Die auf „Red Hat Enterprise Linux“ (RHEL) verbandelte Linux-Variante „CentOS“ geht ihrem Support-Ende entgegen. Welche Möglichkeiten haben Anwender?
Anwender müssen sich dringend nach einem anderen Dienstleister oder einer Alternative für „CentOS“ umsehen.
(Bild: CentOS Project)
CentOS ist laut Wikipedia die dritthäufigste Betriebssystem-Variante für Web-Server. Basierend auf RHEL, wird das quelloffene CentOS-Projekt bislang von einer kleinen Entwicklergruppe gepflegt.
Kein Wunder also, dass das nunmehr endgültige Lebensende der Software den Markt beschäftigt. Seine besonderen Stärken sind und waren Sicherheit über die Ergänzung Security-Enhanced Linux, Stabilität, regelmäßige Updates, Kompatibilität mit diversen Management-Plattformen und kostenlose Verfügbarkeit.
CentOS-Varianten
Es gibt zwei CentOS-Distributionen: „CentOS Linux“ und „CentOS Stream“. Eingestellt wird nur CentOS Linux, die stabilere der beiden Varianten. CentOS Stream bleibt. „CentOS 8 Linux“ wurde bereits Ende 2021 eingestellt, nun folgt am 30. Juni 2024 CentOS Linux 7. Dies betrifft auch Sicherheits-Patches.
In CentOS Linux wurden während dessen Lerbensdauer stabile Funktionen von RHEL übernommen. Neue Funktionen, die erst später in RHEL integriert werden sollen, wandern dagegen in CentOS Stream.
Entwickler stellen ihre Beiträge direkt ins offizielle Centos-Stream-Repository ein. Der Release-Zyklus ist daher nur wenige Tage lang. Binärkompatibilität zu RHEL ist also nicht gegeben.
Alternativen beim CentOS-Ende
Anwender haben jetzt mehrere Möglichkeiten:
Sie können auf CentOS Stream wechseln.
Sie können zu RHEL migrieren.
Sie können sich einen anderen Linux-Distributor wählen.
Oder sie können versuchen, auch weiterhin CentOS zu nutzen.
Um zur richtigen Entscheidung zu kommen, sollte man die Unterschiede zwischen CentOS und RHEL sowie CentOS Stream kennen. RHEL wurde 2000 von Red Hat, heute zu IBM gehörend, aus dem „Feodora“-Projekt entwickelt.
2014 gab Red Hat bekannt, auch für CentOS als Sponsor zu agieren. Faktisch gleichen sich RHEL und CentOS, allerdings sind CentOS- und RHEL-Team unabhängig voneinander.
CentOS und RHEL
Alle CentOS-Varianten gehorchen komplett Open-Source-Regeln. Das heißt: Das Programm ist frei, der Support erfolgt über Online-Foren oder durch Dritte gegen Gebühr.
RHEL basiert zwar auf Open-Source-Komponenten, wird aber für kommerzielle Anwender lizenziert. Außerdem gibt es für RHEL eine freie Entwickler-Edition für kleinere Projekte. Beim Support gelten dieselben Regeln wie bei CentOS. Allerdings kommen die gebührenpflichtigen Support-Leistungen nach einem Vertrags-Update direkt von Red Hat.
Weil die Neuerungen aus RHEL erst später ("downstream") in CentOS Linux umgesetzt wurden, läuft CentOS Linux recht stabil. Beide Produkte sind voll kompatibel. Auch Zusatzsoftware läuft meist auf beiden Produkten.
CentOS Streams: Spielwiese für neue Funktionen
CentOS Stream dagegen wird mit neuen Funktionen angereichert, bevor sie in RHEL wandern ('upstream'). Das heißt, beide Produkte weichen voneinander ab, und die Stabilität von CentOS Stream dürfte geringer sein.
Es ist davon auszugehen, dass Red Hat die bisherigen Kostenlos-Kunden, die CentOS verwenden, am liebsten zu RHEL-Usern machen möchte. Wer auf CentOS beharrt, muss zukünftig immerhin mit einer nur noch teilweisen Gleichheit zwischen RHEL und CentOS und mehr Unsicherheit leben.
Das bedeutet: Wenn Unternehmen teils CentOS und teils RHEL verwenden, dürfte die unvollständige Kompatibilität zwischen CentOS Streams und RHEL für viele ein Argument sein, nun doch vollständig auf RHEL umzusteigen.
