Ein Co-Location-Beispiel aus dem Finanzsektor

Warum muss es ein Co-Locator mit Bau und Planungserfahrung sein?

| Autor / Redakteur: Wolfgang Kaufmann* / Ulrike Ostler

Glasfaser verlegt, Neubau am Wunschstandort errichtet und Einzug nach neun Monaten nach der Vertragsunterschrift - auch so geht Co-Location.
Glasfaser verlegt, Neubau am Wunschstandort errichtet und Einzug nach neun Monaten nach der Vertragsunterschrift - auch so geht Co-Location. (Bild: Datacenter One)

In der heutigen Zeit verwalten Unternehmen jeglicher Größe schier unglaubliche Datenmengen – und es werden immer noch mehr. Dass ein Rechenzentrum insbesondere bei größeren Unternehmen und Banken schnell an seine Grenzen stößt, wundert nicht. Doch was tun, wenn ein Mehr an Rechenzentrumskapazität unausweichlich ist?

Soll ein komplett neues Rechenzentrum in Eigenregie gebaut werden? Wenn ja, wie groß soll dieses sein, um auch für künftige Entwicklungen gerüstet zu sein? Und was passiert, wenn der Bedarf doch irgendwann wieder sinkt? Vor allem flexible Skalierbarkeit ist gefragt. An diesem Punkt setzt das Prinzip Co-Location an. Warum sich Unternehmen zunehmend für diese Lösung entscheiden, zeigt ein Beispiel aus dem Finanzbereich.

Der Ausgangspunkt

Eine multinationale Bank betrieb ihr eigentliches Rechenzentrum selbst und vertraute bereits seit mehr als zehn Jahren auf Co-Location für ihr Backup-Rechenzentrum. Nun stieß das Inhouse-Datacenter in jeder Hinsicht an seine Grenzen: Die Speicherkapazität war zu gering und konnte nicht mehr erweitert werden, da sowohl die Statik als auch die Energieversorgung und die Kühlkapazitäten bereits am Rande ihrer Belastbarkeit angelangt waren.

Es musste also neue Rechenzentrumskapazität her. Nach den positiven Erfahrungen mit dem Backup-Rechenzentrum wurde entschieden, dass kein eigenes, neues Rechenzentrum gebaut werden, sondern auch hier auf Co-Location gesetzt werden sollte.

Folgende Vorteile waren für diese Entscheidung primär ausschlaggebend: Co-Location bietet der Bank neben Flexibilität bei der Skalierung noch den Vorteil, dass Investitionskosten, Gebäude- und infrastrukturelle Voraussetzungen sowie der Aufwand für Breitbandanbindung, Sicherheit und Verfügbarkeit sowie Zertifizierungen beim Anbieter liegen und nicht bei dem Kunden. Außerdem konnte der frei gewordene Platz im Bürogebäude der Bank zu ebenfalls nötiger Bürofläche umfunktioniert werden. Doch nicht nur diese Punkte waren ausschlaggebend, dass sich die Bank für Co-Location mit Datacenter One entschied.

Rahmenbedingungen für das neue Rechenzentrum im Co-Location-Modell

Zunächst suchte die Bank einen Anbieter, der in einer eng durch Minimal- und Maximalradius definierten Zone ein Co-Location-Rechenzentrum anbieten konnte. Diese beiden Radien sind einerseits durch die Minimaldistanz zum Backup-Rechenzentrum und andererseits durch die Latenz für eine synchrone Spiegelung zwischen den beiden Standorten bestimmt. Da in dieser vordefinierten Zone kein Co-Location-Anbieter verfügbar war, machte sich die Bank auf die Suche nach einem Anbieter, der auch in der Lage war, dort ein Rechenzentrum zu bauen.

Der geeignete Standort war für die Bank nur eine der Voraussetzungen, die für das neue Rechenzentrum gegeben sein musste. Hinzu kamen weitere, infrastrukturelle Anforderungen, die grundsätzlich an einen Standort für ein Rechenzentrum gelten, wie die Verfügbarkeit von Strom, mehrfache Glasfaseranbindung mit hoher Bandbreite in nicht zu großer Entfernung, sowie gute und schnelle Erreichbarkeit durch eine passende Anbindung an das Straßennetz. Ebenso mussten vorab Risikofaktoren ausgeschlossen werden, wie die Lage zu nah an einem Fluss, zu nah an Strommasten oder in einer Flugschneise.

