Rechenzentren suchen Uptime Institute: Bis 2025 sechsstelliger Mitarbeitermehrbedarf in Datacenter

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Der Arbeitsmarkt für IT-Spezialisten, die sich mit Rechenzentren auskennen, ist schon heute leergefegt. Erleichterung ist nicht in Sicht, prognostiziert das Uptime Institute in Hinblick auf den weltweiten Bedarf in den Datacenter.

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Das Uptime Institute hat den weltweiten Datacenter-Personalbedarf bis 2025 untersucht.
Das Uptime Institute hat den weltweiten Datacenter-Personalbedarf bis 2025 untersucht.
(Bild: gemeinfrei: Wynn Pointeaux / Pixabay )

Etwa 300.000 neue Spezialisten für 230 Job-Funktionen rund um Planung, Entwicklung, Bau, Betrieb und Steuerung von Rechenzentren werden weltweit bis 2025 benötigt. So eine aktuelle Prognose des Uptime-Instituts für diesen Zeitraum. Besonders ausgeprägt ist der Bedarf in Nordamerika und dem Raum EMEA.

Dabei sagen schon heute die Hälfte (2019: 39 Prozent) der befragten Rechenzentrumsmanager, dass sie Schwierigkeiten haben, Stellen mit qualifizierten Kandidaten zu besetzen. 77 Prozent gehen davon aus, dass es auch nach Ende der Corona-Pandemie innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre bei mehr Remote-Arbeit bleiben werden.

40-Stunden-Woche und 6 bis 8 Kilowatt pro Rack

Das Uptime Institute hat diese Prognose durch zahlreiche qualitative Interviews mit Datacenter-Praktikern aus Unternehmen entwickelt, die insgesamt etwa 350 Rechenzentren weltweit betreiben. Ergänzt worden sind diese Informationen durch Daten aus der firmeninternen Datenbank.

Der Gesamtbedarf an Datacenter-Mitarbeitern erhöht sich bis 2025 um rund 300.000 neue Stellen, Ersatzbedarf wegen den Eintrit ins Retenalter nicht einbegriffen.
Der Gesamtbedarf an Datacenter-Mitarbeitern erhöht sich bis 2025 um rund 300.000 neue Stellen, Ersatzbedarf wegen den Eintrit ins Retenalter nicht einbegriffen.
(Bild: Uptime Institute)

Angepasst sind die Werte durch eine Modellierung in Verhältnis zu Wachstumsdaten hinsichtlich des internationalen Marktes. Unterschiedliche Personalanforderungen von geschäftskritischen und weniger geschäftskritischen Rechenzentren sind berücksichtigt.

Einbezogen sind sowohl festangestellte Mitarbeiter als auch Mitarbeiter von Dienstleistern und freie Einzeldienstleister Dabei legt das Unternehmen eine 40-Stunden-Arbeitswoche zugrunde.

Kalkuliert worden ist der Arbeitsbedarf entsprechend der Leistungsdichte in den jeweiligen Rechenzentren, im Durchschnitt 6 bis 8 Kilowatt pro Rack, kombiniert mit der Zahl der Racks.

AI wirkt erst später

Nicht eingeschlossen hat das Uptime Institut mögliche Effekte von entstehenden Edge-Datacenter-Infrastrukturen und die Auswirkungen von Automatisierung sowie ein Einsatz von Artificial Intelligence (AI). Diese Faktoren, so Uptime Institute, würden ihre volle Wirkung wohl erst nach dem Untersuchungszeitraum entfalten.

eBook

Künstliche Intelligenz in der Steuerung des Rechenzentrumsbetriebs

Die KI macht das schon...

Die Künstliche Intelligenz macht das schon...
eBook: Die KI macht das schon ...
(Bildquelle: DataCenter-Insider)

Künstliche Intelligenz hält mittlerweile in allen Bereichen der IT und OT unerbittlich Einzug. Doch gerade im Mittelstand herrscht noch viel Unkenntnis und Unsicherheit, was den Einsatz von KI bis jetzt ausbremst. So beschreibt das eBook:

So gaben bei der Umfrage zwar 34 Prozent (2019: 29 Prozent) der Untersuchungsteilnehmer an, dass innerhalb der nächsten fünf Jahren Künstliche Intelligenz für weniger Personalbedarf im Rechenzentrum sorgen werde. Mehr, nämlich 43 Prozent, glauben aber, dass es noch länger dauern werde, bis sich personalbedarfssenkende Effekte von AI-Technologien im Rechenzentrum zeigen. Ebenfalls nicht einbezogen wurde die Dekommissionierung von Rechenzentren.

Hochverfügbarkeit sorgt für Mehrbedarf

Außerdem geht das Uptime Institute davon aus, dass alle Rechenzentren ab einer gewissen Größe geschäftskritisch sind und daher für einen unterbrechungsfreien Betrieb besetzt werden müssen. Maßstab ist eine Besetzung, bei dem die Belegschaft die für eine reibungslose Funktion wünschenswerte Größe hat. Die Tatsache, dass in kleineren Rechenzentren eine Person oft mehrere Rollen übernimmt, ist berücksichtigt.

