Kommentar zur beabsichtigten Klimaneutralität der EU-Datacenter Klimapakt und SDIA: Suche Anschluss, biete Metrik

Autor / Redakteur: Max Schulze* / Ulrike Ostler

„Natürlich geht es wieder um den PUE und somit ist der Klimapakt aus unserer Sicht nur eine defensive Maßnahme um weitere regulatorische Mittel abzuwehren“, sagt Executive Chairman der Sustainable Digital Infrastructure Alliance e.V. (SDIA). Hintergrund ist der Climate Neutral Data Center Pact, eine freiwillige Vereinbarung von Rechenzentrums- und Cloud-Betreibern. Die Allianz bietet ihre Erkenntnisse und Metriken an und will sich dem Pakt anschließen.

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Egal, wie man es dreht oder wendet: Der Kohlenstoff-Fußabdruck von Rechenzentren gehört zu denen, die am am schnellsten wachsen.
Egal, wie man es dreht oder wendet: Der Kohlenstoff-Fußabdruck von Rechenzentren gehört zu denen, die am am schnellsten wachsen.
(Bild: Colin Behrens auf Pixabay)

Zunächst einmal: Die SDIA hat die jüngste Ankündigung zur Gründung des Climate Neutral Data Center Pact mit Freude zur Kenntnis genommen. Ein Kollektiv von Rechenzentrumsbetreibern und -nutznießern will zusammenarbeiten und Wege finden, um wichtige Aspekte der Nachhaltigkeit wie Energie-Effizienz, kohlenstofffreien Strom und Wassereffizienz zu berücksichtigen.

Diese Entwicklung unterstreicht das zunehmende Bewusstsein in der Hightech-Industrie in ganz Europa für die Notwendigkeit, nachhaltige Lösungen zu schaffen, die technologische Innovationen unterstützen. Die Implementierung nachhaltiger Maßnahmen im Rechenzentrums-Management ist eine Kernkomponente für die Schaffung einer wirklich nachhaltigen digitalen Infrastruktur.

Doch das geht der SDIA nicht weit genug. Und das werden wir den am Klimapakt involvierten EU-Stellen auch klar machen. Mit dabei ist etwa das Joint Research Centre (JRC), das EU-Politiker berät.

Anerkennung und Kritik

Rechenzentren können in hohem Maße zu negativen Umweltauswirkungen beitragen, und die SDIA ist der festen Überzeugung, dass diese Betriebsabläufe so verbessert werden können, dass sie kritische Dienste bereitstellen und gleichzeitig den Schaden für die Umwelt verringern. Da sich die Gesellschaft zunehmend auf digitale Lösungen verlässt, die die ökologischen Ressourcen zu strapazieren drohen und eine nachhaltige Zukunft gefährden, bekräftigt diese neue Initiative den Aufruf der SDIA zur Bewusstseinsbildung und die zunehmende Anerkennung der Notwendigkeit von Veränderungen.

Die Berücksichtigung von Recycling sowie die Reduzierung des Ressourcen- und Materialverbrauchs durch den Pakt ist der Schlüssel zur Umsetzung umfassenderer Bemühungen, die Nachhaltigkeitsprotokolle berücksichtigen, die sowohl umsetzbar als auch messbar sind. Das Kollektiv scheint zudem Pläne zu haben, um den Fortschritt überwachen zu können und um Feedback von seinen Mitgliedern einzusammeln.

Die SDIA findet diese Absicht, die Betreiber von Rechenzentren in eine nachhaltige digitale Wirtschaft zu überführen, ermutigend angesichts des großen Einflusses, den Rechenzentren auf den Gesamtenergieverbrauch der EU haben. Immerhin haben Rechenzentren einen der am schnellsten wachsenden Kohlenstoff-Footprint und tragen somit stark zu den CO2-Emissionen bei.

Die SDIA beabsichtigt, dem Pakt beizutreten; die Allianzmitglieder und das Netzwerk wollen ihre Ressourcen zur Unterstützung bereitstellen. Sie haben für die Allianz bereits eine Roadmap für eine nachhaltige digitale Infrastruktur bis zum Jahr 2030 erstellt.

Denn Infrastruktur ist ihrem Wesen nach ein System oder ein Netzwerk von Komponenten, die die Grundlage einer Einheit bilden. Wenn es um die digitale Infrastruktur geht, sind Rechenzentren ein wichtiger Teil eines integrierten Netzwerks, das bewertet werden muss.

So sind die SDIA-Aktivitäten auf Skalierung, Messung, Berichterstattung und Innovation mit Benchmarks ausgelegt, die speziell definieren, wie digitale Infrastrukturen nachhaltige Praktiken implementieren und verfeinern können. Durch die Berücksichtigung der Auswirkungen und Zusammenhänge der gesamten Hightech-Wertschöpfungskette versucht die SDIA, Lücken in Prozessen, Materialien und Verbrauchsmustern zu schließen, die mehr als einen Sektor umfassen oder beeinflussen.

Und das fehlt dem Klimapakt. Hier stehen Energie-Effizienz, insbesondere der Effizienzgrad Power Usage Effectiveness (PUE), im Vordergrund. Die SDIA möchte dabei helfen, spezifische Projekte und Initiativen zu skizzieren, die Mitglieder beider Gruppen nutzen können, um umsetzbare Schritte zur Reduzierung von Abfall und Emissionen zu implementieren. Das ultimative Ziel ist es, Aktionspunkte zu definieren, die zu nachhaltigen digitalen Lösungen führen, die Cloud- und Internet-Innovationen unterstützen und gleichzeitig die negativen Auswirkungen auf die Umwelt verringern.

Organisationen können durch unser Zutun Schritte mit Meilensteinen und Zielen verknüpfen und die Nachhaltigkeitsmetriken der SDIA nutzen. Das erlaubt ein regelmäßiges Reporting und Einblicke. Durch diese wiederum können alle Beteiligten ihre Pläne neu kalibrieren und Daten aus einem Branchenquerschnitt nutzen, um Entscheidungen zu treffen und die Nachhaltigkeitsbemühungen zu verfeinern.

Denn die Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen erfordert klare Schritte, die von unten nach oben umgesetzt werden können. Verantwortlichkeit kann nur dann erwartet werden, wenn die Anbieter verstehen, wie - und nicht nur warum - Nachhaltigkeit in bestehende Prozesse, Systeme und Rechenzentren integriert werden kann. Das Abwägen von Prioritäten, Kosten, Auswirkungen und Maßnahmen für diese Aktionen kann den Erfolg in diesem Bereich behindern oder vorantreiben.

Die SDIA freut sich darauf, mehr über die Pläne des Paktes zu erfahren, wie Betreiber in die Umsetzung von Maßnahmen eingebunden werden können, die die Selbstregulierung fördern.

* Max Schulze ist Executive Chairman der Sustainable Digital Infrastructure Alliance e.V. (SDIA).

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