Blockchain

Internet des Umdenkens

| Autor / Redakteur: Otto Geißler / Nico Litzel

Autor Otto Geißler bittet M. Asim Soysal, Strategic IT Consulting bei Fujitsu, um Stellungsnahme zur Dsiruption via Blockcahin.
Autor Otto Geißler bittet M. Asim Soysal, Strategic IT Consulting bei Fujitsu, um Stellungsnahme zur Dsiruption via Blockcahin. (Bild: © Denys Rudyi – stock.adobe.com)

In der Theorie offenbart die Blockchain ein schier unglaublich großes Potenzial. Was die Praxis angeht, so steht sie noch am Anfang einer rasanten Entwicklung. Doch eines ist jetzt schon sicher: Sie wird viele Märkte komplett neu definieren.

Aus heutiger Sicht kann noch niemand genau sagen, wie und im welchem Umfang die Blockchain am Ende wirklich genutzt wird. Auf jeden Fall wird sie ihre Stärken vor allem in den Bereichen ausspielen, wo alle Aktionen akribisch protokolliert werden sollen und viele Teilnehmer bzw. Partner gemeinsam viele Daten teilen, die absolut sicher sein müssen.

Bei einer Blockchain werden einzelne Transaktionen durch Blöcke zusammengefasst und dann dauerhaft verkettet. Diese Technologie gilt als sehr sicher, da unter anderem für jeden Block ein so genannter Hashwert errechnet und die gesamte Datenbankdatei auf vielen Knotenpunkten abgespeichert wird. Somit handelt es sich bei einer Blockchain um eine Art dezentrales Register, das durch eine stetig anwachsende Liste an irreversiblen Einträgen erweitert wird.

M. Asim Soysal, Strategic IT Consulting, Fujitsu
M. Asim Soysal, Strategic IT Consulting, Fujitsu (Bild: Fujitsu)

Fälschungen und nachträgliche Bearbeitungen sind folglich nicht möglich. Denn dafür müssten alle Knoten auf einmal manipuliert werden. Außerdem ist das System hochverfügbar. Fällt ein Knoten aus, springen die anderen Knoten sofort ein. „Die Blockchain ist ein intrinsisch sicheres und vertrauenswürdiges System“, unterstreicht M. Asim Soysal, Strategic IT Consulting, bei Fujitsu in Stuttgart. „Vor allem wird kein Intermediär in Sinne einer Bank, eines Notars, Maklers oder eines Plattform- oder Marktplatzbetreibers mehr benötigt.“

Nicht nur ein Bankenthema

Dass die Blockchain tatsächlich funktioniert, beweist seit Jahren die Applikation Bitcoin. So ist mittlerweile eine Einheit der digitalen Währung wesentlich mehr wert als eine Feinunze Gold – auch wenn vor Spekulationen mit der Kryptowährung immer gewarnt wird. Doch die Performance der Blockchain beschränkt sich längst nicht mehr nur auf die Finanzwelt. Die Möglichkeit, Geschäfte, Verträge sowie Produktions-, Lager- und Versorgungsprozesse zwischen einer Vielzahl von Teilnehmern hochsicher abwickeln zu können, begeistert Unternehmen aus den verschiedensten Branchen - von der Energiewirtschaft über die produzierende Industrie bis hin zu Handelsunternehmen. Kein Wunder, dass die damit verbundenen Produktivitätssprünge ohne Mediatoren als besonders gewaltig eingestuft werden.

„Die Blockchain eignet sich demnach ideal, wenn ich einen Prozess besonders sicher und vertraulich gestalten möchte“, stellt Soysal fest. „Das heißt, mit dieser Technologie lässt sich sogar auch Vertrauen zwischen Partnern schaffen, die sich noch nicht aus bestehenden Kooperationen kennen. Ein weiterer wesentlicher Ansatzpunkt ist der Wegfall hoher Kosten für Intermediäre wie Makler, Banken oder Plattformbetreiber.“ Letztlich kann die Blockchain ein Innovationstreiber für alle Branchen sein. Wenn zum Beispiel in einer Blockchain eine Wertschöpfungskette vom Erzbergwerk bis zum Automobilzulieferer abgebildet ist, dann könnte ein Stahlhersteller nie die Möglichkeit besitzen, minderwertigen Stahl zu verkaufen. Denn für jeden Partner in der Kette wäre es absolut transparent, wie viel Stahl produziert wird, aus welchen Rohstoffen er besteht und welche Partner darin involviert sind.

Neue Geschäftsmodelle

Wenn die Blockchain ihre Kraft vollends entfalten soll, muss nicht nur eine Wertschöpfung ganz zu Ende gedacht, sondern auch gleichzeitig weitere Wertschöpfungsketten, die sich daraus zusätzlich ergeben, miteinbezogen werden. Der Aufhänger ist die klassische Customer Journey. „Früher haben Automobilhersteller Autos hergestellt“, erklärt Soysal. „Dann kamen die Smart Cars und digital Services sowie der Car-as-a-Service bis hin zur Mobility-as-a-Service.“ Es ist anzunehmen, dass Autohersteller zukünftig noch viele weitere Services anbieten werden. Wie zum Beispiel beim Autokauf. Bis ein Interessent sein Rating für den Erwerb eines Autos erhält, vergehen heute rund drei Wochen. „Diese drei Wochen kann man mit der Blockchain auf rund 30 Minuten verkürzen“, so Soysal. „Denn der Hersteller möchte seine Fahrzeuge auch mal bei einem REWE per App verkaufen.“ Das bedeutet, der Hersteller müsste dann in rund zehn Minuten alle Schufa- und Bankauskünfte sowie sonstige Prüfungen einholen, um eine Zu-oder Absage erteilen zu können.

Ergänzendes zum Thema
 
Fujitsu macht Tempo!

Institute wie zum Beispiel Gartner oder das World Economic Forum gelangten zu der Auffassung, dass sich die Technologie erst in ein paar Jahren branchenübergreifend durchsetzen wird. So wurden bislang nur wenige Projekte aufgesetzt. Oftmals nur als Marketingeffekt, um die technische Realisierbarkeit und Innovationsstärke zu demonstrieren. Laut dem World Economic Forum soll die Blockchain bis 2025 rund zehn Prozent des weltweiten Sozialprodukts abbilden. Das könnte im Umkehrschluss für die Bankenwelt bedeuten, dass zehn Prozent des globalen Geschäfts für sie wegbrechen wird.

Wer mit einem digitalen Geschäftsmodell auf Basis einer Blockchain am Markt erfolgreich sein möchte, muss nach der Meinung von Soysal in der Lage sein, drei wichtige Eingangshürden zu meistern: Das Angebot muss kostenlos sein. Das heißt, die App kann der Nutzer kostenlos downloaden. Es muss für alle Beteiligten die absolute Sicherheit gewährt werden, dass das Geld auch tatsächlich fließt. Darüber hinaus muss es „convenient“ sein, indem es das Leben des Nutzers quasi verbessert.

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44989510 / Data Center für die digitale Welt - Fujitsu Content-Hub)

Weitere Informationen erhalten Sie in folgenden Themenbereichen:

Themenspecial: SDDC Themenbereich: Big Data Analytics Themenbereich: Data Management