Studie von Sopra Steria über unterschätzte Probleme der Zusammenarbeit Co-Creation braucht Vertrauen in Datenqualität und Offenheit

Ein Gastbeitrag von Torsten Raithel* Lesedauer: 6 min |

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Wirtschaft und öffentliche Verwaltung in Deutschland kooperieren heute stärker branchenübergreifend als noch vor zehn Jahren – aktuell plakativ zu sehen an sich bildenden Technologie-Hubs, beispielsweise auf dem Gebiet KI, oder an Initiativen wie GaiaX. Die Interdisziplinarität der Wertschöpfung erfordert jedoch eine Menge Disziplin, und zwar hinsichtlich der Qualität der Daten, die ausgetauscht werden. Zudem braucht es ein entsprechendes Daten-Management. An beidem hapert es noch, zeigt eine Studie von Sopra Steria.

„Je enger die Zusammenarbeit und je heterogener die einzelnen Akteure, desto wichtiger wird das Daten-Management“, sagt Torsten Raithel, Experte für Public Analytics bei Sopra Steria.
„Je enger die Zusammenarbeit und je heterogener die einzelnen Akteure, desto wichtiger wird das Daten-Management“, sagt Torsten Raithel, Experte für Public Analytics bei Sopra Steria.
(Bild: frei lizenziert: kiquebg / Pixabay)

Vier von zehn Entscheiderinnen und Entscheidern versprechen sich speziell von interdisziplinären Partnerschaften Innovationen und Lösungen für aktuelle Herausforderungen. Das ergibt der Management-Kompass „Survey Open Company“ von Sopra Steria und dem F.A.Z.-Institut. Um beispielsweise mit dem technologischen Fortschritt mithalten zu können, arbeitet die Industrie zunehmend mit Start-ups oder gar Konkurrenten zusammen.

Ford und Volkswagen kooperieren beispielsweise mit dem Tech-Start-up Argo AI im Wettlauf um autonom steuernde Fahrzeuge. Zusammenschlüsse wie in der Automobilindustrie und in anderen Branchen funktionieren allerdings nur, wenn die Partner untereinander Markt- und anonymisierte Kundendaten oder Software-Architekturen teilen.

Die Krux bei der Sache ist: Es wird nicht bei den überschaubaren Zweierkooperationen bleiben. Das lässt sich bereits ablesen an Blockchain-Konsortien, an den sich bildenden KI-Ökosystemen oder an sich künftig formierenden Gesundheitsplattformen rund um die digitale Patientenakte. Hinzu kommen Städte, die sich zu Smart Citys (siehe: Link bei Sopra Steria entwickeln und in denen ganz unterschiedliche öffentliche und privatwirtschaftliche Akteure miteinander verzahnt arbeiten – und Daten austauschen, am besten automatisiert.

Es fehlen Daten-Management und Regelwerke

Je mehr heterogene Partner zusammenarbeiten und Daten zu einer Gesamtlösung beisteuern, desto wichtiger werden das Daten-Management und Regelwerke, wie Daten in einer für alle verwertbaren Qualität zur Verfügung stehen sollen. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Partner ein gemeinsames Verständnis für Datenqualität und die Aussagekraft einzelner Daten entwickeln.

Diese Voraussetzungen sind bislang vielfach nicht erfüllt. Die Folge: ein geringes Vertrauen in die Datenqualität. Nur drei Prozent der für die Studie befragten Entscheiderinnen und Entscheider würden mit offenen Daten anderer Unternehmen bedenkenlos arbeiten oder tun es. Selbst bei Behördendaten herrscht Zurückhaltung.

Die extrem niedrige Zahl lässt sich so interpretieren, dass die Zurückhaltung höchstwahrscheinlich nicht auf einem prinzipiellen Misstrauen gegen die Richtigkeit der Daten oder einer grundlegenden Ablehnung von Open Data basiert. Das fehlende Vertrauen ist vielmehr vor allem auf diese vier Gründe zurückzuführen:

  • 1. Die Unternehmen und Verwaltungen haben keinen Überblick darüber, welche Daten auf dem „Markt“ sind, sprich extern oder intern zur Verfügung stehen.
  • 2. Es werden nicht die richtigen oder unnütze Daten angeboten. Sie sind zum Beispiel nicht passend aufbereitet und damit wertlos, sie lassen sich nicht konvertieren, Metadaten fehlen oder die Daten sind veraltet.
  • 3. Es fehlen die kulturelle Offenheit und die Organisation, um sich überhaupt mit Angeboten von außen oder anderen Abteilungen vertraut zu machen.
  • 4. Dazu kommen rechtliche Hürden: Aufgrund fehlender Lizenzbestimmungen sind verschiedene Daten nicht nach-nutzbar.

Es braucht vertrauensbildende Maßnahmen

Damit Unternehmen und Verwaltungen das Potenzial von engeren Kooperationsformaten ausschöpfen – beispielsweise neuen Ansätzen von Co-Creation, die stärker auf ein Miteinander als auf ein Füreinander setzen –, braucht es Vertrauen in die Datenqualität der jeweiligen Partner, eine Data Governance, auf die sich alle verständigen, und interoperable Prozesse für die Datennutzung. An den folgenden Handlungsfeldern sollten Organisationen arbeiten, um das Vertrauen in die Datennutzung, auch externer, zu stärken:

Metadaten: Es beginnt mit der wichtigen Aufgabe, Daten und ihre korrespondierenden Metadaten so zu erzeugen, dass sie auffindbar sind.

Datenregeln: In jeder Abteilung gilt es, Bewertungskriterien und Prüfprozesse zu etablieren, um konsistente und aktuelle Daten bereitzustellen.

