Der Schlüssel für die digitale Transformation des Mittelstands

Siemens wirbt für Mindsphere, Patente und Kooperation

| Redakteur: Ulrike Ostler

Klaus Helmrich, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und CEO Siemens Digital Industries, erläutert auf dem „Forum Deutscher Mittelstand“ den Sinn und Zweck von „Mindsphere“.
Klaus Helmrich, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und CEO Siemens Digital Industries, erläutert auf dem „Forum Deutscher Mittelstand“ den Sinn und Zweck von „Mindsphere“. (Bild: Siemens AG)

Die nächste Stufe der digitalen Transformation wird durch Zukunftstechnologien erreicht, wie Edge und Cloud Computing sowie Künstliche Intelligenz, so Klaus Helmrich, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und CEO Siemens Digital Industries. Mit diesen ließen sich Daten umfassender und tiefer auswerten als bisher, doch die Datenhoheit müsse beim Eigentümer bleiben. Gezielte Patenstrategien würden dem Mittelstand helfen, Innovationen im Bereich Industrie 4.0 zu schützen und neue Umsatzpotentiale zu erschließen.

Zukunftstechnologien und der Schutz geistigen Eigentums sind ein wesentlicher Hebel zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit sowie zur Erschließung neuer Geschäftspotentiale für mittelständische Unternehmen der Prozess- und Fertigungsindustrie, sagt Helmrich auf dem „Forum Deutscher Mittelstand“ in Stuttgart, auf dem 500 Vertreter aus dem Maschinen- und Anlagenbau über digitale Strategien und Zukunftstechnologien für kleine und mittlere Unternehmen diskutierten.

Mit Honig geizt er dabei nicht: „Der Mittelstand zeichnet sich seit jeher durch seine Innovationskraft aus.“ Doch nun gelte es, diese Innovationen auch zu schützen. Das bedürfe neuer Ansätze, beispielsweise bei der Patentierung von Software und Anwendungen“, führt Helmrich aus.

Mindsphere für die Datennutzung

Beispielsweise können Anwender auf Cloud-Plattformen Daten sammeln, sichten oder mit Algorithmen der künstlichen Intelligenz analysieren und erkennen, wie sie ihre Produktivitätsprozesse effizienter gestalten können, etwa indem sie neue Qualitäts-Management- und Prüfverfahren entwickeln und nutzen. Eine solche Cloud-Plattform sei „Mindsphere“, das Cloud-basierte IoT-Betriebssystem von Siemens, in dem übrigens ganz viel Cloud Foundry steckt.

Dieses ermögliche, dass die Daten dennoch allein den anwendenden Unternehmen gehörten, die diese Daten generieren: Die Entscheidung, wer Zugriff auf diese Daten hat, liege ausschließlich bei ihnen. „Unternehmen aller Branchen und jeder Größe können Mindsphere nutzen – vom Automobil- bis zum Getränkehersteller, vom Mittelständler bis zum Großkonzern“, so Helmrich.

Um vorhandene Daten und Datenpools nutzen zu können, müssen Anwender dabei in die Lage versetzt werden, Applikationen einfach und effizient zu entwickeln. Dazu bietet Siemens die Low Code Plattform von Mendix an, die auf Mindsphere verfügbar ist. So werde die Entwicklung industrieller IoT-Anwendungen deutlich einfacher und bis zu zehnmal schneller.

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Über Siemens Digital Industries

Um das Ökosystem rund um Mindsphere gemeinsam mit den Anwendern weiterzuentwickeln, haben sich inzwischen über 100 Mitglieder in einer der weltweiten Nutzervereinigungen der „MindSphere World“ zusammengeschlossen. Der deutsche Verein umfasst über 60 Mitglieder. Der Verein soll dabei die einzelnen Mitglieder bei der Entwicklung und Optimierung von IoT-Lösungen auf Mindsphere sowie der Erschließung neuer Märkte in der digitalen Wirtschaft unterstützen.

Cloud und Edge im Zusammenspiel

Künstliche Intelligenz muss dabei nicht ausschließlich in der Cloud liegen, sie kann dank immer höherer Rechenleistung und Leistungsfähigkeit auch direkt an der Maschine Daten dezentral auswerten und Handlungsoptionen vorgeben. Durch das Edge Computing werden so Automatisierungsplattformen um Datenverarbeitungsfähigkeiten ergänzt. Maschinendaten können dabei sofort, ohne weitere Übertragungswege analysiert und auf dem Shopfloor gespeichert werden, wodurch sich Leistung und Produktivität der Automatisierungslösungen erhöhen lässt.

Eine entsprechende Lösung bietet Siemens zum Beispiel mit „Industrial Edge“: Die Datenhoheit bleibt dabei auch hier immer beim Eigentümer dieser Daten; er entscheidet, wer die Berechtigung erhält, auf die Daten zuzugreifen, so heißt es von Siemens.

Während Cloud-Technologien sich für Anwendungen eigneten, in denen Daten zentral verwaltet oder in großen Mengen ausgewertet werden sollen, etwa bei der Bereitstellung von Apps und aktualisierten Softwareversionen oder bei der Erstellung von Langzeitstatistiken, lasse sich dagegen Edge Computing nutzen, wenn Daten vor Ort nahezu in Echtzeit und mit kurzen Übertragungswegen analysieren werden sollen. So könne der Anwender je nach Anforderung entscheiden, wie er die beiden Umgebungen einsetze und kombiniere.

„Mit diesem Zusammenspiel sorgen Industrial Edge und Cloud-Technologien in Kombination mit bestehenden Automatisierungslösungen für eine Renaissance auf dem Shopfloor und schaffen eine neue Dimension der Flexibilität, Skalierbarkeit und Sicherheit in der Datenverarbeitung. Und sie ebnen auch den Weg zu ganz neuen Geschäftsmodellen“, sagt Helmrich.

Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit durch Patente

Wenn Innovationen und neue Geschäftsmodelle auf Basis digitaler Daten entstehen, ist es wichtig, diese Neuentwicklungen auch zu schützen. Jedoch stammt die Mehrheit der Patentanmeldungen im Bereich Industrie 4.0 beim Europäischen Patentamt von Großunternehmen, kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) sind stark unterrepräsentiert. Dabei erzielen laut European Union Intellectual Property Office (2015) kleine und mittlere Unternehmen, die Inhaber von Rechten des geistigen Eigentums sind, einen über 30 Prozent höheren Umsatz pro Mitarbeiter.

Helmrich sagt: „Für KMUs ist es jetzt entscheidend, patentgeeignete Software-Lösungen zu entwickeln und zu identifizieren.“ Dabei gehe es nicht mehr wie früher nur um die reine Technik, sondern heute stünden Kundenvorteile und neue Geschäftsmodelle im Vordergrund.

So ließen sich patentgeeignete Erfindungen nicht mehr nur in Entwicklungsabteilungen finden, sondern beispielsweise auch im Marketing oder Vertrieb. Entsprechende Workshops und die Vernetzung mit qualifizierten Patentanwälten helfen, solche Erfindungen im eigenen Unternehmen zu identifizieren.

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