Böse Überraschungen inklusive – Wo baut sich denn ein Datacenter am besten?

RZ-Standortwahl: Alptraum auf der grünen Wiese

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Der possierliche Nager gehört zur gefährdeten Art der Feldhamster. Wo er zuhause ist, kann kein Rechenzentrum stehen.
Der possierliche Nager gehört zur gefährdeten Art der Feldhamster. Wo er zuhause ist, kann kein Rechenzentrum stehen. (Bild: Manfred Sattler/ Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz)

Glücklich, wer ganz ohne Erblasten ein neues Rechenzentrum planen kann. Denkste! Es warten schon im Vorfeld allerhand Überraschungen und Kopfzerbrechen.

State of the art soll es natürlich werden, das künftige Rechenzentrum. Nicht nur die informations- und kommunikationstechnische Einrichtung auf dem neuesten Stand der Technik und zukunftssicher.

Wer plant, blickt mit Zuversicht in die Zukunft – und kollidiert meistens schon bei solchen Aspekten mit den „Rotstiften“, wie die Controller aus der Finanzabteilung im Hause bei dieser Gelegenheit verwünscht werden. Aber was soll's, ein paar Abstriche hier und da kann man akzeptieren.

Immerhin, es wird ein neues Gebäude entstehen. Wenn das RZ nicht gerade aus Sicherheitsgründen verbunkert unter der Erde verschwinden muss, wird der Architekt schon dafür sorgen, dass es schmuck wird und in die Landschaft passt.

Ohjeh!

Genau damit gehen die Probleme schon los. So ein Bau kann natürlich nicht irgendwo entstehen, sondern nur in einem amtlich entsprechend ausgewiesenen Areal. Wenn über solche Grundlagen erst noch der Bauausschuss einer Gemeinde beschließen muss, rückt die Zukunft in weite Ferne.

Die Freiheit der Standortwahl gerät unversehens zu einer aufwändigen Angelegenheit, denn die Sache verlangt viel Recherche. Nicht nur im eigenen Büro, sondern auch bei Behörden und Firmen sowie vor Ort. Das Unglückliche daran ist, dass einer von zahlreichen Faktoren das ganze Projekt kippen kann und alles von vorn beginnt. Über die örtlichen Bebauungspläne hinaus, sind an ein Rechenzentrum besondere Anforderungen gestellt.

Die Straßenanbindung muss nicht nur für schweres Baugerät ausgelegt sein, sondern auch für das spätere Verkehrsaufkommen durch die zu erwartende Zahl der Mitarbeiter. Parkplätze natürlich zusätzlich gerechnet. Ist auch an die Verkehrsbedingungen für Einsatzfahrzeuge in Notfällen gedacht?

Die Ver- und Entsorgung durch die Stadtwerke

Mit den Stadtwerken ist zu reden. Zu einen geht es um die Versorgung mit Strom und um die Auslegung der Leitungen. Ein redundanter Anschluss an zwei verschiedene lokale Teilnetze, optimal sind zwei Umspannwerke, zwecks Sicherung gegen Stromausfälle wird sich nur an wenigen Orten zu tragbaren Preisen machen lassen.

Aus einem Vortrag von Kort-Hinrich Heumann, Chef des Bereichs Data Center Services beim TÜV Rheinland der Veranstaltungsreihe „Datacenter Experience“. Gravierende Fehler lassen sich aber schon bei der Standortwahl machen.
Aus einem Vortrag von Kort-Hinrich Heumann, Chef des Bereichs Data Center Services beim TÜV Rheinland der Veranstaltungsreihe „Datacenter Experience“. Gravierende Fehler lassen sich aber schon bei der Standortwahl machen. (Bild: TÜV Rheinland)

Zum anderen geht es um Fernwärme, Frischwasserzufuhr und Abwasserentsorgung. Die entsprechenden lokalen Netze müssen die notwendige Kapazität haben. Es ist klar, dass es noch ein Netz braucht, nämlich das für die Datenanbindung. Dazu sind Verhandlungen mit dem Netzbetreiber über schnelle Glasfaserleitungen die Voraussetzung. Wieder geht es um eine doppelte Ausführung über völlig separate Strecken, denn der nächste Bagger kommt bestimmt.

An dieser Stelle könnte sich noch einmal die gute Kommunikation mit den lokalen Behörden auszahlen. Wenn die ohnehin schon Wasser- und Stromleitungen verbuddeln müssen, ließe sich auch gleich ein Rohr für Datenkabel verlegen – und zwar eins, durch das sich später noch mehr Leitungen ziehen ließen, ohne alles wieder auszugraben.

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