Datenkultur: Vertrauen entsteht durch die generelle Offenheit, Daten im Austausch zu nutzen. Zur offenen Kultur gehört, die positiven Auswirkungen des Datenaustauschs in der Organisation zu etablieren und Anreize zu schaffen, sich mit dem effektiven und effizienten Austausch von Daten zu befassen.
Im Prinzip sollte jeder im Unternehmen die Basics des Datenmanagements beherrschen. Es lohnt sich zudem, wenn bestimmte Menschen oder sogar Teams laufend Ausschau nach offen zugänglichen Daten von Unternehmen oder Behörden halten, diese vorqualifizieren und mit der eigenen Organisation teilen.

Datenorganisation: Je komplexer und heterogener Kooperationen sind, desto mehr Vorteile bieten moderne Ansätze wie Data Mesh gegenüber zentralen Datenarchitekturen. Allgemeingültige Definitionen, festgehalten in einer Data Governance, schaffen den nötigen Rahmen.

Datenfluss: Wichtig sind möglichst einfache und leicht reproduzierbare Prozesse und Schnittstellen, um Daten schnell in das eigene Ökosystem integrieren und auswerten zu können.

Datenqualität als Kollektivaufgabe: Paradoxerweise tragen gerade das Teilen von Daten und die Nutzung offen zugänglicher Daten zur Verbesserung ihrer Qualität bei. Ein solcher Prozess nennt sich interner Quality Loop und führt zur stetigen Verbesserung der Datenqualität.

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Vergrößern der Mehrwerte von Open Data

Die Rolle von Behörden als Datenquelle ist von besonderer Bedeutung. Sie sind oft verpflichtet, bestimmte Daten zu publizieren.

Die im August veröffentlichte aktualisierte Datenstrategie der Bundesregierung legt den Fokus auf die Datenbereitstellung. Dieser immense Schatz sollte flächendeckend bekannt sein und so einfach wie möglich für unterschiedliche Zwecke und in möglichst vielen Systemen weiterverarbeitet werden können.

Doch häufig sind die Angebote Unternehmen und Privatpersonen nicht bekannt. Zudem liegen die Daten nicht in der passenden Art und Weise vor, sodass Unternehmen oder Bürgerinnen und Bürger sie nur mit großem Aufwand einbinden oder nutzen können.

Ein wichtiger erster Schritt ist, dass Behörden klare Zuständigkeiten für das Management offener Daten und die Datenbeschaffung definieren. Dasselbe gilt für Unternehmen, die Behördendaten in ihre Prozesse einbinden und Plattformen wie GovData nutzen wollen. Ein wichtiger zweiter Schritt ist die Verständigung zwischen Datenprovidern und Datennutzern. Beide Seiten benötigen einen Konsens über Datenformate, Anforderungen an Metadaten und Schnittstellen.

Die Bedeutung einer Kultur des offenen Datenaustauschs

Für den Erfolg von Kooperationen und Innovationen ist es entscheidend, eine Kultur des offenen Datenaustauschs zu schaffen. Dies erfordert eine Veränderung in den Köpfen von Mitarbeitenden sowie Entscheidungsträgerinnen und -trägern.

Es geht nicht nur darum, Daten zu teilen, sondern auch darum, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass das Teilen von Daten die Qualität dieser Daten verbessern kann. Und dass sowohl das Teilen wie auch das Nutzen von offenen Daten große Vorteile bringen. Dies erfordert eine offene Einstellung gegenüber neuen Ideen und eine Bereitschaft, voneinander zu lernen.

Das Management spielt eine zentrale Rolle bei der Förderung einer solchen Kultur. Es liegt in der Verantwortung der Führungskräfte, Mitarbeitenden Ängste vor Kontrollverlust oder Automatisierung zu nehmen. Indem sie klare Kommunikation und Schulungen anbieten, können sie das Vertrauen der Mitarbeitenden in den offenen Datenaustausch stärken. Zudem sollten sie die Bedeutung von Datenqualität und Zusammenarbeit betonen, um eine positive Einstellung zur Datenfreigabe zu fördern.

Fazit: Co-Creation und Datenqualität hängen voneinander ab

Datenqualität und Vertrauen sind somit für erfolgreiche Kooperationen von herausragender Bedeutung. Je enger die Zusammenarbeit und je heterogener die einzelnen Akteure, desto wichtiger wird das Daten-Management. Der Begriff geht weit über die technisch-organisatorische Seite hinaus. Es geht darum, die Barrieren im Kopf zu überwinden und eine Kultur des offenen Datenaustauschs zu fördern.

Unternehmen und Behörden müssen sich bewusst sein, dass das Teilen von Daten keine Bedrohung für das eigene Know-how darstellt, sondern im Gegenteil in Summe zum Know-how-Aufbau beiträgt. Die Schaffung transparenter Strukturen und klarer Zuständigkeiten sowie die Förderung einer offenen Einstellung sind entscheidende Schritte auf dem Weg zu einer datenbasiert arbeitenden Wirtschaft und öffentlichen Verwaltung, die für kooperative Wertschöpfung sorgen.

*Der Autor
Torsten Raithel ist Experte für Public Analytics bei Sopra Steria. Mit seiner langjährigen Erfahrung im Bereich Datenanalyse und Datenqualität unterstützt er Unternehmen und Behörden dabei, ihre Datenstrategie zu optimieren und von den Vorteilen offener Daten zu profitieren. Torsten Raithel ist davon überzeugt, dass eine offene Datenkultur der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit von Organisationen ist.

Bildquelle: Sopra Steria

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