Das Uptime Institute teilt den Arbeitskräftebedarf in neun Funktionsbereiche: Business Support, Strategie, Design, Bau, Entwicklung der IT-Architektur, IT-Hardware, Netze und Connectivity, Steuerung und Monitoring, Betrieb. Rechenzentren wurden in Cloud-Service-Rechenzentren, Co-Location und Enterprise-Rechenzentren aufgeteilt.

Arbeitskräftebedarf wächst jährlich um 2 bis 3 Prozent

In jedem Jahr kommen zwei bis drei Prozent neue Datacenter-Arbeitsplätze weltweit hinzu. Der Schwerpunkt der Bedarfssteigerung sind Planung und Bau neuer Rechenzentren.

Absolut betrachtet, verschlingt aber der DC-Betrieb die meisten Personalressourcen. Dazu kommt, dass dieses Personal im Gegensatz zu Planern und Entwicklern meist dauerhaft in Pendelentfernung vom Rechenzentren leben sollte.

Der Bedarf an Datacenter-Fachpersonal liegt bis 2025 in EMEA bei über 80.000 Personen.
Der Bedarf an Datacenter-Fachpersonal liegt bis 2025 in EMEA bei über 80.000 Personen.
(Bild: Uptime Institute)

Daraus ergeben sich gerade für Europa mit seinem hohen Altersdurchschnitt und den Babyboomern vor dem Renteneintritt erhebliche Herausforderungen. Denn der Ersatz aus dem Berufsleben ausscheidender Mitarbeiter, von denen sich viele weiter oben auf der Karriereleiter befinden, ist in die Daten nicht einbezogen.

Bedarf von Enterprise-Rechenzentren nimmt ab

Verteilt man den Arbeitskräftebedarf auf Rechenzentrumsarten, so wächst der Bedarf nach Mitarbeitern bei den Public-Cloud-Providern bei weitem am schnellsten. Uptime geht davon aus, dass der Bedarf dieser Unternehmen ab 2026 den Markt dominiert. Gleichzeitig müssen sie und auch Co-Location-Betreiber besonders viel in Effizienzsteigerung investieren.

Der Personalbedarf von Enterprise-Rechenzentren dürfte mittelfristig sinken.
Der Personalbedarf von Enterprise-Rechenzentren dürfte mittelfristig sinken.
(Bild: Uptime Institute)

Die meist kleineren Enterprise-Rechenzentren profitieren demgegenüber weniger von Skalierungseffekten, wie sie bei Hyperscalern oder großen Co-Location-Anbietern auftreten. Allerdings sind Unternehmen inzwischen dazu übergegangen, ihre Rechenzentren an wenigen, großen Standorten zu konsolidieren, was wiederum den Arbeitskräftebedarf senkt. Insgesamt fällt dieser über die Jahre etwas.

Auswirkungen von Covid-19

Allerdings bleiben insbesondere steigende Hochverfügbarkeitsanforderungen und der Aufbau von Edge-Infrastrukturen aus bedarfstreibende Unsicherheitsfaktoren. So antworteten 58 Prozent der Befragten, 2020 werde der Aufbau des Edge den Personalbedarf etwas oder wesentlich erhöhen, 37 Prozent erwarten keine Auswirkungen.

Während der Covid-19-Pandemie zeigt sich deutlich, wie wichtig ein ausfallfreies Rechenzentren fürs Business ist und welche Anstrengungen nötig sind, um das zu erreichen. Kein Wunder also, dass viele Unternehmen hier investieren wollen.

Den höchsten Bedarf an neue nMitarbeitern benötigt bis 2025 das Rollenprofil "Steuerung und Kontrolle des Rechenzentrums".
Den höchsten Bedarf an neue nMitarbeitern benötigt bis 2025 das Rollenprofil "Steuerung und Kontrolle des Rechenzentrums".
(Bild: Uptime Institute)

Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahren sehen die befragten Manager unter anderem steigende Kosten für Automatisierung (54 Prozent), Überstunden und Boni (34 Prozent) sowie zusätzliches Betriebspersonal (21 Prozent).

Die wichtigste Qualifikation: ein Engineering-Abschluss

Hinsichtlich der Funktion sind in den kommenden Jahren vor allem Spezialisten für Steuerung und Überwachung von Rechenzentren gefragt. Hier entstehen bis 2025 rund 165.000 neue Arbeitsplätze.

Hinsichtlich der Qualifikation setzen die Datacenter vor allem Maschinenbau- und Elektro-Ingenieure mit Uni-Abschluss, meist ergänzt durch zusätzliche Qualifikationen und Zertifizierungen.

Allerdings empfiehlt das Uptime Institute dringend, die Anstellungsbarrieren angesichts der zu erwartenden Personalknappheit nicht zu hoch zu schrauben. Weitere Wege, die Personalknappheit abzumildern, seien attraktive Leistungen, rechtzeitig Nachfolgepläne zu entwickeln und stärker auf alternative Zugangswege zu Funktionen und auf betriebsinterne Weiterbildung zu setzen. In Deutschland gibt es bei ersterem schon vielversprechende Ansätze.

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Über den Autor

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger