85 Jahre nach der Präsentation von Konrad Zuses „Z3“ wird Technikgeschichte greifbar: An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg rechnet ein funktionsfähiger Nachfolger bis heute und macht die Anfänge moderner Computer hör- und sichtbar.
Edwin Aures, Leiter der Informatik-Sammlung der FAU, bietet im August Führungen an und macht so die „Zuse Z23“ erlebbar.
(Bild: Edwin Aures/ISER)
Rückblick ins Jahr 2012 bei der Verleihung des deutschen Rechenzentrumpreis: Prof. Dr.-Ing. habil. Horst Zuse hilt auf der Veranstaltung "future thinking" einen Vortrag über den Ursprung des Computers. Auf der zugehörigen Ausstellung konnten Besucher seinen Nachbau des ersten Computers, der von seinem Vater Konrad Zuse entwickelt wurde, bewundern. Er hätte es sich wohl nicht träumen lassen, dass in gerade mal 70 Jahren „sein Computer“ die Welt derartig verändert. Die Rede ist von Konrad Zuse, dem ‚Vater‘ des ersten frei programmierbaren Rechners in binärer Schalttechnik und Gleitpunktrechnung. Für future thinking konnten wir Zuses Sohn Horst Konrad Zuse als Redner gewinnen. Der Vortrag wird die frühen Rechnerentwicklungen aus den USA und Großbritannien vorstellen. Das Werk von Konrad Zuse mit seinen legendären Rechenmaschinen Z1-Z4 (1936-1945) wird neben der Geschichte der Zuse KG Kern des Vortrags sein. Die Zuse KG war die erste Firma, die 1949 mit einer kommerziellen Computerproduktion begann.
(Bild: Ostler)
Am 12. Mai jährt sich ein Meilenstein der Technikgeschichte zum 85. Mal: Die Präsentation des „Zuse Z3“, des ersten funktionsfähigen Computers der Welt. Das Original ist bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) steht eine „Zuse Z23“, ein späteres Modell.
Das Besondere des FAU-Exemplar: Es funktioniert auch heute noch im Originalzustand. Edwin Aures, Leiter der FAU-Informatik-Sammlung, gibt Einblicke in die Anfänge moderner Computertechnik.
Der Beginn einer neuen Ära
Am 12. Mai 1941 stellte Konrad Zuse in Berlin die „Zuse Z3“ vor und legte damit den Grundstein für die moderne Computertechnik. Die Maschine gilt als erster funktionsfähiger, frei programmierbarer Digitalrechner auf binärer Basis.
Der Berliner Bauingenieur hat die Apparatur aus einem praktischen Bedürfnis heraus entwickelt. „Zuse war getrieben davon, komplexe statische Berechnungen zu automatisieren und dem Menschen Arbeit abzunehmen“, erklärt Edwin Aures, Leiter der Informatik-Sammlung an der FAU.
Technik aus Relais und Lochstreifen
Die Z3 arbeitete mit rund 2.000 Relais, die als Schaltglieder fungierten und grundlegende Rechenoperationen ermöglichten. Programme wurden über Lochstreifen eingegeben, Daten über eine Tastatur, ähnlich einer Schreibmaschine.
Mit einer Taktfrequenz von 5,3 Hertz führte sie Berechnungen seriell aus und nutzte bereits Gleitkommazahlen. „Die Z3 hatte alle wesentlichen Elemente moderner Computer, nur in völlig anderer technischer Form. Sie war also trotz ihrer Größe von mehreren Schrankwänden und einem Gewicht von rund einer Tonne ein Meilenstein der Ingenieurskunst.“
Niemand wollte damals den ersten Computer bauen.
Edwin Aures
Es ging immer um die Lösung konkreter Probleme. und obwohl die Z3 oft als erster Computer bezeichnet wird, entstand sie nicht in einem Wettbewerb. Denn zeitgleich wurden weltweit verschiedene Rechenmaschinen für spezifische Zwecke entwickelt.
Während Konrad Zuse auf technische Berechnungen zielte, dienten andere Systeme etwa der Entschlüsselung militärischer Kommunikation. Diese parallelen Entwicklungen relativieren den Titel der Z3, unterstreichen jedoch ihre Bedeutung als früher universeller Rechner.