Weitermachen mit Liberty Linux
Die Konkurrenz wittert angesichts dieser Situation Morgenluft. Der Softwarespezialist Susesoftware (SUSE Linux) etwa verspricht Anwendern über sein Angebot „Liberty Linux“ die Aufrechterhaltung des Support für bestehende CentOS 7- und CentOS 8.5-Systeme bis 2028 so, wie sie derzeit aufgebaut sind. Das sind immerhin noch vier Jahre.
Liberty Linux gibt es schon seit 2022. Die Leistung wurde zuvor unter der Bezeichnung „Expanded Support“ angeboten. Der Service richtet sich besonders an Kunden, die gemischte Infrastrukturen mit RHEL und CentOS betreiben, diese aber nicht vollständig auf RHEL migrieren wollen.
Suse Manager verwaltet viele Umgebungen
Solche Kunden erhalten insbesondere Paketaktualisierungen für beide nun über Liberty Linux von Suse. Auch eine ganze Reihe weiterer Linux-Distributionen werden von Liberty Linux unterstützt.
Stand: 08.12.2025
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Dazu kommt der „Suse Manager“. Mit der Software lassen sich heterogene Linux-Umgebungen zentral von einer Stelle aus verwalten. Inwieweit man bei Suse hofft, mittelfristig doch verärgerte CentOS-Kunden für einen Komplettumstieg auf Suse Linux zu gewinnen, darf spekuliert werden.
Andere Support- und Produkt-Alternativen
Suse ist allerdings nicht der einzige Anbieter, der Anwendern durch erweiterten Support ermöglicht, an CentOS zumindest vorläufig festzuhalten. Weitere entsprechende Angebote gibt es etwa vom Open-Source-Support-Spezialisten Openlogic und von Tuxcare.
Anwender können auf das kostenpflichtige, binärkompatible „RHEL“ oder andere Linux-Varianten wechseln. Die Upstream-Variante „CentOS Stream“ ist eine weitere Möglichkeit; sie garantiert aber keine Binärkompatibilität zu RHEL wie bisher „CentOS Linux“.
(Bild: Ariane Rüdiger)
Auch Cloud-Provider bereiten ihre Kunden auf den Abschied von CentOS vor. Alibaba beispielsweise empfiehlt Anwendern neben anderen, hierzulande bekannte Alternativen wie „Debian“, „Rocky“ oder „Ubuntu“ und sein eigenes System „Alibaba Cloud Linux“.
Kompatible Alternative von Alibaba
Laut eigenen Angaben ist dieses Betriebssystem kompatibel zu CentOS und RHEL-Ökosystemen und optimiert für die Alibabas-Cloud-Plattform. Die Runtime-Umgebung für Cloud-Applikationen ist in Version 2 und 3 verfügbar.
Der Anbieter offeriert auch kostenlosen Langzeit-Support. Viele seiner Instanz-Serien sind mit der Software kombinierbar.
Aber Alibaba bietet auch andere Open-Source-Alternativen wie „Anolis OS “ oder „Alma Linux“, eine Entwicklung des CLoud-Linux-Teams mit Binärkompatibilität zu RHEL, an.
AWS rät zu RHEL
AWS dagegen plädiert vor allem für eine Migration auf RHEL. Azure differenziert nach unterschiedlichen Bedürfnissen: Kompatibilität zu RHEL, Präferenz für eine Community-Edition und die vorhandenen Konfigurationen.
Kunden, die auf RHEL-Kompatibilität Wert legen, empfiehlt MS Azure RHEL, „Oracle Linux“, Alma Linux und andere, deren Distributionen voll zu CentOS kompatibel sind.
Konvertierungsaufwand entscheidend
Auch andere Distributionen wie CentOS Stream, Feodora (Upstream für CentOS Stream und RHEL), Suse (SLES oder Opensuse), Ubuntu, Debian und „Flatcar“, ein Container-Linux, kommen laut Azure in Frage. Allerdings nur, wenn die Workloads mit anderen Linux-Distributionen auch zurechtkommen oder Konvertierungen machbar sind.
Wie auch immer Anwender sich entscheiden, sie sollten es nicht hinausschieben, sich spätestens jetzt mit der weiteren Entwicklung ihrer CentOS-Umgebungen intensiv auseinanderzusetzen. Denn bis Ende Juni sind es nur noch gute fünf Monate.