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Eine der Hauptzielgruppen, die Microsoft mit Windows Azure anspricht, sind Software-Entwickler. Welche Vorteile bringt diesen eine Cloud-gestützte Plattform wie Windows Azure?
Holger Sirtl: Eine ganze Reihe. Zum einen die angesprochene Skalierbarkeit. Ein Entwicklungsteam muss sich im Vorfeld keine Gedanken darüber machen, welche IT-Kapazitäten es benötigt, um eine bestimmte Anwendung zu entwickeln. Stellt sich im Lauf der Arbeiten heraus, dass mehr Rechenleistung oder eine leistungsfähigere Datenbank erforderlich sind, lassen sich entsprechende Instanzen bei Windows Azure einfach hinzubuchen. Dadurch entfällt für Entwicklungsabteilungen der „Blick in die Glaskugel“.
Können Sie das genauer erläutern?
Holger Sirtl: Im Rahmen von komplexen Entwicklungsprojekten kommt es immer vor, dass sich erst im Lauf der Arbeiten ergibt, welche IT-Ressourcen tatsächlich benötigt werden. Manchmal reichen beispielsweise die vorgesehenen Serverkapazitäten aus, manchmal sind weitere erforderlich, und in einigen Fällen werden die vorhandenen Ressourcen nicht ausgeschöpft. Vor Beginn eines Projekts präzise vorherzusagen, welche IT-Kapazitäten benötigt werden, ist nur schwer möglich.
In vielen Unternehmen schien diese Pi-mal-Daumen-Kapazitätsplanung allerdings bislang kein Problem darzustellen …
Holger Sirtl: Das stimmt nicht. Denn jedes Unternehmen, vom Mittelständler bis hin zum Großkonzern, ist bestrebt, die IT-Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Daran wird sich nichts ändern. Cloud-Computing-Angebote wie Microsoft Windows Azure helfen Unternehmen dabei, Investitionen in Überkapazitäten zu vermeiden. Mit Windows Azure erhält der Anwender gewissermaßen eine Lösung nach Maß, die sich flexibel an seine Anforderungen anpassen lässt. Er bezahlt nur für Leistung, die er tatsächlich nutzt.
Welche weiteren Vorteile bietet eine Plattform wie Windows Azure Software-Entwicklern, neben der größeren Flexibilität und der Kostentransparenz?
Holger Sirtl: Die Entwicklungsabteilung muss sich nicht um Hardware, das Einrichten einer Entwicklungsumgebung und Details wie die Netzwerkanbindung kümmern. Auch kleine, jedoch zeitaufwändige Arbeiten wie das Einspielen von Patches fallen weg. Für den Nutzer bedeutet das: Er kann sich seine eigentlichen Aufgaben konzentrieren und seinem Unternehmen dabei helfen, Prozesse zu optimieren oder neue Geschäftsfelder zu erschließen.
Viele Entwickler schätzen es jedoch, wenn sie ihre Arbeitsumgebung detailliert nach ihren Vorstellungen einrichten können. Das reicht bis hinab auf die Ebene von BIOS-Einstellungen eines Servers. Ist das auch bei Platform-as-a-Service-Modellen wie Windows Azure möglich?
Holger Sirtl: In diesem Punkt ist ein Umdenken notwendig. Der Entwickler hat bei einem PaaS-Angebot keinen direkten Zugriff auf die IT-Systeme mehr, das heißt, er kann nicht gewohnt an einigen Schräubchen drehen.
Außerdem ist es wichtig, auf ein zustandsloses Design der Anwendungen zu achten und Daten nicht innerhalb einer Virtual Machine in der Cloud zu speichern, sondern auf externen Storage-Systemen. Ansonsten stehen dem Entwickler alle gewohnten Tools zur Verfügung, die er von Windows Server her kennt, von „.NET“ über „Java“ und „Tomcat“ bis hin zu „PHP“, „Visual C++“ und „SQL“. Auch der Zugang zur SQL-Azure-Datenbank läuft über die Protokolle und Clients, die der Fachmann von „SQL Server“ her kennt.
Auf welche Resonanz stößt Windows Azure bei unabhängigen Software-Entwicklern?
Holger Sirtl: ISVs sind eine wichtige Zielgruppe, die wir mit Azure gezielt ansprechen. Entsprechend groß ist das Interesse. Für ISVs bietet Windows Azure beispielsweise die Möglichkeit, vorhandene Software-Lösungen nicht nur auf dem traditionellen Weg zu vertreiben, beispielweise als DVD in einer Box, sondern auch im Rahmen eines Software-as-a-Service-Modells. Damit haben solche Anbieter die Möglichkeit, einen breiteren Markt für ihre Produkte zu erschließen und gleichzeitig die Vorteile von Cloud-Computing zu nutzen. Das gilt vor allem für kleinere Firmen und Start-up-Unternehmen.
weiter mit: Warum ist die Cloud für kleine Firmen von Vorteil?
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