Analystenstimmen zum Status Quo von OpenStack

Kann sich OpenStack als Cloud-Computing-Alternative durchsetzen?

| Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter / Rainer Graefen

In einer OpenStack-Cloud nutzen alle Dienste für die Authentifizierung ein gemeinsames Identitäts-Management-System. Die Interaktion einzelner Services erfolgt in der Regel über öffentliche APIs, insofern die Ausführung von Befehlen keine Administratorrechte verlangt.
In einer OpenStack-Cloud nutzen alle Dienste für die Authentifizierung ein gemeinsames Identitäts-Management-System. Die Interaktion einzelner Services erfolgt in der Regel über öffentliche APIs, insofern die Ausführung von Befehlen keine Administratorrechte verlangt. (Bild: OpenStack)

In nur fünf Jahren entwickelte sich OpenStack zum weltweit größten Open Source-Projekt. Knapp 25.000 Mitglieder und 507 unterstützende Unternehmen sowie 145 Organisationen engagieren sich heute in der Bewegung. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, einfach installierbare, skalierfähige und funktionsstarke Lösungen zu entwickeln, mit denen sich offene und kompatible Cloud-Architekturen realisieren lassen.

Wir wollten von den Analysten wissen, welche Chancen sie den Bemühungen einräumen, wo es noch hakt und in welche Richtung sich OpenStack entwickeln wird. Auf unsere sechs Fragen haben geantwortet: Carla Arend, Programmdirektorin European Software bei IDC, René Büst, Senior Analyst & Cloud Practice Lead, Crisp Research und Wolfgang Schwab, Manager Advisor & Program Manager Efficient Infrastructure bei der Experton Group.

Frage 1: Erwarten Sie, dass sich durch die OpenStack-Initiativen „Swift“ (für Object Storage) und „Cinder“ (für Block-Storage) gespeicherte Daten besser/einfacher transportieren lassen (Datenmobilität) und sich dadurch auch eine Cloud-Interoperabilität ergibt?

Die drei Analysten sind sich einig, dass es um die Cloud-Interoperabilität derzeit noch ziemlich schlecht bestellt ist. Carla Arend erwartet, dass der Datenaustausch kurzfristig nur zwischen OpenStack-Clouds realisiert werden wird. Mehr sei nur möglich, falls sich „Swift“ und „Cinder“ zu De-facto-Standards mausern.

Wolfgang Schwab fürchtet, dass die Anbieter „durch geeignete Add-ons und unterschiedliche Anpassungen dieses Ziel nicht so stringent umsetzen wollen.“ René Büst mahnt fehlende APIs an, „um die Daten aus den unterschiedlichen Speichertechnologien zwischen verschiedenen Clouds zu bewegen“. Für Cloud-Interoperabilität fehlen also – noch - die Standards.

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Frage 2. Ist OpenStack Ihrer Meinung nach die richtige Wahl, um Daten-Services kompatibel zu machen?

OpenStack ist in den Augen der Analysten derzeit nur eine Option unter vielen. Carla Arend sieht VMware und Microsoft mit ihren Cloud-Lösungen in Führung, während OpenStack „erst am Anfang seiner Entwicklung steht“. IDC erwartet aber für das laufende Jahr, dass „OpenStack an Momentum gewinnt“.

Crisp-Analyst Büst setzt darauf, dass sich das OpenStack-Ökosystem stetig weiter vergrößern wird und dadurch „die Standardisierung und Interoperabilität in der Cloud vorantreibt“. Schwab glaubt, dass man sich heute noch nicht entscheiden sollte. Anbieter sollten unterschiedlichen Optionen zur Verfügung stellen.

Frage 3. OpenStack unterscheidet zwischen verschiedenen Storage-Arten: Block-, Object-, Ephemeral- und Persistent. Dazu gesellt sich dann noch File-Level-Storage. Selbst für den Fachmann wirkt das verwirrend, zumal die Speichertypen z.T. auch noch abweichend von der gängigen Norm definiert werden. Verhindert diese Komplexität die schnelle Verbreitung von OpenStack?

Storage ist generell nicht einfach, so kann man die Meinungen der drei Analysten auf einen Nenner bringen. Das gilt auch für OpenStack-Storage. Sie konstatieren allerdings, dass OpenStack großes Expertenwissen voraussetzt und das ist „ein im Markt rar gesätes Gut“ sagt René Büst. Er wünscht sich deshalb, dass OpenStack nach dem „KISS“-Prinzip arbeiten sollte, also: Keep it simple, stupid. Keiner der drei Analysten befürchtet aber, dass sich die Variantenvielfalt negativ auf die Verbreitung der Open-Source-Software auswirkt.

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Frage 4: Low Latency ist der Überbegriff für eine Infrastruktur ohne Wartezeit. Lassen sich mit OpenStack die unvermeidbaren Laufzeitverzögerungen im Internet so niedrig halten, dass Anwender gerne mit mobilen Terminals arbeiten werden? Gilt das auch für hochauflösende multimediale Inhalte?

Ein schneller Zugriff auf den Speicher, etwa durch den Einsatz von SSDs, sorgt für eine schnellere Verarbeitung. Dies gilt auch für Multimedia-Daten. „Dass OpenStack die physikalischen Herausforderungen der Cloud-Connectivity (geringe Latenz, hoher Datendurchsatz) im Internet verringern kann, halte ich für sehr optimistisch“, konstatiert Crisp-Analyst Büst. Das sei eher die Aufgabe des gesamten Rechenzentrums beziehungsweise der IT-Infrastruktur.

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