Stimmen zum World Backup Day Die Backup-Evolution im datenzentrierten Zeitalter

Autor / Redakteur: ‚A3 Communications / Ulrike Ostler

Alle Jahre wieder erinnert uns der „World Backup Day“ am 31. März daran, dass täglich Daten verloren gehen, gestohlen oder durch menschlichen Einfluss unbrauchbar gemacht werden. Datensicherung ist lange schon die erste Verteidigungslinie beim Datenschutz und, obwohl inzwischen weitere Technologien hinzugekommen sind, nach wie vor ein wichtiges Werkzeug im Arsenal des IT-Administrators.

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Aufnahme in der Speichertadt, Hamburg - ein zweites Rechenzentrum - in der Cloud oder beim Co-Location-Betreiber oder an einem Unternehmensstandort, erlaubt Daten und Anwendungen zu sichern, so dass bei Systemausfällen ein Backup zur Verfügung steht.
Aufnahme in der Speichertadt, Hamburg - ein zweites Rechenzentrum - in der Cloud oder beim Co-Location-Betreiber oder an einem Unternehmensstandort, erlaubt Daten und Anwendungen zu sichern, so dass bei Systemausfällen ein Backup zur Verfügung steht.
(Bild: liggraphy auf Pixabay)

Der Bogen spannt sich von Unternehmen über Non-Profit-Organisationen hin zu Behörden, Bildungseinrichtungen und viele andere Institutionen: Es wird Datenvolumen generiert in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. Diese Tatsache kann das Daten-Management schwierig und den Schutz unnötig teuer gestalten.

Eric Polet, Product Marketing Manager bei Spectra Logic, beobachtet: „Im Verlauf der vergangenen Monate hat sich ein immenses Volumen an Unternehmensdaten angesammelt. Nahezu 80 Prozent dieser Daten werden in der falschen Speicherkategorie abgelegt. Um die Effizienz vor dem Hintergrund der Pandemie und darüber hinaus zu steigern, ziehen Unternehmen ganz neue Wege in Betracht, um Backup Windows zu verkleinern sowie teure Tier 1 Storage-Kapazitäten ausschließlich für oft verwendete Daten zu nutzen.“

Endnutzer haben heutzutage eine große Auswahl an Back-up-Produkten zum effizienten Schutz ihrer Daten – sowohl von der Management-Perspektive als auch vom Blickwinkel der Kostenkontrolle. Von Private und Public Cloud bis hin zu On-Premises oder Kombinationen – Sicherungskopien können dort gehostet werden, wo es für das jeweilige Unternehmen am sinnvollsten ist.

Was denn jetzt: off oder on premises?

Obwohl die Verlagerung in Public und Hybrid Clouds immer beliebter wird, ist auch die Nachfrage nach On-Premises-Datensicherungen nach wie vor groß. Alexander Ivanyuk, Technology Director bei Acronis, sagt: „Unternehmen, die sehr sensiblen Daten erstellen, wie etwa Behörden, Militär, Forschung, Pharmazie – um nur einige zu nennen – bevorzugen es immer noch, Daten On-Premises oder in einer privaten Cloud zu speichern."

Es wird parallel aber dennoch viel darüber spekuliert, ob On-Premises-Datensicherungen in den kommenden Jahren in der Bedeutungslosigkeit verschwinden werden und den Weg für Cloud-basierte Optionen auf breiter Basis freimachen werden. Aron Brand, CTO bei CTERA, gehört zu den Anhängern dieser Theorie: „On-Premises-Lösungen zur Datensicherung haben aufgrund der teuren Hardware-Anforderungen und fehlenden Skalierungsmöglichkeiten wenig Zukunftspotential. Cloud-Backup ermöglicht die Nutzung der Größenvorteile der Cloud und ist zudem Off-Premises angesiedelt, was vor katastrophalen Standortausfällen, etwa Brandkatastrophen und Überschwemmungen schützt.“

Hybrid-Lösungen bieten dennoch auch hier einen attraktiven Kompromiss. Bestehen Sicherungsmöglichkeiten sowohl On-Premises als auch in der Cloud, können IT-Teams sensible Daten vor Ort speichern und gleichzeitig kosteneffektive und flexible Skalierbarkeit während Nachfragezunahmen über die Cloud nutzen. Da Unternehmen oft zögern, alle Daten ihres Unternehmens in die Cloud zu packen, kommen immer mehr hybride Optionen auf den Markt. Auch Christophe Bertrand, Senior Analyst bei ESG Global, hält Hybrid für eine attraktive Lösung: „Hybrid wird noch für lange Zeit allgegenwärtig sein. Vor allem in Sachen Backup und Recovery.”

