Vertiv Week in Zagreb

Time to Token – Vertiv liefert Rechenzentren aus der Fabrik

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Interview mit Viktor Petik: Blueprint, Chips und Gleichstrom

Wie es hinter den Kulissen aussieht, erklärt Viktor Petik, Senior Vice President Infrastructure Solutions bei Vertiv. Seine Teams in Kroatien haben die Systeme entwickelt, die wir in der Halle gesehen haben. Im Gespräch geht es um Standardisierung, die Wahl der Chips und eine Stromversorgung, die sich grundlegend verändern wird.

Über den Gesprächspartner:
Viktor Petik ist Senior Vice President Infrastructure Solutions bei Vertiv. Sein Schwerpunkt liegt auf vorab gefertigten modularen Rechenzentren und Mikro-Rechenzentren. Er beschäftigt sich mit der Weiterentwicklung der SmartMod-Plattform und High-Density-Computing.

Bildquelle: Vertiv

Standardisieren, damit es schneller geht

Petik sagt, dass zwei Dinge aktuell die Nachfrage nach OneCore treiben: Es werden mehr Rechenzentren gebraucht, und die Erwartung an die Lieferzeit sinkt. Beides gleichzeitig. „Wir können nicht weltweit Snowflakes und maßgeschneiderte Lösungen haben“, sagt er.

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Aktuell vergingen vom Auftrag bis zur Übergabe der ersten Datenhalle neun bis zwölf Monate. Die Branche verlange sechs bis neun. Ohne Vorfertigung seien weitaus längere Wartezeiten üblich gewesen. Rund 80 Prozent der Bausteine ließen sich standardisieren, 20 Prozent blieben individuell.

Doch hierfür müssen viele an einem Tisch sitzen: der Chiphersteller, der die Racks kennt, der Infrastrukturanbieter, der darum herum plant, und der Betreiber, der weiß, ob er trainiert, Inferenz fährt oder beides, und wie viele Tokens er braucht. Zunehmend rede auch der Netzbetreiber mit. Kosten pro Token und Time to Token seien in den vergangenen Monaten zu Designkriterien geworden.

Und wenn der Chip nicht von NVIDIA kommt?

„OneCore“ setzt auf den Nvidia-„DSX“-Blueprint auf. Vertiv schließe andere Hersteller nicht aus, sagt Petik. Einige laufende Rechenzentren entständen mit anderen Chips. Doch die Kunden fragen derzeit vor allem Nvidia-Chips an. Auf der Vertiv Week drehte sich alles um das modulare Rechenzentrum, das auf Nvidia ausgerichtet sind.

AMD sehe er (nach eigener Einschätzung, nicht aus Vertivs Sicht) vor allem in Asien, kaum in Europa oder den USA. Auf Nachfrage, ob sich etwas grundlegendes in der Infrastruktur verändere, etwa bei der Kühlung, wenn man AMD-Chips verwende - sagt Petik, dass er nicht davon ausgehe.

800 Volt Gleichstrom: Eine Umstellung in Etappen

Der nächste Sprung betrifft den Strom. Petik sagt, dass man bei einem Rack mit einem MW Leistung, so wie es Nvidia laut Evans bei der Keynote bis 2028 herausbringen werde, mit klassischer Wechselstromverteilung wahrscheinlich nicht mehr auskomme.

Deshalb stellt Nvidia bekanntlich auf 800 Volt Gleichstrom um: Der Strom wird schon am Eingang des Rechenzentrums gewandelt und erst im Rack auf 54 Volt heruntergeregelt. Vertiv und Nvidia haben angekündigt, diese Architektur gemeinsam voranzutreiben. Evans sagte bei seiner Keynote, dass er hoffe, dass der Output somit statt 60 bis 70 Prozent bei einem Gigawatt-Standort auf 80 bis 85 Prozent steigen könne.

Was das für die Rechenzentrumsplanung der Zukunft und den Retrofit bedeutet ist noch unklar, sagt Petik. Die Standorte, die Vertiv aktuell plant, seien auf die neuen Anforderungen ausgerichtet. Bei der Modernisieren von bestehenden Rechenzentren könnten Sidecars in Frage kommen: Diese wandeln die Mittelspannung auf 800 V DC außerhalb der Datenhalle um, und die AC- werden durch DC-Stromschienen ersetzt.

Alle zwei Jahre ein neuer Chip: Was heißt das für die Infrastruktur?

GPU-Generationen wechseln etwa alle zwei Jahre. Wie passt das zu einer Infrastruktur, die so lange halten soll wie das Rechenzentrum? Petik: Das müsse am Anfang entschieden werden. Entweder man lege auf eine Generation aus und rüste später um, oder man plane die nächste Generation von Beginn an mit. Wie das geht? Man müsse vorausschauend planen, so Petik.

