Digitale Roboter: Der Boost für die Matrix

Einbindung von Legacy Systems mit Robotic Process Automation

| Autor / Redakteur: Eva Günzler und Sara Gebhardt / Ulrike Ostler

Das Wachstum von Robotic Process Automation (RPA).
Das Wachstum von Robotic Process Automation (RPA). (Bild: Almato GmbH/ Transparency Market Research http://www.transparencymarketresearch.com)

Getreu dem Motto „Never change a running system“ nutzen viele Unternehmen noch Software aus den 1990ern. Robotic Process Automation bietet auf eine einfach umzusetzende Weise einen risiko- und kostenarmen Weg, Altsysteme mit modernen Anwendungen zu verbinden: Digitale Roboter fungieren als Schnittstelle zwischen Alt und Neu

In vielen Unternehmen sind Software-Systeme im Einsatz, deren Ursprung im letzten Jahrhundert liegen. Programmiert in den 1990ern, von Leuten, die längst in Rente sind, erfordern sie komplizierte Tastenkombinationen, damit sie die Informationen auswerfen, die benötigt werden. Typischerweise handelt es sich um essentielle Anwendungen, die tief in die Geschäftsprozesse integriert und eng mit dem Unternehmen verwachsen sind, wie etwa Systeme für den Finanz- und Buchhaltungsbereich.

Immer ´mal wieder leicht angepasst, erfüllen sie nach wie vor gänzlich die Anforderungen des Unternehmens. Damit punkten sie, und darum sind sie immer noch im Einsatz. Der Haken: Immer wieder erfordern neue Prozesse IT-Unterstützung. Um heutzutage konkurrenzfähig zu agieren, muss zum Beispiel der Vertrieb über Mobile Devices direkt auf Daten aus den Kernanwendungen der IT zugreifen können. Doch die Realisierung geänderter oder zusätzlicher Prozesse ist mit den Uraltsystemen in der Regel zu umständlich, zu teuer und bisweilen sogar gar nicht mehr möglich.

Der Aufwand, um Altsysteme mit neuerer Software, zum Beispiel modernen ERP-Systemen von SAP oder Oracle zu integrieren, ist deswegen oft astronomisch. Bisher war die einzige Möglichkeit zur Integration in Prozesse oft eine manuelle – mit einem Mitarbeiter als „biometrische“ Schnittstelle, der Daten von einem System ins andere kopiert.

Zudem sind die Oberflächen solcher traditionellen Systeme wenig benutzerfreundlich. Die Altsysteme sind schwerfällig und schwierig in der Handhabung. „Die Altsysteme muten wie die Matrix an und erfordern komplizierte Tastenkombinationen, damit sie die verlangten Informationen ausspucken“, erklärt Lars Matschenz, Manager Sales des Reutlinger Software-Unternehmens Almato GmbH. „Das Ganze ist extrem aufwendig, wenig benutzerfreundlich und mit dem Menschen als Schnittstelle sehr fehleranfällig.“

Höhere Benutzerfreundlichkeit, schnellere Prozesse

Sehr viel effizienter würde das Verknüpfen zwischen Alt und Neu laufen, bliebe der Prozess digital. Eine Möglichkeit bietet hier Robotic Process Automation, kurz RPA. Die Technologie bietet eine innovative Alternative für die Einbindung von Altsoftware an neue Systeme oder Komponenten. RPA bezeichnet die vollautomatisierte Bearbeitung von strukturierten Arbeitsprozessen durch Software, die digitalen Roboter.

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Über Almato GmbH

„Diese Roboter arbeiten wie ein Mensch am Frontend, nur eben viel schneller und präziser“, so Matschenz. „Wenn das alte System also über spezielle Tastenkombinationen bedient wird, um bestimmte Daten auszuwerfen, programmiert man diese Tastenkombination dem Roboter ein, so dass er selbsttätig an die Informationen kommt.“

Dem Nutzer bleibt damit die schwierige Navigation dieser Systeme erspart, denn RPA zieht sich automatisch die Daten aus den Altsystemen, überträgt sie in neue Systeme und umgekehrt. Die Usability wird damit bedeutend erhöht, gleichzeitig werden Prozesse effizienter: Während die Legacy-Integration mit herkömmlichen Methoden bislang sehr aufwendig war und Riesenkosten verursachte, erledigen die digitalen Roboter schnell und kostengünstig ihren Job beim Auslesen und Copy & Paste der Daten zwischen Alt- und Neu-Systemen.

Der Prozess bleibt digital, ohne menschliche Schnittstelle, die aus Versehen Fehler einbaut. Die Roboter sind dabei weitaus mehr als eine reine Datenschnittstelle. Auch Prüfroutinen, Prüfprozesse und Entscheidungslogiken können dem Roboter einprogrammiert werden, die er dann mit den Alt- wie auch mit den Neu-Systemen erledigen kann.

Risiko- und Kostenreduktion mit RPA

Doch nicht nur damit punktet RPA bei der Legacy-Integration. Schon allein, um Risiko und Kosten möglichst gering zu halten, gilt schließlich als eine der obersten Maximen bei der Integration von Altsystemen mit neuer Software, so wenig wie möglich in die bestehenden Systeme einzugreifen. Und genau das schaffen die digitalen Roboter, indem sie als Interface zwischen Alt und Neu fungieren und damit bestehende Software ohne Integration mit modernen Anwendungen verknüpfen. Last but not least ein weiterer Vorteil: Alle Schritte werden vom Roboter lückenlos protokolliert. Compliance-Regeln können so mühelos eingehalten werden.

Also: Digitale Roboter sind ein kosten- und risikoeffizienter Boost für eine effektive und moderne Software-Architektur. Und das bei nahezu keinerlei Veränderung der bewährten Altsysteme.

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Josef Hübl: Sicherlich können viele Prozessteilschritte automatisiert und durch Software-Roboter...  lesen
posted am 03.11.2016 um 10:18 von Unregistriert


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