Vertreter von Snow Software und der OEDIV KG im Gepräch

Interview zu Softwarelizenzen bei indirekter Nutzung

| Autor / Redakteur: DataCenter-Insider / Ulrike Ostler

Interview zur Frage: Was ist indirekte Nutzung und warum kann das teuer kommen?
Interview zur Frage: Was ist indirekte Nutzung und warum kann das teuer kommen? (Bild: gemeinfrei - Stux/Pixabay / CC0)

Wer falsch lizenziert, zahlt unter Umständen richtig viel. Ein Problem aber ist die so genannte indirekte Nutzung - Programme von Drittanbietern greifen auf die Software zu, die nun nur noch vermeintlich ausreichend lizenziert ist. Georg Brauckmann-Berger von Snow Software und Martin Stratmann von OEDIV KG erklären das in einem Interview.

Was ist indirekte Nutzung und warum kann das teuer kommen?

Georg Brauckmann-Berger: Am besten lässt sich indirekte Nutzung in Abgrenzung zur direkten Nutzung erklären. Direkte Nutzung bedeutet am Beispiel von SAP, dass ein Nutzer SAP-Daten über eine SAP-Oberfläche aus einer SAP-Datenbank abruft. Greift ein Nutzer hingegen über die Anwendung von einem Drittanbieter, etwa Workday oder Salesforce, auf SAP-Daten oder -Funktionalitäten zu, fällt das unter indirekte Nutzung. Oftmals werden hierfür zusätzliche Lizenzen benötigt.

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Martin Stratmann: Viele Unternehmen haben die indirekte Nutzung nicht im Griff. Sie können nicht zweifelsfrei sagen, wo es bei ihnen zu indirekter Nutzung kommt, oder wissen nicht, welche Nutzungsszenarien zusätzliche Lizenzen erfordern. Diese Intransparenz birgt ein hohes finanzielles Risiko, denn bei einem Audit drohen teure Nachlizenzierungen und Zusatzkosten in Millionenhöhe.

Was macht die Lizenz-/Abonnementmodelle von Anbietern wie SAP, Oracle und Microsoft so undurchsichtig? Gibt es keine einfache Lösung?

Georg Brauckmann-Berger von Snow Software
Georg Brauckmann-Berger von Snow Software (Bild: Snow Software)

Georg Brauckmann-Berger: Anbieter wie SAP, Oracle und Microsoft haben komplexe Lizenz- und Abo-Modelle aufgebaut, die speziell auf ihre Produkte zugeschnitten sind. Für ihre Kunden ist damit ein hohes Maß an Unübersichtlichkeit verbunden, das durch die zunehmende Verbreitung von SaaS- und PaaS-Lösungen nur noch wächst.

Martin Stratmann: Wenn hier die Kontrolle verloren geht, laufen die Lizenzkosten schnell aus dem Ruder. Außerdem erschwert es die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, etwa der europäischen Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO).

Georg Brauckmann-Berger: Wer teure Unter- oder Überlizenzierung vermeiden und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben sicherstellen will, der benötigt eine Lösung, die viererlei leistet: Sie muss helfen, die vorhandene Software zu identifizieren, die Lizenzposition bestimmen, eine zentrale Übersicht über Assets und Kosten liefern und die Optimierung des Lizenzbestands automatisieren.

Muss es ein Tool sein?

Martin Stratmann: Aufgrund der hohen Zahl an Geräten und Anwendungen kommt kein Unternehmen mehr ohne Software-Asset-Management-Lösung aus. Die Kosten-Nutzen-Rechnung ist hier auch sehr einfach: Man denke nur an die eingesparte Zeit, die eingesparten Lizenzkosten und die Compliance-Risiken, die sich mit dem richtigen Tool effektiv beseitigen lassen.

Snow Software ist jüngst eine Kooperation mit OEDIV eingegangen. Was bringt das welchen Anwendern?

Martin Stratmann: OEDIV ist ein IT-Dienstleister, der auf Mittelstandskunden spezialisiert ist. Er bietet unsere SAP-Lizenzverwaltung in Zukunft als Managed Service an. Interessant ist das vor allem für Mittelständler, für die es nicht in Frage kommt, für ihr Software Asset Management eine eigene Infrastruktur und eigenes Know-how aufzubauen.

