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Warum ist die Cloud für kleine Firmen von Vorteil?
Holger Sirtl: Weil ihnen eine Plattform wie Windows Azure die Option bietet, ohne hohe Investitionen in Rechner, Speicher-Systeme oder Software-Lizenzen Produkte zu entwickeln. Hat ein Unternehmen damit Erfolg, lassen sich über die Cloud problemlos weitere Ressourcen hinzubuchen, wenn nicht, werden sie wieder reduziert. Das heißt, ein Unternehmen kann schnell und bei überschaubarem Risiko neue Aktivitäten starten.
Ist Windows Azure nur auf die Belange von Unternehmen zugeschnitten, die auf Basis dieser Plattform Software entwickeln möchten?
Holger Sirtl: Nein, natürlich kommt Azure auch für andere Einsatzbereiche in Betracht. Nehmen Sie beispielsweise eine Maschinenbaufirma oder einen Automobilhersteller. Solche Unternehmen können Azure nutzen, um in der Cloud mehrere Tage lang komplexe Simulationen durchzuführen, etwa eines neuen Getriebes.
Für solche Arbeiten wären ansonsten riesige IT-Kapazitäten vonnöten. Das können sich viele Firmen nicht mehr leisten, vor allem vor dem Hintergrund, dass Großfirmen etwa 70 Prozent des IT-Budgets nur dazu verwenden müssen, um ihre vorhandene IT-Umgebung am Laufen zu halten. Raum für Neuerungen bleibt da kaum. Im Übrigen können auch öffentliche Auftraggeber oder Bildungseinrichtungen von Cloud-Services wie Windows Azure profitieren. Das wird in der Diskussion über Cloud-Computing häufig übersehen.
Nun setzen viele Unternehmen, speziell in Deutschland, auf ein Hybrid-Modell, also Public-Cloud-Umgebungen wie Windows Azure in Verbindung mit firmeninternen Private Clouds. Inwiefern trägt Azure dieser Entwicklung Rechnung?
Holger Sirtl: In der aktuellen Version von Windows Azure wurden beispielsweise die Workflow-Funktionen der AppFabric verbessert. Damit ist es für Anwender einfacher, sensible Daten und internes Know-how in einer Private Cloud vorzuhalten und dennoch einen Teil der Entwicklungsaufgaben in Windows Azure auszulagern.
Der Anwender muss somit nicht auf die Vorteile verzichten, die Azure bietet, etwa die höhere Flexibilität und die Kostenkontrolle, und hat dennoch jederzeit die volle Kontrolle über seine Daten. Das ist vor allem in Deutschland mit seinen restriktiven Datenschutz- und Datensicherungsbestimmungen wichtig.
Wie wird sich Windows Azure weiterentwickeln?
Holger Sirtl: Basierend auf den Erfahrungen und Wünschen von Nutzern werden wir Azure um Funktionen erweitern. Bei SQL Azure sind beispielsweise Ergänzungen im Bereich Reporting vorgesehen. Auch eine Backup- und Restore-Funktion ist in Planung. Außerdem wird Windows Azure dem Trend Rechnung tragen, dass Entwickler künftig mehrere Versionen einer Anwendung für unterschiedliche Plattformen bereitstellen müssen, für PCs, Tablet-Rechner und Mobiltelefone. Wohin die Reise geht, zeigen die ersten Versionen von Windows 8.
Der Autor:
Bernd Reder ist freier Autor in München.
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