Weitere wichtige Faktoren waren entsprechende Zertifizierungen sowohl auf technischer Ebene als auch in Bezug auf Sicherheitsaspekte. Hier steht der Betreiber des Rechenzentrums in der Pflicht. Allen voran ist hier die ISO 27001-Zertifizierung sowie die Europäische Norm DIN EN 50600 zu beachten, die mit einem ganzheitlichen Ansatz umfassende Vorgaben für die Planung, den Neubau und den Betrieb eines Rechenzentrums macht.

Statik, Kühlung, Lage

Auch Faktoren wie die Statik des Gebäudes, die für Laien auf den ersten Blick vielleicht weit weniger offensichtlich sind, gilt es, hier zu bedenken. Außerdem muss die Kühlleistung ausreichend sein, um damit nicht nur den aktuellen, sondern auch den zukünftigen Bedarf zu decken.

Der Autor des Beiitrags ist Wolfgang Kaufmann. Er ist der Geschäftsführer von Datacenter One.
Der Autor des Beiitrags ist Wolfgang Kaufmann. Er ist der Geschäftsführer von Datacenter One. (Bild: Datacenter One GmbH)

Die Entscheidung fiel schließlich auf den Co-Location-Anbieter Datacenter One, der alle Standortfaktoren in seinem Angebot berücksichtigte und entsprechend überzeugen konnte. Dabei lag nicht nur der Bau des Rechenzentrums bei Datacenter One, sondern auch der Erwerb des Grundstücks sowie die Beschaffung der erforderlichen Genehmigungen.

Bomben?

Ein Hindernis betraf die Verlegung der Glasfaseranbindung. Dafür war aufgrund von Verdachtsmomenten eine Prüfung auf potenzielle Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg notwendig. Bodenproben mussten analysiert werden, um auszuschließen, dass bei den Bauarbeiten Blindgänger freigelegt werden. Erst als dieser Prozess abgeschlossen war, konnten die Glasfaserverbindungen verlegt werden. Trotzdem ging das Co-Location Rechenzentrum innerhalb von nur neun Monaten pünktlich in Betrieb.

Bedenken hatte die Bank zunächst lediglich wegen der modularen Bauweise des Rechenzentrums. Da diese Bauweise damals im Bereich Rechenzentren noch sehr neu war, gab es noch keine Beispielrechenzentren oder entsprechende Erfahrungswerte. Man musste sich auf realisierte Projekte im Bereich Krankenhäuser und OP-Säle verlassen.

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Doch haben sich diese Bedenken letztlich als unbegründet erwiesen. Vielmehr bietet die modulare Bauweise Vorteile: So lässt sich das Gebäude bei zusätzlichem Platzbedarf im laufenden Betrieb einfach erweitern und ist viel schneller einsatzbereit als ein Rechenzentrum in klassischer Bauweise.

In kurzer Zeit realisiert

Genau dieser Faktor war entscheidend für die Bank. Obwohl das Rechenzentrum erst gebaut werden musste und trotz der Prüfung auf Blindgänger dauerte die Realisierung des Rechenzentrums nach der Vertragsunterzeichnung neun Monate.

Flexibilität und Erfahrung des Co-Location-Anbieters entscheiden über Gelingen von Co-Location-Projekten. Ist die Entscheidung für Co-Location erst einmal gefallen, geht es darum, den richtigen Anbieter dafür zu finden – kein leichtes Unterfangen. Die Anbietersuche dauerte im Falle der Bank ein Jahr.

Natürlich müssen geeignete Anbieter die oben genannten Anforderungen erfüllen. Doch damit ist es nicht getan: Genauso wichtig sind Flexibilität und Professionalität, damit auch bei Herausforderungen das Projekt nicht gefährdet wird und vor allem rechtzeitig umgesetzt werden kann – wie im Fall des Bankenbeispiels.

* Wolfgang Kaufmann ist Geschäftsführer von Datacenter One.

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Super spannend! Das klingt für mich nach DER anstehenden Bedarfslösung im Bereich RZ.  lesen
posted am 15.02.2019 um 17:17 von Unregistriert


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