State of Hyperconvergence/Simplivity

Hyperkonvergente Systeme machen sich schnell breit

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Erwartete und tatsächliche Vorteile hyperkonvergenter Systeme sind nicht deckungsgleich.
Erwartete und tatsächliche Vorteile hyperkonvergenter Systeme sind nicht deckungsgleich. (Bild: ActualTech Media/Simplivity)

Zum zweiten Mal publiziert Simplivity, ein Anbieter hyperkonvergenter Syseme, den Report „2016 State of Hyperconverged Infrastructures“, den Actual Tech Media im Auftrag des Herstellers erstellt hat. Fazit: Hyperkonvergenz breitet sich aus, ihre Nutzeffekte weichen aber gelegentlich von den Erwartungen ab.

Actual Tech Media befragte 1098 IT-Spezialisten nach Einsatz, Erwartungen an und Erfahrungen mit hyperkonvergenten Systemen. Die Befragten stammten zu rund 60 Prozent aus den USA, zu rund 25 Prozent aus Europa, dem nahen Osten und Afrika (EMEA), der Rest aus dem asiatisch-pazifischen Raum. Rund 60 Prozenr der Teilnehmer waren für Firmen über 1000 Mitarbeiter tätig, der Rest für Firmen zwischen 100 und 999 Mitarbeitern.

Hyperkonvergenz war definiert als softwarezentriertes Design mit x86-Hardware, Hypervisor, Speicher und Vernetzung sowie Services wie Datenschutz von einem einzigen Hersteller. Diese Ressourcen müssen einen integrierten, in Leistung und Kapazität erweiterbaren Ressourcenpool bieten, hochgradig automatisiert arbeiten und ermöglichen, aggregierte Ressourcen auch zwischen Rechenzentren zu managen. Freilich prüften die Interviewer nicht, ob Anwender auch tatsächlich von einem solchen System sprachen, als sie online die Multiple-Choice-Fragen beantworteten.

Doron Kempel, CEO von Simplivity, der die Studie in München vorstellte: „Ein einheitliches Verständnis von Hyperkonvergenz darf man bei den Antworten eher nicht voraussetzen. Wir erleben, dass auch Big-Data-Systeme als hyperkonvergent bezeichnet werden.“ Die Ergebnisse sind also eher als Anhaltspunkt denn als fotografisch genaue Abbildung der Realität zu betrachten.

Der Virtualisierungsgrad

Die befragten europäischen Unternehmen haben ihre Systeme weitgehend in einem mittleren Umfang virtualisiert (zwischen 41 und 80 Prozent Virtualisierungsgrad), mit einem leichten Vorsprung großer Unternehmen. Nur 7 Prozent der Firmen unter 1.000 Mitarbeiter und 14 Prozent der Unternehmen über 1.000 Mitarbeiter erreichen bereits Server-Virtualisierungsgrade über 80 Prozent. In den USA liegt der Virtualisierungsgrad etwas höher.

Die Akzeptanz hyperkonvergenter Infrastruktur hat sich weltweit in den vergangenen 12 Monaten erheblich erhöht: 2015 waren es 24 Prozent Nutzer, 2015 bereits 37 Prozent, ein Zuwachs von über 50 Prozent. In Europa lag der Prozentsatz der Einsteiger mit 46 Prozent 2016 (2015: 27 Prozent) und deren prozentualer Zuwachs noch erheblich höher als bei der Grundgesamtheit.

Europäische Anwender denken bei der Implementierung hyperkonvergenter Systeme in erster Linie an Kostenreduktion und mehr Effizienz im Betrieb (jeweils 26 Prozent). Bei den Auswahlkriterien, wo die Befragten bis zu fünf von fünfzehn Kriterien auswählen konnten, spielten für die Anwender, die eine Investition in hyperkonvergente Lösungen planten, die Kosten die wichtigste Rolle (55 Prozent), gefolgt von Hochverfügbarkeit (44 Prozent) und Skalierbarkeit (43 Prozent).

Europäische Kunden evaluieren hyperkonvergente Infrastrukturen vor allem hinsichtlich der verwendeten Hypervisoren, der Skalierbarkeit und der Kosten.
Europäische Kunden evaluieren hyperkonvergente Infrastrukturen vor allem hinsichtlich der verwendeten Hypervisoren, der Skalierbarkeit und der Kosten. (Bild: Simplivity)

Welchen Hypervisor hätten Sie den gerne?

Wer schon dabei war, in die Technologie einzusteigen, für den blieben diese Kriterien die wichtigsten, aber mit erheblich herabgesetzter Bedeutung (36/30/28 Prozent). An Bedeutung gewannen für die Teilnehmer, die tatsächlich einkaufen, dass der richtige Hypervisor unterstützt wird (Planer: 15 Prozent, Umsetzer: 20 Prozent) beziehungsweise die Unterstützung mehrerer Hypervisoren (12/16 Prozent), dass nur ein Hersteller für Lieferung und Support zuständig ist (14/20 Prozent), dass Regeln für einzelne VMs möglich sind (14/18 Prozent) sowie dass Kundenreferenzen (10/16 Prozent) und Referenzarchitekturen vorliegen (9/15 Prozent).

Interessant ist die Entwicklung der Top-Kaufkriterien der Technologie-Einsteiger aus EMEA zwischen 2015 und 2016, allerdings könnte hier auch die unterschiedliche Größe des Samples (2015: 29 Antworten zu dieser Frage aus EMEA, 2016 134 Antworten) eine Rolle spielen. 2015 waren die überragenden Bewertungskriterien Hochverfügbarkeit (69 Prozent), einfache Skalierbarkeit (5 9Prozent) und eine gemeinsame Management-Schnittstelle (41Prozent).

