Ständig unter Strom

Wagner lässt Rechenzentren bei Bränden arbeitsfähig bleiben

| Autor / Redakteur: Wagner / Ulrike Ostler

Das Zweistufenkonzept von Wagner zur Brandbekämpfung im Rechenzentrum hat zum einen den Vorteil, dass der Strom weiter fließen kann und zum anderen dass sich die Stickstoffbehälter direkt vor Ort wieder füllen lassen.
Das Zweistufenkonzept von Wagner zur Brandbekämpfung im Rechenzentrum hat zum einen den Vorteil, dass der Strom weiter fließen kann und zum anderen dass sich die Stickstoffbehälter direkt vor Ort wieder füllen lassen. (Bild: Wagner Grpup)

Bei einem Brand sieht etwa die Auslegungsvorschrift VdS-Richtlinie 2380 vor, dass alle Energiequellen und Betriebsmittel wie zum Beispiel Klimatechnik abzuschalten sind, sofern keine geeigneten Maßnahmen zur Minimierung von Rückzündungsgefahren getroffen sind. Die Datenverfügbarkeit wird damit unterbrochen, die Prozesse reißen unvermittelt ab. Dies ist für Rechenzentren keine Option, selbst wenn sie die Daten auch redundant vorhalten.

Rechenzentrumsbetreiber, die sich eine Unterbrechung unter keinen Umständen leisten wollen oder können, benötigen für ihren Brandschutz daher eine Lösung, die funktioniert, ohne den Strom abzuschalten und ohne das Risiko möglicher Rückzündungen. Die Wagner Group hilft mit frühestmöglicher Branddetektion, regelmäßiger Überprüfung der Raumdichtigkeit inklusive Infomeldung, zum Beispiel auf das Smartphone des Verantwortlichen, einer beliebig langen Haltezeit der Löschkonzentration sowie der Wiederbefüllung der Gaslöschbehälter mit Stickstoff vor Ort.

Die aktuelle Brandschutzsituation in Rechenzentren

Aktuell basiert Brandschutz in Rechenzentren in der Regel Gaslöschanlagen vor. Diese ist meist so ausgelegt, dass als Sicherheitsreserven weit mehr als die für den Löschvorgang benötigten Stickstoffbehälter installiert werden. So wird eine zusätzliche Löschkapazität von etwa 40 Prozent auf den berechneten Bedarf aufgeschlagen. Damit lässt sich sicherstellen, dass für eine begrenzte Zeit eine löschfähige Konzentration erreicht wird – selbst wenn der Schutzraum Undichtigkeiten zum Beispiel durch Umbauten aufweist.

Der Nachteil ist jedoch, dass ohne Stromanschaltung Rückzündungen nicht komplet auszuschließen sind, wenn die vom VdS geforderte zehnminütige Haltezeit der Löschkonzentration endet. Im schlimmsten Fall kann sich der Brand auf das vorherige Niveau entwickeln und sogar weiter ausbreiten. Eine erneute Gaslöschung ist dann unmöglich, da die Gaslöschbehälter bereits entleert sind und keine oder nur geringe Reserve zur Verfügung steht.

Sind wir noch dicht?

Durch die rasante technische Entwicklung der IT- und Datacenter-Infrastruktur verändern sich die Gegebenheiten stetig. Das lässt die Gegebenheiten eines Rechenzentrumsbaus nicht unbehelligt. Die Installation von neuen Racks, leistungsstärkeren Servern und Netzwerkverbindungen führt etwa zu Durchbrüchen in Wänden oder Decken. Diese entstandenen Öffnungen müssen zuverlässig abgedichtet werden, um eine löschfähige Konzentration trotz des Sicherheitsaufschlages zu erreichen und nach einem Löschvorgang vorschriftsmäßig Rückzündungen zu verhindern.

Michael Rupprecht, Leiter Business Development bei der Wagner Group, sagt: „Jeder Rechenzentrumsbetreiber muss sich des Risikos einer eventuell nicht genügenden Gaslöschwirkung durch Raumundichtigkeiten bewusst sein, insofern er nicht stromlos schalten will.“
Michael Rupprecht, Leiter Business Development bei der Wagner Group, sagt: „Jeder Rechenzentrumsbetreiber muss sich des Risikos einer eventuell nicht genügenden Gaslöschwirkung durch Raumundichtigkeiten bewusst sein, insofern er nicht stromlos schalten will.“ (Bild: Wagner Group)

Doch entkommen Datacenter-Betreiber weg dem Brandfall-Dilemma - Strom weg, aber sicher – Strom da, erneute Entzündung auch? Die Antwort liegt in der Kombination mehrerer Systeme.

Von der Branderkennung bis zur -bekämpfung

Die Basis bildet dabei die frühestmögliche Branddetektion. Dazu werden Ansaugrauchmelder, im Fall von Wagner-Technik „Titanus“, genutzt. Durch Entnahme von Luftproben erkennen sie bereits geringste Rauchpartikel. So wird beispielsweise ein schwelendes Kabel entdeckt, noch bevor sich ein richtiger Brand entwickelt. Dieser Zeitvorteil ermöglicht es, geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Haben hochsensible Ansaugrauchmelder einen Brand im frühesten Entstehungsstadium erkannt, wird zunächst, ähnlich wie bei einer „Firexting“-Gaslöschanlage, das Sauerstoffniveau im Raum durch das sanfte Einleiten von Stickstoff aus bevorrateten Druckmittelbehältern umgehend vom atmosphärischen Standard von 20,9 Volumen-Prozent zunächst auf zum Beispiel 17 Volumen-Prozent Sauerstoff gesenkt.