Rund zwei Jahrzehnte nach der Z3 zeigt die Zuse Z23 später, wie rasant sich die Technik weiterentwickelte. Während die Z3 noch auf Relais basierte, arbeitete die Z23 bereits mit Transistoren und war damit deutlich zuverlässiger und leistungsfähiger.
Sie erreichte mehrere tausend Rechenoperationen pro Sekunde und war als wissenschaftlich mathematischer Rechner vorwiegend für den Einsatz an Universitäten und Forschungseinrichtungen konzipiert. Mit der Z23 wird sichtbar, wie der Schritt von mechanisch-elektrischen zu elektronischen Systemen vollzogen wurde.
Zeitreise zur Zuse Z23 in Erlangen
Anlässlich des 85. Jubiläums des „Z3“ lädt die Informatik-Sammlung Erlangen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu kostenlosen Führungen ein. In rund 90 Minuten zeigt das Team um Edwin Aures die Entwicklung früher Rechenmaschinen bis zur funktionsfähigen „Zuse Z23“ von 1962. Besucherinnen und Besucher können die Anlage live erleben und Bedienelemente selbst ausprobieren.
Termine: 20. und 22. August, jeweils 10 und 14 Uhr. Anmeldung per E-Mail an Edwin Aures
Die Z23 an der FAU: Ein lebendiges Original
In der Informatik-Sammlung der FAU steht heute eine besondere Zuse Z23: Sie ist weltweit die einzige Maschine dieser Serie, die funktionsfähig ist und regelmäßig vorgeführt wird. 1962 wurde die Maschine am Mathematischen Institut der FAU in Betrieb genommen. S
tudierende konnten mit der Z23 das Programmieren lernen und Forschende mit ihr intensive Rechenaufgaben erledigen lassen. Nach ihrer Ausmusterung gelangte sie an das Christian-Ernst-Gymnasium in Erlangen.
Hier war sie ab 1974 etwa 9 Jahre als Schulrechner im Einsatz. Danach blieb die Z23 lange Zeit ungenutzt. Dass sie dort nicht auseinandergebaut wurde, war unser großes Glück.
Rückblick ins Jahr 2012 bei der Verleihung des deutschen Rechenzentrumpreis: Der Sohn von Konrad Zuse: Er hat den ersten Computer nachgebaut und vorgeführt. An diesen Tag allerdings hatte die Maschine einen Rechenfehler; der laut Zuse kurz vor dem Transport aufgetreten war und deshalb nicht mehr korrigierbar.
(Bild: Ostler)
Erst 2009 kehrte die Z23 an die FAU zurück und wurde in aufwendiger Arbeit restauriert. Die Fehlersuche hört nie auf, aber genau das macht den Reiz aus. Über zweieinhalb Jahre hinweg arbeiteten zwei Mitarbeiter der Informatik unter Mithilfe des Regionalen Rechenzentrums Erlangen (RRZE) und eines ehemaligen Zuse-Technikers an der Wiederherstellung der Maschine, tauschten Bauteile aus und justierten den Magnettrommelspeicher neu.
Stand: 08.12.2025
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Heute kann die Z23 wieder rechnen und ermöglicht Besucherinnen und Besuchern einen einzigartigen Zugang zur Geschichte der Informatik. Interessierte können beobachten, wie die Maschine arbeitet, das charakteristische Rattern hören und die Abläufe direkt an der Konsole sehen. Man kann hier mit allen Sinnen erleben, wie ein Computer funktioniert; denn unsere Zuse kann sogar Musik machen, wenn man das Piepsen und Rattern so werten möchte.“
Das musikalische Talent der Zuse Z23:
Mit einem Rückblick die Gegenwart verstehen
Das Jubiläum der Z3 zeigt, wie eng die Entwicklung moderner Computer mit ihren historischen Vorläufern verbunden ist. Von den Relais der Z3 bis zu den Transistoren der Z23 spannt sich einen Bogen, der die Grundlagen heutiger Technologie sichtbar macht.
Über den Autor: Edwin Aures ist Leiter der Informatik-Sammlung der FAU. Sein Fazit lautet: „Wer verstehen will, wie Computer heute funktionieren, sollte sich ihre Ursprünge ansehen. Die Informatik-Sammlung der FAU bewahrt diese Geschichte und macht sie erlebbar.“ edwin.aures@fau.de