Wie hybrid soll es sein?

Die Sicherung On-Premises hat jedoch auch ihre Befürworter. Veniamin Simonov, Director of Product Management bei Nakivio, fasst einige der Vorteile der reinen Sicherung On-Premises zusammen: „Wenn es um maximale Datenkontrolle und Sicherheit geht, ist die Cloud einer On-Premises-Umgebung nicht gewachsen. In diesem Fall werden höhere Kontrolle und Sicherheit auf Kosten einer geringeren Flexibilität und höherer Investitionskosten erreicht.“

Dennoch sollten Cloud-Backups nicht leichtfertig abgetan werde; denn zahlreiche Unternehmen verlagern durchaus ihre Daten in die Cloud (Public oder Private) oder arbeiten mit einer individuellen, hybriden Cloud-Konfiguration. Paul Speciale, Chief Product Officer bei Scality, betont diese Zunahme mit Blick auf Cloud-Lösungen, vor allem denen des hybriden Ansatzes: „Unternehmen setzen jetzt verstärkt auf die Hybrid-Cloud, indem sie einen Public-Cloud-Anbieter wie AWS oder Azure als sekundären Standort nutzen und die Datenreplikation in der Hybrid-Cloud als Mittel zur Aufrechterhaltung der Datensynchronität zwischen dem Rechenzentrum und der Public Cloud nutzen.“

Für Unternehmen, die ihre Backups in die Cloud verlagern wollen, wird es bei der Kostenanalyse jedoch rasch unübersichtlich. Krista Macomber, Senior Analyst der Evaluator Group, beschreibt einige der Faktoren, die Unternehmen beim Wechsel in die Cloud beachten sollten: „Es gibt eine ganze Reihe von Punkten, die die Gesamtbetriebskosten einer Backup-Lösung in der Public Cloud bestimmen. Egress-Gebühren, wie viele Daten geschützt werden, wie stark diese Daten wachsen und auch wie lange sie aufbewahrt werden müssen, sind nur einige dieser Gesichtspunkte.“ Egress-Gebühren sollten als Faktor in der Tat nicht vernachlässigt werden, da die Migration großer Datenmengen zurück ins Unternehmen schnell empfindlich teuer werden kann.

Eine Frage der Kosten

Darüber hinaus gehen die Kosten für das Hosting von Backups in der Cloud über die Gebühren für die Speicherung dieser Daten hinaus, wie Bertrand von ESG Global erklärt: „Ich bin nicht der Ansicht, dass wir die tatsächlichen Kosten des Cloud Storage korrekt einschätzen können. Wichtiger als die Kosten für die Sicherung und Wiederherstellung sind die Kosten für das Unternehmen, wenn die Daten nicht wiederhergestellt werden können.

Speciale von Scality kann dem nur zustimmten und beschreibt, auf was man beim Wechsel in die Cloud achten sollte: „Wie bei allen IT-Fragen müssen wir die Gesamtbetriebskosten für Back-up-Lösungen sorgfältig abwägen, einschließlich der Verlagerung von Investitionsausgaben sowie betrieblichen Einsparungen in der Cloud. Es kann durchaus stimmen, dass Backups in der Cloud im Vergleich zu On-Premises Kosten reduzieren. Es kann aber auch das genaue Gegenteil der Fall sein.

Somit tauchen die Argumente die Argumente für on premises auch für das Verlagern in die Cloud auf: Speciale von Scality sagt: „Gehostete Backups oder Back-up-as-a-Service-Angebote (BUaaS) sind inzwischen weit verbreitet und reduzieren in der Tat die Belastung der IT-Administratoren aus zeitlicher Sicht, was sich insgesamt auf die Backup-Kosten auswirkt.“ Außerdem bietet die Cloud mehr Auswahl in Sachen Storage-Kategorien mit einem Gleichgewicht an Performance und Kosten.“

Backup muss sein, aber bei den Tools tut sich etwas

Unabhängig von den Vorteilen einer speziellen Backup Lösung gegenüber einer anderen sowie deren jeweiliger technischer Ausgereiftheit, sind Diskussionen rund um den Datenschutz hoch relevant. Die Fortschritte in der Cloud- und Backup-Technologie und die Verlagerung der Arbeit an entfernte Standorten aufgrund der aktuellen Pandemie haben viele Unternehmen dazu gezwungen, ihre aktuellen Backup-Lösungen besser an ihre aktuellen Geschäftsanforderungen anzupassen.

