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Interview mit Kerstin Held von der Bima Liegenschaft für Datacenter gesucht? „Jetzt haben wir einen Katalog.“

| Autor: Ulrike Ostler

Vor etwas mehr als einem Jahr stellt sich Kerstin Held einem Interview. Sie verkauft im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) Liegenschaften, die speziell Investoren und Projektentwickler adressieren, die Rechenzentren errichten wollen. Ihre Lernkurve war steil, zeigt sich jetzt.

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Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat Immobilien aus ihrem Verkaufsportfolio identifiziert, welche die wichtigsten Anforderungen an einen Standort für Rechenzentren erfüllen.
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat Immobilien aus ihrem Verkaufsportfolio identifiziert, welche die wichtigsten Anforderungen an einen Standort für Rechenzentren erfüllen.
(Bild: Bima)

Die Flächen, wo sich Rechenzentren ansiedeln können und wollen sind knapp und teuer. Rennen Ihnen die Bewerber die Bude ein?

Kerstin Held: Na ja, im vergangenen Jahr habe ich unser Angebot erstmals vorgestellt und die Kriterien, wie wir Konversionsobjekte aussuchen, sind prinzipiell gleichgeblieben: Es muss eine ausreichend große Fläche vorhanden sein, mindestens mind. 10.000 Quadratmeter, eine gesicherte Energieversorgung, bevorzugt unter Einbeziehung alternativer Energiequellen, zuverlässige Konnektivität, zum Beispiel durch Anbindung an Glasfaserleitungen mehrerer Anbieter, und schließlich muss die Liegenschaft erschlossen sein für den Verkehr sowie Ver- und Entsorgung.

Allerdings mussten wir einsehen, dass hauptsächlich der Raum Frankfurt gefragt ist und dass die Erwartungen der Investoren sehr hoch sind.

Doch der Trend zum Edge-Computing spielt uns in die Hände, da Rechenzentren auch an Orten notwendig werden, die außerhalb der Hotspots liegen. Und tatsächlich haben wir eine ganze Reihe an Liegenschaften ausfindig gemacht, die sich eignen könnten. Diese präsentieren wir nun online in einem Katalog „Standorte für Rechenzentren (RZ)“ und es ist geplant, diesen vierteljährlich zu aktualisieren.

Wie viele Objekte umfasst der Katalog?

Kerstin Held: Insgesamt dürften es 20 sein. Ein Objekt mussten wir wieder entfernen, das in Königs Wusterhausen; die Bundespolizei hat dort quasi Eigenbedarf angemeldet.

Der Katalog „Standorte für Rechenzentren (RZ)“ enthält derzeit 20 Liegenschaften.
Der Katalog „Standorte für Rechenzentren (RZ)“ enthält derzeit 20 Liegenschaften.
(Bild: Bima)

Dort wird unter anderem zur Unterstützung der Gesundheitsämter in Brandenburg der Einsatz von Bundeswehrangehörigen bei Corona-Tests organisiert…. Hatte die Pandemie sonst Auswirkungen auf Ihr Geschäft?

Kerstin Held: Es gibt einen amerikanischen Interessenten für ein Objekt in Berlin. Der konnte bisher natürlich nicht anreisen. Doch gehen die Verhandlungen weiter.

Das Windcloud-4.0-Rechenzentrum steht auf einem Konversionsgelände. Das ist eine schöne Werbung für Sie, oder?

Kerstin Held: Tatsächlich weiß ich erst seit Kurzem von dem Verkauf der Liegenschaften in Bramstedtlund und Enge-Sande. Ich war überrascht, weil das eigentlich Objekte in Gegenden sind, die insbesondere für Rechenzentren nicht so nachgefragt sind.

Allerdings kommt von da auch Kritik: Die Umwandlung ziehe sich, ein Nutzungskonzept mit der Gemeinde musste erst verhandelt werden.

Kerstin Held: Zur Verteidigung kann ich sagen, dass der Verkauf aus der Anfangszeit der Vermarktung für Datacenter lag. Inzwischen haben wir einiges dazugelernt, was die Beschreibungen im Katalog zeigen. Wir bereiten die Liegenschaften lange vor Aufgabe einer militärischen Nutzung für den Markt auf und sammeln Informationen, etwa zur Bausubstanz, zur Erschließung und zu etwaigen Belastungen. Zudem klären wir mit den zuständigen Behörden die baurechtlichen Rahmenbedingungen. Die Prüfung der Objekte auf ihre Beschaffenheit als Standort für ein Rechenzentrum sollte zu den örtlichen Entwicklungs- und Planungsabsichten passen und ist daher als unterstützende Maßnahme anzusehen, die einen Teil der Nachnutzungskonzeptionen darstellt.

Allerdings stehen Rechenzentren in Konkurrenz zum Bau von Wohnimmobilien und anderem Gewerbe. Und der Wohnungsbau steht in der Prioritätenliste vor Ort aber auch bei der Bima ganz oben.

Kerstin Held betreut als zertifizierte Immobilien-Projektentwicklerin bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) das seit August 2018 bestehende Projekt „Rechenzentren“. Dessen Ziel ist es, bundesweit Liegenschaften aus dem Bima-Bestand zu ermitteln, die für eine gewerbliche Ansiedlung mit dem Nutzungszweck Datacenter geeignet sind.
Kerstin Held betreut als zertifizierte Immobilien-Projektentwicklerin bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) das seit August 2018 bestehende Projekt „Rechenzentren“. Dessen Ziel ist es, bundesweit Liegenschaften aus dem Bima-Bestand zu ermitteln, die für eine gewerbliche Ansiedlung mit dem Nutzungszweck Datacenter geeignet sind.
(Bild: Bima)

Viele Gemeinden aber haben Datacenter auch einfach nicht auf dem Schirm: „Was ist denn das Neumodisches?“ heißt es dann. Und die Gemeinden haben nun einfach einmal die Planungshoheit. Den Verantwortlichen muss erst einmal klar gemacht werden, dass Rechenzentren ganz groß im Kommen sind.

Passt das denn zu den schnellen Entscheidungszeiträumen, die Investoren aus den USA und Asien vorgeben?

Kerstin Held: Ein runder Tisch für Verhandlungen und die Entscheidung fällt, ist hierzulande einfach nicht vorgesehen. Hier stoßen die Datacenter-Bauwilligen auf Bürokratie und lahme Prozesse.

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Veranstaltungshinweis

Am 15. Oktober können Interessenten Kerstin Held live erleben: Dann findet die hybride Veranstaltung „Datencenter, Immobilien für die digitale Infrastruktur“ von Heuer Dialog - in Offenbach und virtuell - statt. DataCenter-Insider ist hier Medienpartner.

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Über den Autor

 Ulrike Ostler

Ulrike Ostler

Chefredakteurin DataCenter-Insider, DataCenter-Insider