Suse-Software, -Partnerschaften und -Einkäufe Susecon 2024: KI und Observability im Fokus

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 5 min Lesedauer

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Zur Veranstaltung „Susecon 2024“, die vom 17. bis zum 19. Juni in Berlin stattgefunden hat, hat Suse Software mit einer Akquise und einem eigenen AI-Framework aufwarten können. Zudem spielen derzeit diverse Marktveränderungen dem Open-Source-Anbieter in die Hände.

Über 900 Gäste besuchten die Hausmesse und den Kongress „Susecon 2024“ in Berlin, die unter dem Motto "Choice Happens" stand. (Bild:  Rüdiger)
Über 900 Gäste besuchten die Hausmesse und den Kongress „Susecon 2024“ in Berlin, die unter dem Motto "Choice Happens" stand.
(Bild: Rüdiger)

Rund 900 Teilnehmer fanden sich anlässlich der Anwender- und Partnerkonferenz Susecon 2024 im Berliner Estrel Congress Center ein, um Neuigkeiten rund um Suse Enterprise Linux und sonstige Suse-Produkte zu erfahren und sich mit anderen Fachleuten auszutauschen. Und Neuigkeiten gab es tatsächlich.

CEO Dirk-Peter van Leeuwen begann mit dem Erfolg, den Suse mit seinem „Liberty-Linux“-Angebot hat. Zur Veranstaltung wurde Liberty Linux in einer Light-Version angekündigt.

Eigentor für Red Hat?

Hintergrund dieser Success Story ist die erhebliche Veränderung der Bedingungen, zu denen Anwender das von Red Hat gepflegte „CentOS“ nutzen können. Denn immer noch laufen laut van Leeuwen rund dreißig Prozent der Linux-Installationen unter CentOS; es wird aber nicht mehr gepflegt wie bisher.

Suse bietet CentOS-Anwendern dauerhaften Support und im Rahmen von Liberty Linux auch eine komfortable Migrationsmöglichkeit zu „Suse Linux Enterprise“ und die Chance, das Betriebssystem aus der AWS-Cloud zu beziehen.

IDC-Einsichten

Dann kam van Leeuwen zum derzeitigen Lieblingsthema der IT-Welt: der KI. Artificial Intelligence (AI), so IDC-Vice President Duncan Brown, werde nämlich – Überraschung! – allgegenwärtig. Denn jedes Unternehmen sei – ebenfalls Überraschung – ein digitales Unternehmen.

Im Moment, so Brown, würden Anwender GenAI zu 36,5 Prozent produktivitätssteigernd einsetzen. 32,9 Prozent bauten funktionsspezifische Tools und 30,7 Prozent kundenspezifische Anwendungen.

Kunden sähen laut Brown Open-Source-Tools als gutes Werkzeug, um schneller Zugang zu AI-Technologie zu bekommen. Anwender wären sich sehr wohl bewusst, dass es Risiken für ihre Daten und Alleinstellungsmerkmale bedeutet, wenn sie ein öffentlich zugängliches Gen-AI-LLM wie ChatGPT nutzen.

Suse bringt eigenes AI-Framework

Diese Sorge beschwichtigt Suse gern durch ein eigenes Angebot, „Suse AI“. Das Framework kommt mit allen Sprachmodellen zurecht.

Suse AI sichert Daten gegen Diebstahl und Missbrauch, kontrolliert die Kosten, trennt das AI-System vom Internet, bietet den Kunden Wahlfreiheit und ermöglicht die einfache Nutzung.

Der Aufbau von „Suse AI“. Das LLM können Anwender frei wählen. (Bild:  Rüdiger)
Der Aufbau von „Suse AI“. Das LLM können Anwender frei wählen.
(Bild: Rüdiger)

Pilar Santamaria, Vice President of AI bei Suse Software, sieht eine Vilefalt von Einsatzmöglichkeiten voraus: „Suse AI kann zum neuen digitalen Gehirn von Unternehmen werden, die es nutzen.“

Ab sofort können sich Kunden für ein Testprogramm bewerben. Der dazugehörige QR-Code befindet sich auf dem Foto weiter unten. Die generelle Verfügbarkeit ist in einigen Monaten geplant.

Voller Durchblick mit Stackstate

Die zweite große Neuigkeit bezieht sich auf die Observabillity von Kubernetes-/Container-Umgebungen, die mit „Rancher“ orchestriert werden. Damit diese über den gesamten Stack hinweg einheitlich überwacht und gesteuert werden können, hat Suse Software rechtzeitig zur Susecon 2024 die niederländische Observability-Schmiede Stackstate gekauft.

Unter diesem QR-Code können sich Anwender für ein Early-Access-Programm für „Suse AI“ bewerben.(Bild:  Rüdiger)
Unter diesem QR-Code können sich Anwender für ein Early-Access-Programm für „Suse AI“ bewerben.
(Bild: Rüdiger)

Über den Preis machte Frank Feldmann keine Angaben. Er deutete aber im Gespräch mit Journalisten an, Suse könnte weitere Akquisen in den Bereichen AI und Edge tätigen.

Anbahnung auf der Kubecon

Die Akquisition habe sich auf der diesjährigen „Kubecon/CloudNativeCon“ in Paris angebahnt., berichtet Stackstate-CEO Andreas Prins. Er begrüßt, dass seine Software nun offengelegt wird. „Unsere 29 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sehen das sehr gerne“, sagte er.

Stackstate könne alle Vorgänge managen, für die Rancher zuständig ist. Die Software wird fest in zukünftige Rancher-Versionen integriert, beginnend mit Version 3.1 Prime. Kunden, die andere Komponenten benutzen, etwa „Splunk“, könnten entsprechende Observability als Add-on erwerben.

Konzentration auf Cloud Native

Man habe sich von Anfang an auf die Cloud-Native-Welt konzentriert und bediene neben Rancher auch andere Varianten von Container-Orchestrierung. Das solle auch nach der Suse-Integration so bleiben. Schließlich sei die Fähigkeit, mehrere CNCF-konforme Container-Umgebungen beobachten zu können, in hybriden Multicloud-Umgebungen ein erheblicher Vorteil.

Man unterstütze vollständig den Open-Telemetry-Standard und EBPF, eine Technologie für Sandboxing in Linux ohne große Belastung der CPU-Kerne.

SaaS-Angebot für leichteren Einstieg

Kunden mit bereits laufenden Rancher-Anwendungen sollen für einen vereinfachten Einstieg ein SaaS-Angebot nutzen können. Außerdem seien Third-Party-Integrationen, etwa in „Servicenow“, geplant.

Dirk Peter van Leeuwen blickt auf ein aus seiner Sicht sehr erfolgreiches Jahr als CEO von Suse Software zurück. (Bild:  Rüdiger)
Dirk Peter van Leeuwen blickt auf ein aus seiner Sicht sehr erfolgreiches Jahr als CEO von Suse Software zurück.
(Bild: Rüdiger)

Im Rahmen des Einbaus von Stackstate in Suse ist beispielsweise die enge Integration mit „Neuvector“, die Sicherheits-Software für Containerumgebungen von Suse, geplant. Auf Dauer kann sich Suse Chief Strategy Officer Frank Feldmann auch vorstellen, die Stackstate-Observability auf Suse Enterprise Linux auszudehnen.

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Besonders nützlich wären die Stackstate-Fähigkeiten aber ganz sicher bei den Suse-Produkten für die Edge. „Dort wird oft Rancher verwendet“, sagt Feldmann.

Partner: Fujitsu AI-Zentren

Zu den bewährtesten und wichtigsten Suse-Partnern gehört Fujitsu. Mit dem japanischen IT-Nestor verbindet Suse eine mittlerweile 25jährige Kooperation.

Fujitsu hat in Europa drei AI-Zentren, die unter anderem Software von Suse verwenden, zum Ausprobieren für seine Kunden errichtet. Das wichtigste davon befindet sich in Frankfurt am Main, weitere in London und Augsburg.

Branchenübergreifender Einsatz

Kunden können dort bislang etwa „Fujitsu Private GPT“ nutzen, das auf der Suse-Infrastruktur aufbaut und mit „Sauerkraut“ ein an mehrere europäische Sprachen angepasstes „Mistral-8x7B“-LLM verwendet.

Reges Interesse an den Ausstellungsständen bei der Kongressmesse „Susecon 2024“. (Bild:  Rüdiger)
Reges Interesse an den Ausstellungsständen bei der Kongressmesse „Susecon 2024“.
(Bild: Rüdiger)

Zu den Kunden gehört beispielsweise der österreichische Autobahnbetreiber. Er analysiert das Fahrverhalten von E-Fahrzeugen, um die Platzierung von Ladesäulen zu optimieren.

Eine große deutsche Rechtsanwalts-Sozietät wendet GenAI auf ihre interne Datenbank mit Entscheidungen und anderen Materialien an, die schwer recherschierbvar sind. Die mit GenAI angereicherte neue Suchmaschine sorgt inzwischen für erheblich schnellere Suchergebnisse.

Allerdings hat „PrivateGPT“ einen erheblichen Nachteil: Das Werkzeug ist für kleinere Unternehmen und Abteilungen gedacht. Insgesamt sind bis zu 300 Nutzer vorgesehen. Deshalb ist die Enterprise-Software Suse AI eine gute Ergänzung – auch für Fujitsu als Partner.

Preview auf Fujitsu Primergy CDI

Zudem zeigte der Hersteller auf der angeschlossenen Technologie-Show eine Preview auf seine disaggregierte Infrastruktur „Primergy CDI“. Sie ist in Japan bereits in einer Frühvariante erhältlich, bei der nur die GPU-Ressourcen disaggregiert sind.

Einen ersten Eindruck konnten Anwender auf der Konferenz „Susecon“ vom disaggregierten Fujitsu-System „Primergy CDI“ gewinnen - allerdings nur im Bild verfügbar.(Bild:  Rüdiger/Fujitsu)
Einen ersten Eindruck konnten Anwender auf der Konferenz „Susecon“ vom disaggregierten Fujitsu-System „Primergy CDI“ gewinnen - allerdings nur im Bild verfügbar.
(Bild: Rüdiger/Fujitsu)

2025 folgt die Markteinführung in Europa, und zwar mit einer Version, bei der nicht nur GPUs, sondern auch CXL-2.0-Ressourcen nach Anwendungsbedarf verteilt werden. Am Ende soll eine Variante anstehen, bei der auch die CPU-Ressourcen disaggregiert werden. Details dazu dürfte es auf der deutschen Fujitsu-Anwendertagung in der kommenden Woche geben.

Beim Technology Showcase präsentierten sich darüber hinaus Systemhauspartner wie Bechtle, aber auch kleinere Unternehmen. Hier zwei Beispiele: Sios präsentierte „Lifekeeper“, eine auf die Hochverfügbarkeit einzelner Anwendungen bis hin zu Mikroservices ausgerichtete Software. Der Vision-Spezialist Plainsight zeigte ein KI-angereichtertes System, das aus Bildern ausgefilterte Daten direkt in die ERP- Software einspeisen kann.

Suse Enterprise Linux jetzt im AWS-Marketplace

Vertieft wird die Partnerschaft mit AWS. So sind dort eine Version von Liberty Linux und Suse Enterprise Linux erhältlich. Der Marketplace erreicht laut AWS derzeit jährliche Wachstumsraten von 84 Prozent.

Die engere AWS-Partnerschaft kommt auch Suses Channel zugute: Im Rahmen des Programms „Elevate“ können sie ebenfalls über den Marketplace einkaufen.

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