Suboptimal gelaufen

Aus für irischen Apple-Datacenter-Komplex

| Redakteur: Ulrike Ostler

So oder ao ähnlich hätte die Eine-Milliarde-Dollar-Investition von Apple in Calway ausgesehen.
So oder ao ähnlich hätte die Eine-Milliarde-Dollar-Investition von Apple in Calway ausgesehen. (Bild: Apple)

Das ist bitter - vor allem für Galway: Nach mehr als drei Jahren der Planung und intensiven Verhandlungen gibt Apple seine Pläne auf, in Irland ein Milliarde Dollar, rund 850 Millionen Euro, in den Bau eines neuen Rechenzentrums zu investieren.

Apple hat seinen europäischen Hauptsitz in der Grafschaft Cork, doch das Rechenzentrum sollte im County Galway entstehen. Die zuständige Regierungsbehörde stimmte im September 2015 zu, auf dem vorgesehenen Gelände in Athenry einen Rechenzentrums-Campus zu entwickeln. Doch schon bald regte sich Widerstand: Es wurden mehr als 20 Einsprüche eingelegt.

Die Gegner fürchteten Lärm, Umweltverschmutzung, den Verkehr und sahen ein erhöhtes Risiko auf Überschwemmungen; zudem sei der Lebensraum von Fledermäusen und Dachsen in Gefahr. Es fanden mehrere Anhörungen statt.

Trotzdem genehmigte die zuständige Planungsbehörde Im August 2016 das Rechenzentrum sowie ein Umspannwerk, aber auch diese Entscheidung wurde angefochten. So mokierten Anwohner, dass die Umweltverträglichkeitsprüfung fehlerhaft gewesen sei, etwa da sie nur das erste 24.000 Quadratmeter große Rechenzentrum betrachtete und nicht die potenziellen acht Einrichtungen, die Apple tatsächlich plante.

Das zähe Ringen

Darüber hinaus stellten sie die strategische Bedeutung der Datacenter für die Region in Frage. In der Kritik standen zudem der Stromverbrauch sowie die damit verbundene Treibhausgasemission. Laut „DCD News“ scheint die Kritik nicht ganz ohne Eigeninteressen der Datacenter-Gegner gewesen zu sei; denn zumindest einer der Anwohner habe zuvor versucht, sein eigenes Land an Apple zu verkaufen.

So scheiterten die Einsprüche und die nächsthöhere Gerichtsinstanz entschied zugunsten von Apple. Doch blieben andere Anwohner hartnäckig und bekamen schließlich am 3. Mai 2018 vom Obersten Gerichtshof dir Erlaubnis, in die Berufung zu gehen. Das aber wird unnötig sein, da Apple nun seine Pläne, an dieser Stelle zu bauen, aufgegeben hat.

Da half auch die Versicherung des irischen Staatschefs, Taoiseach Leo Varadka, nicht. Er sagte im November des vergangenen Jahres noch zu, „alles zu tun, was in unserer Macht steht“, um das Projekt am Leben zu erhalten.

Dass eine Rechenzentrumsansiedlung auch ganz anders verlaufen kann, zeigt sich in Dänemark. Denn nahezu zeitgleich zum Galway-Projekt wurde von Apple Anfang 2015 die Planung eines dänischen Rechenzentrums angekündigt. Dieses wurde 2017 eröffnet und soll 2019 durch einen weiteren Standort ergänzt werden.

Neue Strategie

Der jetzigen Enttäuschung in Irland gab etwa der irische Staatsminister für Entwicklungshilfe und internationale Entwicklung, Ciarán Cannon, zum Ausdruck: Er schrieb in einem Facebook-Post: „Ich bedauere sehr, dass Apple seine Pläne zum Bau dieses Rechenzentrums nicht weiterverfolgen wird, zumal das Projekt eine Quelle bedeutender Investitionen und der Schaffung von Arbeitsplätzen für Galway und den Westen Irlands gewesen wäre.“ Und er fügte hinzu: „Die Art von Reformen, die wir brauchen, sind bereits im Gange, insbesondere in Bezug auf unser Rechtssystem.“

Tatsächlich hat die irische Regierung im März 2018 eine neue Gesetzgebung zur Beschleunigung des Planungsprozesses von Rechenzentren eingeführt, die als „strategische Infrastrukturentwicklungen“ kategorisiert sind und es den Antragstellern ermöglichen, lokale Behörden zu umgehen und ihre Anträge direkt an die Planer und Gutachter zu richten.

Apple ließ derweil mitteilen, dass das Unternehmen weiterhin in das Land investieren und seinen europäischen Hauptsitz in der Grafschaft Cork ausbauen werde, obwohl sich das Unternehmen auf einen gesonderten Rechtsstreit vorbereitet; den Einspruch gegen das Urteil der Europäischen Union, wonach Apple der irischen Regierung 13 Milliarden Euro an Steuernachzahlungen leisten muss.

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