Wichtig auch noch der unterstützte Hypervisor, Fähigkeiten zur Deduplizierung und Komprimierung von Daten sowie Automatisierung (jeweils 34Prozent). 2016 war das Problem des richtigen Hypervisors ganz an die Spitze gerückt: Dass entweder der gewünschte oder mehrere Hypervisoren unterstützt werden, wollten insgesamt 47 Prozent der Befragten.

Weitere Kaufkriterien

Auf Platz zwei der Kriterien liegt mit 31 Prozent die einfache Skalierbarkeit, danach folgen die Kosten bzw der Return on Investment (je 28 Prozent), danach die Integration in die Public Cloud (23 Prozent), globales Management und Hochverfügbarkeit (je 22 Prozent). Es zeigt sich also im Lauf der Zeit eine deutliche Veränderung der Kaufkriterien.

Die Relativierung von Kostenfragen und Wünschen hinsichtlich der IT-Betriebseffizienz zeigt auch noch ein anderes Ergebnis. Gefragt wurde nach den erwarteten und den tatsächlich realisierten Vorteilen von hyperkonvergenter Technologie.

Bei den Interessenten (weltweit) lagen Kostenreduktionen (45 Prozent) und ein effizienterer IT-Betrieb (42 Prozent) ganz oben auf der Erwartungsliste. Mit weitem Abstand folgen verbesserte Skalierbarkeit (29 Prozent) und geringerer Einfluss von Infrastrukturanpassungen (28 Prozent).

Erwartete und tatsächliche Vorteile hyperkonvergenter Systeme sind nicht deckungsgleich.
Erwartete und tatsächliche Vorteile hyperkonvergenter Systeme sind nicht deckungsgleich. (Bild: ActualTech Media/Simplivity)

Welche Erfolge passen zu den Erwartungen?

Bei denen, die die Technologie tatsächlich implementieren, stehen zwar reale Kostenvorteile mit 37 Prozent Nennungen nach wie vor an erster Stelle, auf Platz 2 folgt aber die erheblich beschleunigte Implementierung mit 31 Prozent Nennungen, die von den Interessenten nur 20 Prozent erwarten. Gesteigerte Effizienz verzeichnen 28 Prozent - gegenüber den Erwartungen ein Minus von einem Drittel.

Weitere, gegenüber den Erwartungen stärker zu Buche schlagende Vorteile sind die Möglichkeit, Personal andere Aufgaben als bisher zuzuweisen (19 Prozent), virtuelle Maschinen schneller verschieben zu können (17 Prozent) und weniger Training zur zu brauchen, um mit der Lösung umzugehen (17 Prozent).

Was läuft?

Dass hyperkonvergente Infrastrukturen ungeeignet für geschäftskritische Applikationen sind, scheint sich als Vorurteil herauszustellen. Von den Befragten aus EMEA lassen darauf inzwischen 40 Prozent Big Data Analytics laufen, 39 Prozent Kerngeschäftsprozesse, 37 Prozent Produktivitätsanwendungen und 35 Prozent industriespezifische und Web-Anwendungen.

Bei denen, die sich für die Technologie interessieren, sie aber noch nicht einsetzen, liegt demgegenüber der Schwerpunkt auf traditioneller IT-Infrastruktur (54 Prozent), wobei die Umfrage offen lässt, was damit konkret gemeint ist. Die realen Nutzer nennen diesen Workload-Typ nur zu 31 Prozent als Verwendungszweck.

Wer sich nicht mit hyperkonvergenter Technologie befasst, tut dies vor allem deshalb nicht, weil die aktuelle Infrastruktur wie gewünscht funktioniert (36 Prozent), weil man zu hohe Kauf- und Implementierungskosten fürchtet (27 Prozent), erst kürzlich neue Infrastruktur eingebaut oder augenblicklich keine Ressourcen hat, um die Technologie zu implementieren (beides 26 Prozent). 21 Prozent fürchten, zu sehr an einen Hersteller gefesselt zu werden.

Oder doch besser gleich: Ab in die Cloud?

Bei den Kosten wird sich hyperkonvergente Infrastruktur sicher in Zukunft auch mit der Alternative „Cloud“ zu messen haben. Bezüglich dieses Themas wies Simplivity-CEO Kempel auf ein weiteres Studienergebnis hin. Die Evaluator Group verglich die Infrastrukturkosten von Public-Cloud-Providern wie AWS mit denen von Simplivity. Ergebnis: Simplivity sei über 36 Monate bei 515 virtuellen Maschinen zwischen 22 und 45 Prozent billiger als AWS.

Wie ernst eine solche Aussage zu nehmen ist, dürfte sehr davon abhängen, ob das TCO-Modell, das die Evaluator Group zugrunde legte, mit dem des jeweiligen Unternehmens vergleichbar ist. Diese Aussage ist also mit Vorsicht zu genießen.

Trotzdem ist davon auszugehen, dass die Auslagerung in die Public Cloud sicher nicht immer die günstigste Infrastruktur-Alternative darstellt, da sich in der Public Cloud diverse, häufig insgesamt wenig transparente Gebühren aufaddieren und am Ende doch wieder eine beträchtliche Summe bilden. Es ist also immer eine individuelle Kalkulation nötig.

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