Das OneCore-Design starte mit „Vera Rubin“, ein Upgrade auf „Vera Rubin Ultra“ im kommenden Jahr solle auf der bestehenden Whitespace möglich sein. Für die lange Laufzeit zählen am Ende Wartungsverträge. Petik sagt, auch Rechenzentren müssen gepflegt werden. Das bedeutet, dass mittelfristig die vorausschauende Wartung Teil des digitalen Zwillings in Omniverse werden soll. So kann repariert werden, bevor etwas ausfällt.

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Kleine KI-Fabriken in Containerform

Für kleinere KI-Standorte erwartet Petik die Nachfrage ab 2027. „SmartMod“ sei dafür zu klein, die Antwort sei „MegaMod HDX“. Das könnten Edge-Standorte oder reine Inferenz-Rechenzentren sein, für Unternehmen, Behörden, Schulen oder Krankenhäuser. Man könne sie sogar auf einen Parkplatz stellen.

Vom Netz bis zum Rack: Vertiv kauft die UtilityInnovation Group

Eine Frage lässt Petik weitgehend offen: Was bringt die Ankündigung, die UtilityInnovation Group (UIG) zu übernehmen? Das sei nicht sein Bereich. Sein Team prüfe jetzt, wie sich das, was UIG mitbringt, in OneCore integrieren lasse. Das sei der nächste Schritt, mehr könne er derzeit nicht sagen. Strom vor Ort zu erzeugen, biete Vertiv schon heute an, aber getrennt von „OneCore“. Dass Eigenerzeugung kommen wird, hält Petik für sicher. In welchem Mix, sei schwer vorherzusagen.

Bei der Keynote sagt Evans: Wer 100 Megawatt Netzleistung vertraglich zusichere, bekomme in der Praxis bestenfalls 93. Nvidia rät deshalb zum Strom hinter dem Zähler, in den USA aus Gas, in Europa eher aus Wasserkraft, Sonne und Wind.

Lisbon Atlantic Hub: Portugal als Rechenzentrumsstandort

Alex Brew, Vice President Regional Sales EMEA bei Vertiv, holt einen Newcomer auf die Bühne: Jorge Paraiba vom Lisbon Atlantic Hub. Das Projekt in Portugal soll 2028 geliefert werden, bisher sei man bewusst unter dem Radar geflogen. Modular sei es von Anfang an angelegt, sagt Paraiba, weil ein kleineres Projekt wachsen könne, während ein riesiges Vorhaben im Genehmigungsverfahren schnell hängen bleibe. Fast alle Projekte verzögerten sich, ob durch Genehmigungen oder Netzanschluss.

Warum Portugal? Paraiba zählt die Standortvorteile auf:

  • Atlantik-Tor: Bereits heute gibt es viele Seekabel, ein weiteres, das die USA mit Portugal verbinden soll, sei angekündigt;
  • Stromnetz: sehr stabil und redundant, mehr als 75 Prozent erneuerbare Energie aus Wasser, Sonne und Wind;
  • Fläche: nicht mehr so günstig wie früher, aber rund um Lissabon noch vorhanden;
  • Genehmigungen: dauerten, gingen aber schneller als bei vergleichbaren Großprojekten, weil Regierung und Kommunen hinter den Vorhaben stünden;

Paraiba sagt, dass Time to Token die neue Ordnung ist. Und das sei heute wichtiger als Megawatt und Kapazität zu haben. Es komme darauf an, schnell zu liefern. Wer nicht schnell liefert, kapitalisiere seine Investition nicht.

Deshalb habe man Vertiv sehr früh ins Boot geholt, statt Anlagenpakete auszuschreiben. Das nehme ihm das Risiko ab, sagt Paraiba. Er selbst kümmere sich um Genehmigung, Standort und Netzanschluss. Von der Technik über die Lieferung Lieferung bis hin zur Inbetriebnahme liegt alles bei Vertiv. Brew ergänzt, dass spätere Ausbaustufen mit anderer Technik laufen dürften: „Das ist das Einzige, was wir wissen: Es wird sich ändern.“

European Data Center Association: Europa an einem Tisch

Auch die European Data Center Association (EUDCA) war Teil der „Vertiv Week“: Der Verband hatte in Zagreb ein europaweites Treffen abgehalten. Was dort besprochen wurde, in einem LinkedIn-Post kurz zusammengefasst:

Und die KI-Blase?

Am Ende darf die Frage nicht fehlen, die derzeit auf jeder KI-Veranstaltung fällt:

Platzt sie, die Blase?

Die Antwort beim Presse-Roundtable fällt ausweichend aus: Zu den Modellentwicklung wolle er sich nicht äußern. Vertiv liefere die Infrastruktur, und das rasch, sicher und verantwortungsvoll.

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