Open-Source-Tools zu einer Plattform für das Infrastruktur-Management gebündelt

5G und mehr - Was OpenStack Airship ausmacht

| Autor: Ludger Schmitz

Airship ist eins der ersten Projekte, mit denen die OpenStack Foundation über den angestammten Arbeitsbereich Cloud hinausgeht.
Airship ist eins der ersten Projekte, mit denen die OpenStack Foundation über den angestammten Arbeitsbereich Cloud hinausgeht. (Bild: OpenStack Foundation)

Seit einem Jahr gibt es in der OpenStack Foundation das Projekt „Airship“. Über das war nicht viel mehr als der Zusammenhang mit 5G bekannt. Tatsächlich ist es viel mehr.

Airship startete auf der Basis von Code, den der US-amerikanische Telekomanbieter AT&T für den Aufbau seiner 5G-Netze verwendet. Ludger Schmitz befragte Chris Hoge, Senior Strategic Program Manager der OpenStack Foundation, und Matt McEuen, Core Reviewer des Airship-Projekts und Cloud Engineer bei AT&T, was Airship bringt und was die weiteren Ziele sind.

Eine Menge Code – zufällig in den Schoß von OpenStack gefallen?

Vor einem Jahr, auf ihrem Summit in Vancouver, stellte die OpenStack Foundation erstmals „Airship“ vor. Entstand dieses Projekt einfach, weil AT&T dessen grundlegenden Open-Source-Code spendiert hat, oder was war die Intention?

Chris Hoge: Airship entwickelte sich aus dem Wunsch nach eine Kette von Open-Source-Tools, um den gesamten Lebenszyklus von Rechenzentren in einer getesteten, wiederholbaren und wenig aufwändigen Weise managen zu können. Es gibt viele Tools, die sich dafür kombinieren lassen, aber Airship bringt sie in einer gebündelten und vollständig getesteten Plattform zusammen.

Durch offene Zusammenarbeit profitiert die Airship-Community von der Denkweise an die Entwicklung von Software, die sich in einer Vielzahl von Produktionsumgebungen nutzen lässt, von großen Telco-Rechenzentren bis hin zu kleinen Edge-Installationen.

Ist Airship nun ein Tool, ein Service oder was?

Matt McEuen: Es ist weder ein Tool noch ein Service. Es ist eine Plattform zum Management von Infrastruktur. In vielerlei Hinsicht zieht Airship verschiedene bestehende Open-Source-Tools zusammen.

Zum Beispiel schafft es einen Infrastruktur-Layer für das Anwendungs-Management auf Hardware, indem es das Identity- und Vertraulichkeits-Management von OpenStack kombiniert mit „Kubernetes“ und „Helm“ für die Anwendungsinstallation. Der einzigartige Code, den das Airship-Team entwickelt, ist modular. Wenn eine Organisation den Bare-Metal-Layer von Airship nicht benötigt, kann es dennoch die Vorteile des Applikations-Layers genießen.

Nur für Telcos von Vorteil?

AT&T und South Korea Telecom sind bedeutende Mitentwickler von Airship. Läuft das am Ende darauf hinaus, dass dieses Projekt doch eher etwas für die Telcos bringt?

Chris Hoge: Als Basis für 5G-Infrastruktur erfährt Airship viel Aufmerksamkeit von Telcos. Der Grund sind die Vorteile offener Zusammenarbeit. Die Wettbewerber auf diesem Gebiet können bei der Infrastruktur zusammenarbeiten und sich von einander in Sachen der Services auf dieser Basis differenzieren.

Matt McEuen: Gleichwohl ist Airship mehr als eine Plattform für Telco-Services. Seine elementaren Layer – „OpenStack Keystone“ für das Identity-Management und „Barbican“ für Vertraulichkeit – sind Treiber für Kubernetes-Applikationen auf Bare Metal. Das gibt Airship die Flexibilität, ein weites Spektrum an Anwendungen bereitzustellen. Seine erste Zielanwendung, ein komplettes OpenStack-Deployment mit Compute, Netzwerk und Speicher, spricht für die Power und Vielseitigkeit der zugrundeliegenden Plattform.

Bei AT&T bildet Airship die Basis für ein 5G-Netzwerk, das in großen Teilen auf OpenStack und Kubernetes aufsetzt. Hat Airship das gleiche Ziel unter dem Schirm von OpenStack?

Chris Hoge: OpenStack auf Kubernetes ist nur ein Teil der Airship-Plattform. Es ist eine Demonstration dessen, was möglich ist mit einer ausgereiften und robusten Plattform für das Rechenzentrums-Management. Dies stimmt überein mit der Reichweite der Mission der OpenStack Foundation, die Möglichkeiten schaffen will für die Herausbildung und die Anwendung von Open-Source-Infrastruktur und, vielleicht noch wichtiger, für die Entstehung von Open Communities in entstehenden Märkten.

