Hartl Group: Niederbayrischer IT-Dienstleister schafft Rekordverdächtiges

Neues RZ ist Energie-effizienter als Google

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Peter Hartl im neuen Rechenzentrum
Peter Hartl im neuen Rechenzentrum (Bild: Hartl Group)

Was die Hartl Group in Hofkirchen bei Passau gebaut hat, arbeitet mit 100 Prozent erneuerbarer Energie und dürfte nicht nur das energieeffizienteste Rechenzentrum Bayerns sein. Der PUE-Wert von 1,1 ist besser als der Durchschnitt der Google-RZs.

Nach einer Umfrage von Techconsult sind bei drei Viertel der mittelständischen Unternehmen die Kosten ein Motiv für sparsamen Umgang mit Energie. Erst größere Mittelständler mit 50 bis 1000 Mitarbeitern zeigen ausgeprägteres gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein: Jedes dritte von ihnen möchte bewusst die Umwelt und Ressourcen schonen.

„Wirtschaftliches Handeln heißt heute energieeffizientes Handeln.“

Auf den ersten Blick scheint dies auch bei der Hartl Group typisch zu sein. „Wirtschaftliches Handeln heißt heute energieeffizientes Handeln“, erklärt Firmenchef Peter Hartl. „Energiesparen im Rechenzentrum ist keine Option, sondern ein Muss.“ Denn anders könne ein IT-Dienstleister kaum mit den Cloud-Angeboten von Amazon, Microsoft, IBM etc. mithalten.

Die Hartl Group hat ein Rundumangebot von Private-/Hybrid-/Public-Cloud-Szenarien einseits. Andererseits bietet das Unternehmen individuelle Dienstleistungen rund um Prozessorientierung,Virtualisierung von Storage, Desktop und Applikationen. Hinzu kommt IT-Beratung.

Details der Planung zur Chefsache gemacht

Für das neue Rechenzentrum beschäftigte sich Firmenchef Hartl zwei Jahre intensiv mit der Planung. Dabei folgte er drei konzeptionellen Maximen, um Energie zu sparen: Erstens sollte ein System zur automatischen Verwaltung, Steuerung und zum Monitoring der RZ-Leistungen für eine optimale Auslastung der Kapazitäten sorgen. Zweitens sollte ein ideales, ausbaufähiges Raumlayout die bestmögliche Packungsgröße der Server, Speicher und anderen Komponenten ermöglichen. Drittens war Adiabatik als Kühllösung gesetzt.

Eine modulare Anlage des Baus sollte der Gefahr vorbauen, dass schon in der Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeit technische Fortschritte das Konzept zu alt werden könnte. Doch es ging sehr schnell. Nur sage und schreibe zwei Tage – nicht Monate oder Jahre – dauerte das Baugenehmigungsverfahren. Der Bau stand nach neun Monaten.

Spitzenleistung: PUE-Wert 1,1

Anfang 2016 wurde das Rechenzentrum in Betrieb genommen. Die seither gemessene Power Usage Effectiveness, der PUE-Wert, beträgt 1,1. Das heißt: Nur ein Zehntel der Energie für die reine Rechenleistung benötigen sekundäre und tertiäre Prozesse wie Kühlung, Heizung, unterbrechungsfreie Stromversorgung, Licht, Sicherheitssysteme etc.

Damit dürfte das neue Hartl-Rechenzentrum das energieeffizienteste Bayerns sein. Es arbeitet energieeffizienter als der Durchschnitt der Google-Rechenzentren, die zusammen auf einen PUE-Wert von 1,2 kommen.

Schlüsselkomponenten sind die USV und die Kühlung

Wesentliche Elemente sind dabei die Kühlung und die unterbrechungsfreie Stromversorgung. Die USV-Lösung von Huawei erreicht einen ECO-Modus-Effizienzgrad von 99,1 Prozent. Als modulares Konzept kann sie mit der Auslastung des Rechenzentrums wachsen.

Für eine effiziente Klimatisierung sorgt eine Adiabatik-Kühlung von der Munters GmbH. Sie kommt ohne Kompressoren aus und kühlt die warme RZ-Luft durch Verdunstungskälte. Die Temperatur im Rechenzentrum liegt konstant bei 23 bis 25 Grad. Die abgeführte Wärme wird außerdem dazu genutzt, einen angeschlossenen Swimmingpool für die Mitarbeiter und im Winter Räume zu heizen. Der Swimmingpool dient außerdem als Wasser-Backup für das Munters-System, sollte einmal die öffentliche Wasserversorgung ausfallen.

Verdunstungskühlung ist auch ökologisch unbedenklich

Die adiabatische oder Verdunstungskühlung ist ein Aspekt mit dem Hartl über den wirtschaftlichen Aspekt der Energiesparsamkeit hinaus geht und ein umweltpolitisches Statement abgibt. Gegenüber der freien Kühlung durch Außenluft, den Frischluftsystemen, werden keine Stoffe wie Chloride und Sulfate in die Umwelt abgegeben. Entsprechend sind hier keine hocheffizienten Luftfilter nötig. Außerdem würde eine Frischluftkühlung im Sommer bei höheren Außentemperaturen mehr Luft transportieren müssen, ergo mehr Energie verbrauchen.

Strom nur aus erneuerbaren Energiequellen

Der zweite umweltschonende Aspekt ist, dass Hartl ausschließlich Strom aus erneuerbarer Energie verbraucht. Einen Teil davon liefert eine Solaranlage, die das gesamte Dach des Rechenzentrum bedeckt.

Doch es geht nicht nur um einen niedrigen Verbrauch und erneuerbare Energien. Das Öko-Rechenzentrum – so bezeichnet es Hartl übrigens nie – soll auch in Sachen Hochsicherheit punkten. Die Zertifizierung nach der TÜV-Kategorie 3+ ist angestrebt.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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Hallo Herr Schrader, ich habe keinerlei Verbindung zu Cloud&Heat, aber so wie ich das sehe,...  lesen
posted am 17.09.2016 um 12:41 von Unregistriert

Die Technik unterscheidet sich wesentlich von der in Warstein eingesetzten Technik und ist absolut...  lesen
posted am 08.07.2016 um 11:53 von Unregistriert

Als Spezialist für USV-Technik haben wir mit den ECO-Modi der USVen keine guten Erfahrungen...  lesen
posted am 06.07.2016 um 10:12 von Unregistriert

Ist doch eigentlich egal, ob der PUE Wert 1,1 ist oder nicht. Wichtig ist, dass sich die Betreiber...  lesen
posted am 05.07.2016 um 11:23 von HartwareMan

Sorry, aber diese Aussage bzgl. des Cloud&Heat RZs ist genauso wie der von der Redaktion...  lesen
posted am 01.07.2016 um 09:43 von Heiko.Schrader@gmx.de


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