in Nordschwabing beispielsweise läuft die Stromversorgung über zwei 2-Megawatt-Anbindungen, Notstrom für 15 Minuten liefern zwei USV-Systeme auf zwei Stockwerken und insgesamt 500 Heavy-Duty-Batterien mit zehn Jahren Lebensdauer.

Sie werden schrittweise gegen neue ausgetauscht, so dass immer genügend relativ neue Batterien vorhanden sind. Schon nach zehn Sekunden Stromausfall startet das Dieselaggregat, auf das die Systeme nach 60 Sekunden umgeschaltet werden können. „In diesem Jahr ist der Strom dreimal für rund eine Stunde ausgefallen – wir befürchten eine weitere Verschlechterung der Stromqualität“, sagt Michael Emmer, Prokurist und Vertriebsleiter bei dem Hoster.

PUE wurde kräftig reduziert

Spacenet sieht sich selbst als „grünen Provider“. So gibt es im Nordschwabinger Rechenzentrum eine strenge Kalt-/Warmgangtrennung: Die Türen der Schränke von Rittal sind durch Gummidichtungen gegen Luftverluste nach außen geschützt.

„Bei uns gibt es für jeden Platz im Rack einen Stromzähler“, sagt Michael Emmer, Prokurist und Vertriebsleiter Spacenet
„Bei uns gibt es für jeden Platz im Rack einen Stromzähler“, sagt Michael Emmer, Prokurist und Vertriebsleiter Spacenet
(Bild: Spacenet)

Unmittelbar hinter der Tür befinden sich rund 20 Zentimeter Freiraum. Dort ist die Abdeckplatte des Doppelbodens entfernt, so dass die kalte Luft an die Vorderseite der Rechner gelangt, ohne mit der übrigen Raumluft in Berührung zu kommen. Sie wird von dort durch die Servern hindurchgesaugt und gelangt in die Warmgänge, wo sie von der allgemeinen Belüftungsanlage entsorgt wird.

Seinen Kunden gibt Spacenet klare Regeln vor, damit wenig Strom verbraucht wird. Beispielsweise müssen alle Lücken im 19-Zoll-Rack sauber verschlossen sein und die Kabel tunlichst nicht über Luftauslässe, sondern gebündelt zum Rand des Schranks geführt werden, so dass sie die Luftzirkulation nicht stören.

Ein hoher Virtualisierungsgrad

Bei den von Spacenet selbst ausgelegen Systemen achtet der Provider darauf, möglichst wenig Hardware zu verwenden und die Ausnutzung per Virtualisierung zu optimieren. Um Ausfällen vorzubeugen, wird Storage grundsätzlich gespiegelt.

Jeder Steckplatz und jeder Schrank besitzt eigene Strommess-Sensoren. Spacenet-Kunden bezahlen den verbrauchten Strom auf die Kilowattstunde genau. Das motiviert, effizient arbeitende Systeme statt Stromfresser einzusetzen.

Wer will, kann auch Ökostrom des Anbieters Naturstrom (hauptsächlich Wasserkraft) nutzen. Der Lohn der Mühe: Die Hälfte der Klimatisierungsenergie wurde eingespart.

Die Autorin:

Ariane Rüdiger ist freie Journalisitin in München.

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