Mehr als eine Folge des Kubernetes-Trends

Airship spiegelt auch die wachsende Bedeutung von Kubernetes in OpenStack-Umgebungen wider. Glaubt das Projekt, dass 5G-Netzwerke in solchen Umgebungen eine ähnliche Bedeutung erlangt?

Matt McEuen: Anwendungsplattformen wie Kubernetes, Mesos und Serverless Computing nehmen eine wichtige Rolle im Markt ein. Sie repräsentieren einen andauernden Trend in Richtung Abstraktion davon, wie Applikationen laufen, und sie stellen APIs für die Anwendung selbst zur Verfügung.

Ein durchgehendes Thema dieser Plattformen ist der Bedarf an einer robusten Infrastruktur, auf der alles läuft. Zum Beispiel arbeitet Kubernetes am besten, wenn darunter eine Art Cloud-Infrastruktur liegt. Davon ist es abhängig für die Computer-, Netzwerk- und Storage-Grundlagen.

Chris Hoge: Die OpenStack Foundation liefert der Anwendergemeinde durch das OpenStack-Projekt selbst oder durch neue Projekte wie Airship und „Kata Containers“ die Open-Source-Tools und die Communities, um solche Grundlagen herzustellen. Wir erwarten, dass sich die Entwicklung von mehr und stärkeren Abstraktionen zur Bereitstellung von Applikationen fortsetzen wird. Technologien der nächsten Generation wie 5G können den Vorteil wahrnehmen, ihre Stärke zu multiplizieren, indem sie diese Technologien kombinieren.

Um einen Vorteil aus der geringen Latenzzeit von 5G zu ziehen, müssen Dienstleister ihre Anwendungen näher an die Kunden bringen. Die Airship-Infrastuktur-Herangehensweise und der schichtweise Aufbau erlauben es den Betreibern, effektiv eine große Zahl von regionalen Sites zu bauen, zu validieren und in ihrem Lebenszyklus zu managen, um fortschrittliche 5G-Services nahe an die Kunden zu bringen.

Der Projektstand und die Pläne

Was hat das Airship-Projekt in seinem ersten Jahr erreicht?

Matt McEuen: Der Airship Release Candidate läuft jetzt bereits in der Produktion. Wir erwarten, das erste Release 1.0 von Airship im zweiten Quartal 2019 fertigzustellen.

Weil es sehr wichtig ist, eine Community jenseits der initialen Projektanwender aufzubauen, ist eine der bedeutendsten Eigenschaften die funktionale Dokumentation. Das geschieht durch das Subprojekt „Treasure Map“, das Anwendern einen Startpunkt für die Einrichtung der eigenen Rechenzentren gibt. Die Konfigurations-Files und -Skripte werden kontinuierlich getestet, was sie zu einem idealen Startpunkt macht, um ein von Airship verwaltetes Cluster zu machen.

Welche weiteren Schritte plant das Projekt?

Matt McEuen: Nach der Veröffentlichung von Release 1.0 wird das Airship-Team seine Aufmerksamkeit der Management-Plattform für Bare Metal zuwenden. Das Projekt sieht eine Verbindung mit anderen Open-Source-Entwicklungen wie die Kubernetes Cluster-API vor, um mit OpenStack Ironic generische Bare-Metal-Unterstützung hinzuzufügen.

Meiner Ansicht nach reflektiert Airship zwei Entwicklungen von OpenStack: Erstens nimmt im Vergleich zu Services die Bedeutung von Tools für die Einrichtung, Konfiguration und das Management von Clouds zu. Zweitens geht OpenStack über die Cloud hinaus zu offenen Infrastrukturen.

Chris Hoge: Das ist richtig. Lifecycle Management war immer ein kritischer Teil des Infrastruktur-Managements. Installation ist üblicherweise ein einfach zu lösendes Problem. Die Services am Laufen zu halten und ihr Upgrading fügt ein Level an Komplexität hinzu, und um dieses in den Griff zu kriegen, ist die Airship-Architektur besonders gut geeignet.

Das sind Teile, welche die Endanwender selten bemerken, wenn sie Dienste nutzen, von denen sie aber jeden Tag abhängig sind. Die OpenStack Foundation eröffnet nicht einfach einen Weg, um virtuelle Maschinen in den Cloud verfügbar zu machen.

Vielmehr fokussiert sie sich darauf, bei der Entwicklung von sicheren und zuverlässigen Infrastrukturen für einen vollständig offenen Applikations-Stack zu helfen. Wir sind wirklich stolz auf das, was wir erreicht haben, um mit Projekten wie Airship zu einer Zusammenarbeit verschiedener Communities zu ermutigen.

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