Adiabate Kühlung im Datacenter

Was leistet die Verdunstungskühlung im RZ der Hartl Group?

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Sie sagen, das Kühlkonzept gilt als besonders innovativ? Was ist daran so besonders?

Anton Immerz arbeitet als Key Account Application Manager for Datacenter bei der Munters GmbH, Wien.
Anton Immerz arbeitet als Key Account Application Manager for Datacenter bei der Munters GmbH, Wien.
(Bild: Anton Immerz)

Anton Immerz: Mit unserem System kann auf eine aufwendige und kostspielige Wasserenthärtung verzichtet werden. Der Kalk, der sich während des Verdunstungsprozesses am Wärmetauscher ablagert, löst sich von selbst und kann jederzeit auch während des Betriebes aus der Anlage entfernt werden. Der Wärmetauscher reinigt sich also von selbst.

Verdunstetes Wasser wird aus dem Brunnenwasser nachgespeist, nicht verdunstetes Wasser wird unter Berücksichtigung von Temperatur und Leitfähigkeit wiederverwendet.

Was ist das Prinzip hinter der Kühlung und wie funktioniert es?

Anton Immerz: Das Herzstück ist der selbstreinigende Wärmetauscher. Munters verwendete früher auch Plattentauscher in Kombination mit der indirekten Verdunstungskühlung. Diese haben allerdings Nachteile wie Korrosion, Leckagen und Ablagerungen.

Das Resultat dieser Erfahrungen ist ein Polymer Wärmetauscher, dessen Luftschläuche sich aufgrund der Luftbewegungen durch den Wärmetauscher im Mikrobereich dehnen und zusammenziehen. Dadurch fallen die bei der Wasserverdunstung auf der Wärmetauscheroberfläche entstehenden Kalkablagerungen in kleinsten Teilchen immer wieder ab.

Und diese Verdunstung sorgt für die Kühlung...

Anton Immerz: Ja, genau. Der Kühlprozess ist vergleichbar mit dem Kühleffekt bei nasser Haut. Wenn man nach dem Schwimmen aus dem Wasser steigt, wird einem schnell kalt. Das Wasser, das die Oberfläche der Haut benetzt, verdunstet. Dabei wird dem Blut, das auf der anderen Seite der Haut fließt, Wärme entzogen und man beginnt zu frieren.

Beim unsrem Wärmetauscher wird die Außenseite des Wärmetauschers mit Wasser benetzt und über einen Außenluftventilator strömt Luft über die Außenseite. Während das Wasser an der Außenoberfläche verdunstet, wird der Rechenzentrumsluft, welche auf der Innenseite der Polymerschläuche strömt (das „Blut“ in diesem Vergleich), Wärme entzogen.

Was unterscheidet die Lösung durch die Kühlung durch Außenluft?

Anton Immerz: Freie Kühlung durch Außenluft, so genannte Frischluftsysteme, bringen Nachteile mit sich: Sie erfordern eine Feuchteregelung und hocheffiziente Luftfilterungsanlagen, da durch Stoffe wie Chloride und Sulfate in der Luft die Gefahr der ´Server-Korrosion` besteht. Umwelteinflüsse wie Rauch, Staub und Gerüche könnten direkt in das Rechenzentrum gelangen.

Hitze ist ein weiteres Problem: Ab einer Außentemperatur von rund 23 Grad und mehr, abhängig von der gewünschten Einblastemperatur, muss sämtliche Kühllast mit mechanischer Kühlung abgedeckt werden. Bei sehr hohen Außentemperaturen wie wir sie letzten Sommer erlebt haben, kann dies auch kritisch für die mechanische Kühlung werden.

Die Folge: Enorm erhöhte Betriebskosten.

Bei Verwendung von Oasis sind die obig genannten Herausforderungen gelöst. Auch bei hohen Außentemperaturen, 42 Grad und mehr, beträgt die Eintrittstemperatur in den Kondensator der in das System integrierten Kältemaschine nicht mehr als 30 Grad. Das heißt zusammengefasst: Absolut sicherer Betrieb auch bei Extrembedingungen.

Das Rechenzentrum ist ja noch nicht fertig. Wird alles so laufen, wie berechnet und vorhergesagt? Oder rechnen Sie noch mit etwaigen Unabwägbarkeiten?

Anton Immerz: Aktuell liegen wir voll im Terminplan und die Kommunikation zwischen den einzelnen involvierten Gewerken ist sehr gut. Die einzige Unabwägbarkeit ist das Wetter. Aber dieser Unsicherheitsfaktor betrifft generell alle Projekte, denke ich…

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