Mit dem von OEDIV angebotenen `Snow Optimizer for SAP´ können sie in Zukunft automatisch Anzeichen für eine indirekte Nutzung, doppelte oder inaktive Nutzer erkennen und davon ausgehend den Lizenzbestand optimieren. Das erhöht die Kosteneffizienz, weil es den Abbau überschüssiger Lizenzen ermöglicht. Außerdem können sich die Unternehmen so vor den Risiken schützen, die in Zusammenhang mit einer indirekten Nutzung entstehen.

Wie unterscheidet sich der Snow Optimizer von anderen Tools, die mit demselben Ziel eingesetzt werden? Welches sind die Konkurrenten?

Martin Stratmann von OEDIV KG
Martin Stratmann von OEDIV KG (Bild: OEDIV)

Martin Stratmann: Es gibt einige Lösungen am Markt die das gleiche Ziel verfolgen. Hier muss man unterscheiden zwischen reinen Beratungslösungen sowie Software Lösungen. Snow Software hat den Vorteil, dass kontinuierlich eine Lizenzoptimierung mit wenig Aufwand vorgenommen werden kann.

Auch SAP empfiehlt regelmäßig, zum Beispiel monatlich, die Lizenzen zu verwalten und zu überprüfen. Nur so können Veränderungen und Ausnahmen richtig interpretiert und die Compliance erhöht werden.

Software Optimizer for SAP ist komplett in ABAP geschrieben und von SAP und KPMG zertifiziert. Es wird keine zusätzliche Software oder Hardware benötigt. Hierdurch ist auch das Projekt sehr schnell umsetzbar und oftmals können die Nutzungsrechte innerhalb von 3 bis 4 Tagen optimiert werden.

Wie lizenziert Snow?

Georg Brauckmann-Berger: Snow Optimizer for SAP wird User-basiert lizenziert.

Wie erkennt das Werkzeug überflüssige/fehlende Lizenzen oder optimiert den SAP-Lizenzbestand?

Martin Stratmann: Eine wesentliche Herausforderung ist, dass SAP nicht mit standardisierten Lizenzmodellen arbeitet. Die Lizenzoptimierung muss deshalb von Unternehmen zu Unternehmen anderen Vorgaben folgen. Zu berücksichtigen gilt es aber vor allem den konkreten Lizenzbedarf, abzulesen an Transaktionsdaten, Änderungsbelegen, Personaldaten, Login-Daten, Rollen etc..

Georg Brauckmann-Berger: Snow Software führt alle diese Informationen zusammen und setzt kundenspezifische Regelwerke auf. Auf diesen aufbauend sind anschließend Empfehlungen möglich, welche Lizenzen benötigt werden und welche nicht mehr. Wichtig ist dabei auch stets, dass vollständige Transparenz über die indirekte Nutzung besteht.

Die Interviewpartner

Georg Brauckmann-Berger ist seit März 2015 Direktor Sales Development und Allianzen für die Regionen DACH, Osteuropa und Italien bei Snow Software, einem internationalen Anbieter von Software-Asset-Management-Lösungen mit Niederlassungen in Stuttgart und Mailand sowie internationalem Hauptsitz in Stockholm, Schweden.

Brauckmann-Berger verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der IT-Branche und war in der Vergangenheit unter anderem Berater für SAP. Vor seinem Wechsel zu Snow Software war er für IBM tätig, wo er zuletzt verschiedene Führungspositionen im direkten und indirekten Vertrieb (Channel) innehatte.

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Über Snow Software

Martin Stratmann ist seit dem Jahr 2001 für die OEDIV KG, einem nationalen sowie international tätigem IT-Dienstleister, tätig. Hierbei verantwortet er als Geschäftsführer Vertrieb/Marketing die Entwicklung der Kunden und die Marktausrichtung des Unternehmens.

Nach dem Studium der Wirtschaftsinformatik betreute Stratmann bei der IBM zehn Jahre lang nationale und internationale Kunden in verschiedensten Niederlassungen vom Raum Stuttgart bis Düsseldorf und bringt damit seit über 25 Jahren weitreichende Erfahrungen in der IT-Branche mit.

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Über die Dr. August-Oetker-Tochter OEDIV

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posted am 12.03.2018 um 16:14 von Unregistriert


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