KI und Superkräfte von nationalem Interesse

HPE baut Frankreichs neuen Supercomputer Jean Zay

| Autor: Ulrike Ostler

So soll Supercomputer Jean Zay einmal aussehen.
So soll Supercomputer Jean Zay einmal aussehen. (Bild: HPE)

Frankreich bekommt einen neuen Supercomputer, mit der Bezeichnung „Jean Zay“. Namensgeber ist ein französischer Politiker und Kulturschaffender, der von der Regierung Vichy während des Zweiten Weltkriegs inhaftiert und 1944 umgebracht wurde. Den Auftrag zum Bau des Systems mit einer Spitzenleistung von 14 Petaflops hat HPE. Die Plattform wird „HPE SGI 8600“ sein.

Der Supercomputer wurde nach Jean Zay benannt, der als Minister für nationale Bildung und bildende Kunst Beiträge zu Wissenschaft und Kunst geleistet und das Festival von Cannes gegründet hat. Er rief zudem 1939 die Institution ins Leben, die den Supercomputer - CNRS - beherbergen wird. CNRS feiert in diesem Jahr sein 80-jähriges Bestehen.

Der Computer wird Teil von „Genci“ sein, der französischen nationalen Infrastruktur für HPC-Ressourcen und -Einrichtungen, die den Bau finanziert. Das System entstand auf Veranlassung des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron zur Unterstützung der nationalen Strategie, Frankreich zum europäischen Marktführer in der Erforschung künstlicher Intelligenz zu machen.

Somit dient das System der Weiterentwicklung von Machine-Learning- und KI-Anwendungen. Zugleich soll der Supercomputer traditionelle HPC-Workloads wie Modellierung und Simulation verbessern. Nach Angaben des französischen Ministeriums für Hochschulwesen, Forschung und Bildung wird das neue HPC-System zudem die Möglichkeiten des Landes zur Simulation verdoppeln. Die Anwendungen, die darauf laufen sollen, kommen aus dem Bereichen Gesundheitswesen, Verkehr, Umweltwissenschaften sowie nationale Verteidigung und Sicherheit.

Die Ausstattung

Jean Zay soll eine Spitzenleistung von 14 Petaflops liefern. Unter einem „Omni-Path“-Netzwerk soll das System 1.528 „Intel Xeon-Knoten“ der nächsten Generation und 261 GPU-Knoten mit jeweils vier „Nvidia Tesla V100“ (32 GB) GPUs, insgesamt also 1.044, umfassen.

Partner für die Bereitstellung von Flash-Speicher-Technologie ist Datadirect Networks. Diese soll eine Lese- und Schreibkapazität von mehr als 300 Gigabyte pro Sekunde ermöglichen. Eine direkte Flüssigkeitskühlung reduziert gleichzeitig den Energieverbrauch und eine hohe Dichte.

Jean Zay wird im „Idris“ installiert, einem Rechenzentrum 25 Kilometer südwestlich von Paris, das Teil des CNRS (The French National Center for Scientific Research) ist. Die Installation soll im Juni 2019 beginnen, der Produktionsstatus wird im Oktober 2019 erwartet.

In der Rangliste

Derzeit beherbergt Idris das System „Turing“, ein 1,07 Petaflops (Linpack) „BlueGene“/“Q“-System, das im Juni 2012 online ging und derzeit auf Platz 368 der aktuellen Top-500-Liste liegt. „Ada“, ein IBM-System mit einer Spitzenleistung von 230 Teraflops, befindet sich ebenfalls dort.

Jean Zay würde derzeit zwischen dem derzeit besten und dem schnellsten System Frankreichs liegen, „Tera-1000-2“, eine „Bull Sequana X1000“-Maschine, die von der Atos-Gruppe beim Commissariat a l'Energie Atomique (CEA) installiert wurde; und „Pangea“, der HPE-Öl- und Gas-Supercomputer, der bei Total installiert wurde. Insgesamt rangieren 18 französische Systeme auf der Top 500. Dabei nimmt Tera-1000-2 mit Platz 16 und 23,4 Petaflops im Peak Platz 16 ein. Pangeo kommt auf 6,7 Petaflops im Peak.

Im Rahmen des Projekts EuroHPC

Der Ausbau der Supercomputing-Kapazitäten steht im Kontext einer europäischen Strategie. Laut Forschungsministerium plane Frankreich, bis 2022 für den Betrieb eines Exascale-Rechners zu kandidieren. Angestrebt wird also ein Computer, der eine Trillion (10 hoch 18 = 1.000.000.000.000.000.000) Rechenoperationen pro Sekunde ausführen kann. Dieser wird von der Europäischen Kommission im Rahmen des „EuroHPC“-Ausbaus kofinanziert.

Die am 23. März 2017 unterzeichnete Erklärung, die von sieben Ländern unterzeichnet wurde, markiert den Beginn der „EuroHPC“.
Die am 23. März 2017 unterzeichnete Erklärung, die von sieben Ländern unterzeichnet wurde, markiert den Beginn der „EuroHPC“. (Bild: http://eurohpc.eu)

Dem Projekt EuroHPC stehen rund eine Milliarde Euro zur Verfügung. 486 Millionen Euro steuert die EU bei, eine in etwa ebenso hohe Summe wenden die 13 europäische Staaten auf, die eine entsprechende Erklärung unterzeichnet haben wie Deutschland und Frankreich, aber auch die Schweiz.

EuroHPC soll helfen, Klimamodelle zu berechnen, Erdbeben und Überschwemmungen vorherzusagen, Standorte für Windkraftanlagen zu ermitteln und Krankheiten zu diagnostizieren sowie in der Landwirtschaft Dürren vorherzusagen und den Einsatz von Pestiziden zu überwachen. Doch die Rechen-Power kommt auch dem Militär, der Städteplanung und der Weltraumforschung zu gute. Es heißt: Unterm Strich generiere jeder Euro, der in die Entwicklung und in den Betrieb von Supercomputern gesteckt werde, einen Umsatz von 870 Euro.

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