Randy Kerns, Senior Strategist und Analyst bei der Evaluator Group, erläutert: „Bei den meisten meiner Projekte geht es um den Schutz von Daten, bei denen der IT-Betrieb die Verantwortung für Daten in einer Public Cloud zugewiesen wird, oder bei denen IT-Transformationsvorhaben zum Einsatz von Container-basierten On-Premises-Hybrid-Cloud-Systemen geführt haben. Diese zusätzlichen Anforderungen sind ein Anstoß, den Datenschutz neu zu betrachten sowie zu verändern.“

Backup-Strategien entwickeln sich mit Sicherheit weiter und müssen auch in Zukunft weiter dynamisch angepasst werden, um neuen Herausforderungen jeweils gerecht zu werden. Hierbei müssen zum Beispiel auch Cybersecurity-Anforderungen berücksichtigt werden, so Ivanyuk von Acronis: „Das einfache Backup verschwindet langsam. Die Zukunft liegt in der Cyber Protection, die Datenschutz und Cybersecurity kombiniert.“ Dieser Ansatz erhöht den Schutz von Backups, indem er die Daten vor Cyber-Angriffen bewahrt – eine Bedrohung, die in den letzten zwölf Monaten deutlich gewachsen ist.

Der Schutz von Unternehmensdaten ist ein viel zu kritisches Thema, um ihm nicht die notwendige Aufmerksamkeit und die Ressourcen zukommen zu lassen. Speciale dazu:„Da Daten immer wertvoller werden, bleiben Backup und Datenschutz im Allgemeinen sehr wichtige Themen.“ Er macht aber auch darauf aufmerksam, dass die Speicher- und Backup-Infrastruktur bei neuen Geschäftsanforderungen regelmäßig überarbeitet werden muss. Aktuell ist das durch die vermehrte Arbeit im Homeoffice der Fall. Die jüngst Vergangenheit hat bereits bewiesen, dass diese größere Risiken in Sachen Datendiebstahl und auch Datenverlust birgt.

Macomber von der Evaluator Group geht davon aus, „dass wir eine weitere Reifung oder Verfeinerung der Tools sehen werden, die es zum Schutz von Cloud-nativen Ressourcen gibt.“

Mehr Innovationen werden laut Brand von CTERA auch in hybriden Cloud-Umgebungen implementiert werden, da „Cloud-Stubs“ innerhalb lokaler Backup-Vaults immer beliebter werden: „Moderne Hybrid-Back-up-Lösungen heben diesen Dual-Vault-Ansatz durch die Implementierung von Cloud-Stubs auf die nächste Stufe. Im Falle einer Wiederherstellung werden die Dateien, die aus der Cloud geholt werden müssen, durch Cloud-Stubs ersetzt, die dann beim Zugriff aus der Cloud abgerufen werden, parallel zum Wiederherstellungsvorgang. Das bedeutet, dass User sofort auf ihre wichtigsten Dateien zugreifen können, noch bevor der Wiederherstellungsvorgang abgeschlossen ist.“

Mit Blick auf die Zukunft gehen sowohl Kerns als auch Macomber von der Evaluator Group davon aus, dass Backup-as-a-Service in den kommenden Monaten an Beliebtheit gewinnen wird. Kerns erklärt dazu: „Meiner Meinung nach liegt der Schlüssel für den IT-Betrieb in den Möglichkeiten rund um Back-up as a Service. Das ist ein Bereich, den Anbieter stark weiterentwickeln werden.“ Macomber ergänzt: „Ich denke auch, dass wir einen anhaltenden Trend in Richtung servicebasierter Bereitstellung sehen werden. Das kann eine Public-Cloud-basierte Lösung sein, aber auch ein Ansatz auf Basis von Managed-Services.“

Es gibt natürlich immer Argumente für unterschiedliche Ansätze bei der Datensicherung, die sich vor allem nach den spezifischen Anforderungen des Anwenders richten. Die Backup-Technologie passt sich den Bedürfnissen von Unternehmen im Umbruch an. Im Gegensatz zu Technologien wie MAID, die sich nicht durchsetzen konnten, wird die Backup-Technologie nicht so bald in Vergessenheit geraten. Sicherlich werden neue Produkte und Gesetze ihren Einfluss geltend machen, aber das Ziel ist klar umrissen: Unternehmen müssen weiterhin ihre Daten schützen, und Back-up-Technologien werden ein entscheidendes Element dieser Strategie bleiben.

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