Durch die Reduktion der Sauerstoffkonzentration wird ein deutlich reduziertes Brandverhalten erreicht, so dass in der Regel keine weitere Ausweitung möglich ist und im Idealfall der Brand bereits erlischt. Danach hält ein Stickstofferzeuger etwa des „Oxyreduct“-Systems mittels vor Ort generierten Stickstoffs die abgesenkte Sauerstoffkonzentration beliebig lang auf dem konstanten Niveau von 17 Volumenprozent. So erhält der Betreiber bei freier Begehbarkeit des Schutzbereiches die Gelegenheit, die Brandursache zu lokalisieren und zu beheben.

Im Aschheimer Rechenzentrum von Noris Network ist das Zweistufenkonzept verbaut.

Technik vom Feinsten und gut durchdacht - das Rechenzentrum München Ost

Das neue Datacenter von Noris Network

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24.10.17 - Die Grundsteinlegung des jüngsten Rechenzentrums von noris network war am 24.11. 2015, in Aschheim bei München, also nicht in Nürnberg, wo schon Datacenter des Betreibers stehen. Doch wie dort gehören die „Kyoto“-Räder, die zum Kühlen benötigt werden zum Profil, nicht nur außen sichtbar. Ansonsten hat das Unternehmen an feinster Technik verbaut, was der Markt derzeit so hergibt. Ein Besuch lohnt sich also. lesen

„Sollte während dieser Phase der Ansaugrauchmelder eine Ausweitung des Brandgeschehens detektieren, wird die Sauerstoffkonzentration nochmals über Druckmittelbehälter auf ein tieferes Sauerstoffniveau abgesenkt, das deutlich unter der Entzündungsgrenze der in Rechenzentren vorherrschenden Materialien liegt“, erläutert Michael Rupprecht, Leiter Business Development bei der Wagner Group, „Diese zweite Sicherheitsstufe kann durch das erneute Zuschalten des Stickstofferzeugers wiederum beliebig lang gehalten werden und soll eine Brandausbreitung gänzlich verhindern. Auf diese Weise gewinnen die Verantwortlichen vor Ort Zeit, um im Krisenfall die richtigen Maßnahmen zu ergreifen“, so der Brandschutzexperte.

Für die Anwendung des zweistufigen Konzepts ist genauso wie bei herkömmlichen Gaslöschsystemen eine bestimmte Raumdichtigkeit notwendig. Diese muss in regelmäßigen Abständen überprüft und den Kunden als Information zur Verfügung gestellt werden. Klassischerweise wird einmalig oder bestenfalls in großen Zeitabständen mit dem so genannten Blower-Door-Test ermittelt, ob ein Raum dicht genug ist. Unzureichender Schutz wird durch die wenigen Tests eventuell nicht erkannt.

Statt aber in kurzen Abständen zeit- und kostenintensive Blower-Door-Tests durchzuführen, lässt sich die in das zweistufige Konzept eingebundene Oxyreduct-Anlage zusätzlich nutzen, um die Dichtigkeit eines Raumes zu prüfen. Kunden erhalten somit eine regelmäßige Information, dass ihr Schutzbereich ausreichend dicht ist und die installierte Anlage einwandfrei funktioniert. Dafür besitzt Wagner ein Patent.

Den Vorteil eines solchen Vorgehens beschreibt Rupprecht wie folgt: „Rechenzentrumsbetreiber können so Räume regelmäßig auf Dichtigkeit überprüfen und das ohne großen logistischen und finanziellen Aufwand sowie ohne zusätzliches Personal.“

Außerdem sei eine solche Installation auch wirtschaftlich. Denn da das System im Fall eines Brandes reaktiv arbeitet, lägen auch die Energiekosten auf einem niedrigen Niveau und die Anzahl der Gaslöschbehälter lasse sich deutlich reduzieren.

Wiederbefüllung vor Ort

Gaslöschanlagen mit Stickstoff bekämpfen Brände rückstandsfrei und schützen gleichzeitig Personen, Gebäude und Anlagen. Doch nach einer Auslösung müssen sie für ihren nächsten Einsatz wieder befüllt werden. Das ist oft mit einem großen logistischen und organisatorischen Aufwand verbunden – etwa durch den Ausbau der Löschmittelbehälter sowie den Transport zum nächsten Befüllwerk, gerade bei widrigen Witterungsbedingungen oder an Feiertagen eine Herausforderung, sind doch oftmals mehrere Hundert Gaslöschbehälter verbaut.

Das entfällt bei dem Wagner-System, so der Hersteller. Eine Oxyreduct-Anlage gewinnt den für die Wiederbefüllung der Löschmittelbehälter benötigten Stickstoff in höchster Reinheit direkt vor Ort aus der Umgebungsluft.

Hinweise:

  • Das Original des Beitrags findet sich in der Kundenzeitschrift „Impulse“ von Wagner
  • Die Wagner Group wird das Konzept vom 25. bis 28. September 2018 auf der Messe „Security“ in Essen präsentieren.
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Das Thema Wiederbefüllung vor Ort ist wirtschaftlich völlig uninteressant. Wer die...  lesen
posted am 24.07.2018 um 13:54 von Unregistriert


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