Paradigmenwechsel im Rechenzentrum

Wie kommt man ins Software Defined Datacenter?

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Was ist ein softwaredefiniertes Netzwerk?

Derzeit lassen sich im Wesentlichen fünf verschiedene Tendenzen unterscheiden: Der erste, klassische SDN-Ansatz trennt die Anwendungs- von der Transportebene durch eine zwischengelagerte Kontrollschicht. Von hier aus erfolgt die Kommunikation nach oben in Richtung der Anwendungen über eine sogenannte Northbound-Schnittstelle und nach unten hin zur Transportschicht über eine entsprechende Southbound-Schnittstelle. Dank der Northbound-Schnittstelle können sich API-Programmierer voll und ganz auf die Funktionen konzentrieren, ohne das darunterliegende Netzwerk kennen zu müssen.

Derzeit lassen sich im Wesentlichen fünf verschiedene SDN-Ansätze unterscheiden.
Derzeit lassen sich im Wesentlichen fünf verschiedene SDN-Ansätze unterscheiden.
(Bild: Computacenter)

Eingesetzt wird das klassische SDN-Modell gegenwärtig meist nur in speziellen Umgebungen, die – wie etwa die Google-Rechenzentren – durch eine Applikationsmonokultur gekennzeichnet sind. Um den zweiten SDN-Lösungsansatz zu realisieren, bauen diverse Hersteller vorhandene Managementschnittstellen zu weitgehend frei programmierbaren APIs aus.

Der Vorteil dabei: SDN-ähnliche Dienste lassen sich vergleichsweise schnell implementieren, und bestehende LAN-Infrastrukturen sind größtenteils weiterverwendbar. Zu fragen bleibt allerdings, ob mit Hersteller-APIs eine zentrale Steuerung tatsächlich möglich ist – zumal die Kontrolle nach wie vor in der Transportschicht verbleibt.

Der dritte, hybride SDN-Ansatz kombiniert die ersten beiden Varianten und wird derzeit von den meisten großen Herstellern favorisiert. Die Transportebene behält hierbei zwar ihre Eigenintelligenz, kann aber auch über einen zentralen Controller gesteuert werden. Beim vierten Ansatz, der als Virtual Overlay bezeichnet wird, stellt ein virtueller Controller sämtliche Netzwerkfunktionen bereit – wobei die Daten vom Controller an einen Tunnel übergeben werden. Herstellerangaben zufolge muss die Transportschicht dann nur noch die erforderliche Bandbreite zur Verfügung stellen.

Network Function Virtualization und Storage-Virtualisierung

Alle vier der bisher skizzierten Ansätze sind sowohl eigenständig als auch in unterschiedlichen Kombinationen umsetzbar. Beispielsweise haben HP und VMware jüngst eine Partnerschaft geschlossen, um eine Rücksignalisierung von der physikalischen Transportebene in den Virtual Overlay zu ermöglichen. Der fünfte Ansatz schließlich – Network Function Virtualization, kurz NFV – stellt Netzwerkfunktionen wie Firewalling, Load Balancing oder Routing zwar ebenfalls virtuell bereit, setzt jedoch bei der Kommunikation zur Transportebene auf traditionelle Standardnetzwerkprotokolle.

Nicht minder vielgestaltig präsentiert sich die SDDC-Entwicklung im Storage-Markt – umso wichtiger ist es, dass sich IT-Abteilungen auch organisatorisch auf die bevorstehende SDDC-Transformation vorbereiten. Vor allem gilt es, die derzeit noch vorherrschende Silo-Orientierung aufzubrechen und eine neue Dialogplattform für Server-, Netzwerk- und Speicherspezialisten zu etablieren. Abzuraten ist jedoch von einem separaten SDDC-Board, das die Veränderung der IT-Organisation quasi von außen moderiert.

Umdenken in der IT-Abteilung

Empfehlenswert sind stattdessen virtuelle Teams, deren Mitglieder aus unterschiedlichen Infrastrukturbereichen kommen und fest ins Tagesgeschäft eingebunden sind. Nur so lässt sich ein enger Praxisbezug gewährleisten. Virtuelle Teamarbeit fördert zudem kommunikative Fähigkeiten – eine Kompetenz, die bei der Servicebereitstellung für Fachabteilungen im SDDC eine essenzielle Bedeutung gewinnt.

Ulf Schitkowskyist Solution Manager bei der Computacenter AG & Co. oHG: „Empfehlenswert sind stattdessen virtuelle Teams, deren Mitglieder aus unterschiedlichen Infrastrukturbereichen kommen und fest ins Tagesgeschäft eingebunden sind.“
Ulf Schitkowskyist Solution Manager bei der Computacenter AG & Co. oHG: „Empfehlenswert sind stattdessen virtuelle Teams, deren Mitglieder aus unterschiedlichen Infrastrukturbereichen kommen und fest ins Tagesgeschäft eingebunden sind.“
(Bild: Bernd Arnold/Computacenter)

Welche technologischen SDDC-Ansätze im Einzelfall sinnvoll sind – dies lässt sich nur feststellen auf der Basis einer detaillierten Bestandsaufnahme der existierenden IT-Infrastruktur und einer darauf fußenden Evaluierung ihrer technologischen Entwicklungsperspektiven. Parallel zum SDN sind hierbei auch die ihrerseits höchst differenzierten Marktströmungen im Bereich SDS zu berücksichtigen.

Obgleich es zum heutigen Zeitpunkt keine Pauschalrezepte geben kann, lässt sich mit Blick auf SDN dennoch der allgemeine Rat ableiten, dass jede heute angeschaffte Netzwerkkomponente via Hersteller-API oder Controller-Schnittstelle ansprechbar sein sollte. Zudem: Die SDDC-Transformation verändert grundlegend die Art und Weise, wie IT im Unternehmen bereitgestellt und eingesetzt wird. Die neue On-Demand-IT bringt für IT-Abteilungen auch in dieser Hinsicht gänzlich neue organisatorische Herausforderungen mit sich. Mit der dafür notwendigen Weichenstellung kann man gar nicht früh genug beginnen.

Der Autor:

Ulf Schitkowskyist Solution Manager bei der Computacenter AG & Co. oHG.

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