Scrum als Favorit

Großunternehmen setzen auf agiles Projekt-Management

| Autor: Sarah Gandorfer

Agiles Projektmanagement führt zu einfacherem Einsatz von Freiberufler.
Agiles Projektmanagement führt zu einfacherem Einsatz von Freiberufler. (Bild: Pixabay / CC0)

Immer mehr Firmen nutzen für ihr agiles Projekt-Management, etwa mithilfe der Methode Scrum. Doch gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Die dadurch gegebene Flexibilität allerdings erleichtert einer Bitkom-Umfrage, die mit 300 Unternehmen durchgeführt wurde, zufolge unter anderem das Arbeiten mit Freelancern.

Agiles Projekt-Management bedeutet, dass unterschiedliche Methoden angewendet werden, die vor allem auf Flexibilität und Anpassung setzen. Statt ausführlicher und umfangreicher Planung zu Beginn eines Projekts werden das adaptive Planen sowie die schnelle Abstimmung im Team unterstützt. Agiles Projektmanagement hat insbesondere bei der Software-Entwicklung an Bedeutung gewonnen.

Laut einer Bitkom-Befragung von mehr als 300 Unternehmen ab 500 Mitarbeitern, hält die Mehrheit der deutschen Unternehmen (65 Prozent) Projekte, die agil durchgeführt werden, für erfolgreicher. Sie erlauben demnach eine einfachere Zusammenarbeit mit freiberuflichen Spezialisten, die heute bereits rund ein Viertel des gesamten Arbeitsvolumens in IT-Projekten übernehmen.

Das spiegelt auch die Verbreitung der Arbeitsmethode wider: Jedes zweite Unternehmen ist im IT-Bereich bereits auf agiles Projektmanagement umgestiegen. Bei den Unternehmen mit 2.000 Beschäftigten und mehr sind es 56 Prozent. Weitere 15 Prozent aller Unternehmen planen den Einsatz in den kommenden zwölf Monaten, 18 Prozent diskutieren ihn. Lediglich für knapp jedes siebte Unternehmen (14 Prozent) sind agile Methoden im Projektmanagement derzeit kein Thema.

Jedes zweite Großunternehmen setzt auf agiles Projektmanagement.
Jedes zweite Großunternehmen setzt auf agiles Projektmanagement. (Bild: Bitkom)

Beim Vergleich der unterschiedlichen Ansätze zu den agilen Methoden kristallisiert sich Srcum als besonders beliebt heraus. Insbesondere im Handel wird dieses Modell favorisiert: neun von zehn Unternehmen (91 Prozent), die agile Methoden anwenden, setzen auf Scrum. Insgesamt nutzen es acht von zehn Unternehmen (79 Prozent), die agile Methoden einsetzen oder dies konkret planen.

So definiert sich Scrum

Scrum, zu Deutsch „Gedränge“, stammt aus dem Rugby, wo der Begriff einen dichten Haufen von Spielern meint, die sich um das Spielgerät scharen. Dieses Bild wird auf das Projekt-Management übertragen. Scrum soll ausdrücken, worum es beim Projektmanagement vor allem geht: Flexibilität, Dynamik und tägliche Meetings, in denen die Projektmitarbeiter ihre Aufgaben abstimmen.

Ursprünglich war Scrum ein Vorgehensmodell bei der Software-Entwicklung. Die Vorgehensweise und die damit verbundenen Methoden und Werkzeuge wurden auf andere Entwicklungsprojekte und später allgemein auf das Projekt-Management übertragen. Daraus entwickelte sich der Begriff agiles Projekt-Management als Abgrenzung zum klassischen Projekt-Management.

Manche Mitarbeiter kommen mit der Philosophie allerdings nicht zurecht. Denn hier kann sich niemand mehr verstecken. Die Leistung jedes einzelnen Teammitglieds wird sehr schnell sichtbar und bewertbar. Die vorgebrachten und die tatsächlichen Gründe für Verzögerungen im Arbeitsablauf werden in täglichen Besprechungen offensichtlich.

Zusammenarbeit mit Freelancern

72 Prozent der Unternehmen, die agile Methoden anwenden, sehen vor allem qualitativ bessere Projektergebnisse sowie die einfachere Zusammenarbeit mit IT-Freelancern (53 Prozent) als entscheidende Vorteile. Auch die schnellere Umsetzung von Projekten (50 Prozent), das schnellere Erkennen und Reagieren auf auftretende Probleme (47 Prozent) sowie die höhere Flexibilität im Projekt (41 Prozent) sind Argumente, die für deutsche Unternehmen klar für den Einsatz agiler Methoden sprechen. 38 Prozent der Firmen, die agiles Projekt-Management betreiben, glauben zudem, dass die Mitarbeitermotivation durch mehr Verantwortung und selbstständiges Arbeiten steigt.

Die Umfrage zeigt, dass IT-Freelancer für Unternehmen immer wichtiger werden. Sechs von zehn Unternehmen (63 Prozent) sagen, dass die Bedeutung der Freiberufler in den kommenden sechs Monaten weiter zunehmen wird. Jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) schätzt gar, dass die Bedeutung der Freelancer für die eigene Firma sehr stark zunehmen wird, 23 Prozent gehen davon aus, dass die Bedeutung stark zunehmen wird. 19 Prozent sagen, sie wird eher zunehmen.

69 Prozent der Unternehmen messen Freiberuflern eine große Bedeutung bei. So leisteten diese in den vergangenen sechs Monaten bereits mehr als jede fünfte Arbeitsstunde (23 Prozent) bei IT-Projekten im Unternehmen. Bei großen Unternehmen mit 2.000 Beschäftigten und mehr war es bereits jede vierte Stunde (25 Prozent). In mehr als jedem zehnten Unternehmen (13 Prozent) werden bereits 40 Prozent und mehr an IT-Projekten von Freelancern erledigt.

Agiles Projekt-Management nicht immer geeignet

Laut den Studienteilnehmern wird dieser Wert innerhalb des nächsten halben Jahres weiter zunehmen. So schätzen die Unternehmen, dass dann 29 Prozent der Arbeitsstunden von IT-Freelancern geleistet werden. Das ist ein Anstieg um sechs Prozentpunkte im Vergleich zum Vorhalbjahr. In mehr als jedem vierten Unternehmen (26 Prozent) werden IT-Freiberufler dann bereits 40 Prozent oder mehr des IT-Arbeitsvolumens übernehmen.

Agiles Projekt- Management beruht auf einer Organisationskultur, die auf Vertrauen, Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein setzt. Zudem braucht es Mitarbeiter, die neben der Fachkompetenz auch soziale und methodische Qualifikationen haben. Ohne all dieses tut sich ein Unternehmen mit dem agilen Konzepten schwer.

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