Automatisierte Automobilfertigung und Logistikprozesse

Volkswagen Industrial Cloud nutzt AWS

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Bereits jetzt haben AWS und VW 140 Projekte definiert, darunter Dienste zu Lokalisierung oder Anlageneffektivität.
Bereits jetzt haben AWS und VW 140 Projekte definiert, darunter Dienste zu Lokalisierung oder Anlageneffektivität. (Bild: ©Pavel Losevsky - stock.adobe.com)

Mit einer Cloud-basierten Plattform will Volkswagen seine Fertigungs- und Logistikprozesse transformieren. Erste Services der „Volkswagen Industrial Cloud“ werden Ende 2019 in Betrieb gehen; langfristig sollen über 1.500 Partner eingebunden werden.

Amazon Web Services (AWS) und Volkswagen (VW) haben eine mehrjährige Zusammenarbeit vereinbart. Im Rahmen dieser werde eine Volkswagen Industrial Cloud entwickelt, die künftig Daten aller Maschinen, Anlagen und Systeme aus den Fabriken des Autobauers zusammenführe.

Als offene Lösung konzipiert, soll die Plattform langfristig die komplette globale Lieferkette des Konzerns integrieren – samt der über 30.000 Standorte von mehr als 1.500 Zulieferern und Partnerunternehmen. Für VW denkbar ist zudem, die Cloud-Plattform auch anderen Automobilherstellern zugänglich zu machen.

Die Volkswagen Industrial Cloud soll die Grundlage für eine durchgängige Digitalisierung von Produktion und Logistik bilden. Der Konzern will so seine Wettbewerbsfähigkeit steigern und die IT auf Fertigungsebene vereinheitlichen. Bislang unterschieden sich Systeme für Produktionsplanung und Lagerhaltung an den 122 Standorten in Teilen.

Als Architektur dient die neue Digital Production Platform (DPP) von Volkswagen.
Als Architektur dient die neue Digital Production Platform (DPP) von Volkswagen. (Bild: Volkswagen AG)

DPP-Architektur und erweiterte AWS-Dienste

Bei ihrer Zusammenarbeit setzen VW und AWS auf die Amazon-Technologien in den Bereichen Internet der Dinge (IoT), maschinelles Lernen und Computing Services, die speziell für das Produktionsumfeld entwickelt und auf die Anforderungen der Automobilindustrie erweitert werden. Als Architektur dient die neue Digital Production Platform (DPP) von Volkswagen, an die künftig alle Standorte im Konzern wie auch weitere Unternehmen andocken sollen. Diese Plattform vereinheitliche und vereinfache den System- sowie Werke-übergreifenden Datenaustausch.

IoT-Dienste von Amazon Web Services

Die Volkswagen Industrial Cloud wird Echtzeitdaten aus über 120 Produktionsstätten des Automobilkonzerns zusammenführen. Wolfsburg nutzt dazu unter anderem „AWS IoT Greengrass“, „AWS IoT Core“, „AWS IoT Analytics“ und „AWS IoT Sitewise“, um Daten aus den Werksbereichen zu erkennen, zu sammeln und zu analysieren. Die IoT-Services von AWS liefern künftig neue Erkenntnisse über die Fertigung in allen VW-Werken, das so erlangte Wissen wiederum soll als Grundlage für weitere Optimierungen und eine verbesserte Prozesseffizienz dienen.

Folgendes Video beschreibt die Möglichkeiten von AWS Greengrass:

Darüber hinaus plant der Volkswagen-Konzern die Integration weiterer Services von AWS, unter anderem die jüngst vorgestellte Management-und Entwicklungsumgebung „AWS Outposts“, mit der native AWS-Services, Infrastruktur und Betriebsmodelle für praktisch jedes Anwendungsszenario aufgesetzt werden können.

Configure, connect, launch and build: Schematische Darstellung der Funktionsweise von AWS Outposts.
Configure, connect, launch and build: Schematische Darstellung der Funktionsweise von AWS Outposts. (Bild: Amazon Web Services)

Entwicklung und Verhandlungen laufen bereits

Über mehrere IT-Entwicklungszentren von Volkswagen verteilt sollen mittelfristig 220 Spezialisten von VW und AWS die Industrial Cloud gemeinsam vorantreiben. In Berlin planen die beiden Unternehmen zudem ein gemeinsames Industrial Cloud Innovation Center. Darüber hinaus unterstützen Volkswagen-Experten in Dresden, München und Wolfsburg die Entwicklungsarbeit.

Bereits jetzt haben die Teams 140 Projekte definiert. Dazu zählen beispielsweise ein Dienst zur Lokalisierung von Warentransporten innerhalb und außerhalb der Fabrik, etwa per Lkw (Vehicle Locating Service) sowie Analysedienste für die Berechnung der Anlageneffektivität in den Standorten (Overall Equipment Effectiveness, OEE). Ziel sei es, die Volkswagen Industrial Cloud sowie erste konkrete Services und Funktionen Ende 2019 in Betrieb zu nehmen.

Laut eigenen Angaben führt VW überdies schon jetzt Verhandlungen mit großen Industrieunternehmen, die sich für eine Migration zur Volkswagen Industrial Cloud interessieren.

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