Teil 1: Abwicklungsmodelle im Vergleich Warum der HOAI-Ansatz bei Hyperscalern an Grenzen stößt

Ein Gastbeitrag von Sacha Gutiérrez Bochet und Ulrich Terrahe 2 min Lesedauer

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Internationale Hyperscaler erwarten mehr als eine verlässliche Bauausführung. Sie verlangen integrierte Verantwortung für Planung, Beschaffung und Bau. Warum deutsche Generalunternehmer mit gewohnten HOAI- und VOB-Modellen an Grenzen stoßen.

Internationale Abwicklungsmodelle verändern die Anforderungen an Planung und Bau von Hyperscale-Rechenzentren. Für deutsche Generalunternehmer steigen damit die Anforderungen an Koordination, Risikomanagement und Gesamtverantwortung.(Bild: ©  Annika - stock.adobe.com)
Internationale Abwicklungsmodelle verändern die Anforderungen an Planung und Bau von Hyperscale-Rechenzentren. Für deutsche Generalunternehmer steigen damit die Anforderungen an Koordination, Risikomanagement und Gesamtverantwortung.
(Bild: © Annika - stock.adobe.com)

Der Markt für Hyperscale-Rechenzentren in Deutschland boomt unaufhaltsam – vor allem in und um die europäischen Cloud-Hubs Frankfurt und Berlin.

Doch heimische Generalunternehmer und Baukonzerne stoßen bei internationalen Auftraggebern häufig auf Barrieren, wenn sie mit gewohnten deutschen Abwicklungsmodellen antreten. Deutsche Generalunternehmer treffen dabei zunehmend auf internationale Auftraggeber, deren Anforderungen deutlich über Preis, Bauausführung und klassische Referenznachweise hinausgehen.

Bereits in Präqualifikation (PQQ) und Angebotsphase (RFP) werden insbesondere Design Management, Health & Safety, BIM-Kompetenz, Schnittstellensteuerung, Qualität, Risikomanagement und Commissioning als zusammenhängendes Leistungssystem bewertet.

Während deutsche Projekte häufig durch eine getrennte Beauftragung von Planung und Ausführung sowie eine HOAI-orientierte Leistungsstruktur geprägt sind, übernehmen Generalunternehmer in internationalen Design-&-Build- oder EPC-Modellen eine deutlich umfassendere Verantwortung. Auf Grundlage des RIBA Plan of Work und in Verbindung mit Lump-Sum-Turnkey-Verträgen werden Planung, Beschaffung und Ausführung stärker in einer vertraglichen Gesamtverantwortung gebündelt.

Mit der Übernahme des Designs wächst die Verantwortung des Auftragnehmers für Vollständigkeit, Koordination, Baubarkeit und Funktion des Gesamtsystems. Planungsgrundlagen müssen daher frühzeitig validiert und globale Referenzdesigns an deutsche Genehmigungsanforderungen angepasst werden.

In Fast-Track-Projekten laufen Planung, Beschaffung und Bau teilweise parallel. Design Packages sowie Hersteller- und Nachunternehmerplanungen werden über klare Verantwortlichkeiten, Quality Gates und BIM-basierte Prozesse in ein konsistentes Gesamtdesign integriert. Health & Safety und Commissioning fließen dabei bereits in die Planung ein.

Je nach Vergabe- und Vertragsmodell übernimmt der Design-&-Build- oder EPC-Auftragnehmer die Verantwortung für die Weiterentwicklung und Integration des Designs. Zeitpunkt, Umfang und Haftung ergeben sich jedoch nicht allein aus einer RIBA Stage, sondern aus dem Vertrag und der Design Responsibility Matrix.

Eine zentrale Pflicht des EPCs besteht in der formalen Validierung der bisherigen Vorplanung des Bauherrn. Sobald der EPC den Vertrag unterzeichnet, haftet er uneingeschränkt für die Funktionstüchtigkeit, Bautauglichkeit und Genehmigungsfähigkeit des Gesamtsystems.

Wer hier als deutscher Auftragnehmer versucht, traditionelle VOB-Nachtragsstrategien anzuwenden, scheitert am vertraglichen Prinzip der den verschiedenen Parteien jeweils zugeordneten Verantwortung. Um im Wettbewerb um Multi-Megawatt-Projekte zu bestehen, müssen deutsche Bauunternehmen den Schritt vom reinen Bauausführenden zum integrierten Gesamtrisikoübernehmer vollziehen.

Das erfordert ein tiefes Verständnis internationaler Planungsstandards, digitaler Kollaboration via BIM (ISO 19650) und eine völlig neue Kultur der Partnerschaft zwischen Bauherrn, Planer und Generalunternehmer.

Über den Autor:
Sacha Gutiérrez Bochet (Firmengruppe Max Bögl) verfügt über mehr als 25 Jahre internationale Erfahrung im Design-, Projekt- und Baumanagement. Sein heutiger Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung komplexer Rechenzentrumsprojekte und der Frage, wie Planung, Beschaffung und Ausführung in integrierten Abwicklungsmodellen zusammengeführt werden.

Bildquelle: Firmengruppe Max Bögl

Über den Autor:
Ulrich Terrahe (dc-ce RZ-Beratung GmbH & Co. KG) ist Geschäftsführer und seit fast 30 Jahren in der Rechenzentrumsbranche zu Hause.
Sein Fokus liegt auf der strategischen Planung und zukunftsfähigen Dimensionierung von Rechenzentren – mit besonderem Blick auf Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Bildquelle: dc-ce RZ-Beratung GmbH & Co. KG

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