Cromwell Property Group legt Fonds für Datacenter in Frankfurt auf Eis Kein Grünstrom – kein Rechenzentrum

Autor: Ulrike Ostler

Im Sommer des vergangenen Jahres gab das australische Immobilienunternehmen Cromwell Property Group beziehungsweise dessen europäischer Reit und das zur Hongkonger Finanzgruppe EXS gehörende Unternehmen Stratus Data Centres seine Fond- und Ausbaupläne für Rechenzentren in Europa bekannt, den Anfang sollten Datacenter in Frankfurt und London machen. Jetzt gerät das Ganze ins Stocken: Die Gemeinden und Stromanbieter bringen zu wenig Grünstrom zuwege.

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Könnte so schön sein, wenn es genugend enereuerbare Energie gäbe .... Den Entwurf eines Rechenzentrums hatte Stratus Data Centers bei der ursprünglichen Ankündigung neuer Rechenzentren in Frankfurt am Main und London mitgegeben. Es findet sich nach wie vor auf der Website des Rechenzentrumsbetreibers.
Könnte so schön sein, wenn es genugend enereuerbare Energie gäbe .... Den Entwurf eines Rechenzentrums hatte Stratus Data Centers bei der ursprünglichen Ankündigung neuer Rechenzentren in Frankfurt am Main und London mitgegeben. Es findet sich nach wie vor auf der Website des Rechenzentrumsbetreibers.
(Bild: Stratus Data Centers)

Im Juni 2020 gaben die Partner bekannt, dass der Immobilieninvestor und -manager Cromwell eine Partnerschaft mit Stratus Data Centers geschlossen habe, um einen Rechenzentrumsfonds im Wert von 1 Milliarde Dollar einzurichten. Der Plan: Die Errichtung neuer Rechenzentren in Europa und anderswo in der Welt mithilfe des Stratus Cromwell Data Center Fund (SCDC Fund).

Aufgrund seiner Branchenerfahrung im Rechenzentrum sollte Stratus für die Projektentwicklung, das Leasing, das Design und den Bau verantwortlich sein und das Netzwerk seiner Muttergesellschaft EXS nutzen. Cromwell wollte das Kapital neben seiner Erfahrung im Bereich Fonds-Management und Immobilieninvestitionen einbringen.

Rob Percy, Chief Investment Officer von Cromwell, sagte damals: „Wir freuen uns, mit einer spezialisierten Organisation von Stratus zusammenarbeiten zu können, um eine aufregende Investitionsmöglichkeit zu schaffen, von der wir wissen, dass sie sowohl von führenden Betreibern von Hyperscale-Rechenzentren als auch von internationalen Kapitalpartnern stark nachgefragt wird.“

Zuerst London, dann Frankfurt

Als erste Immobilie hatten sich die Partner nach eigenen Angaben ein 100-Megawatt-Objekt ausgeguckt, das auf 6 Hektar im Raum London angesiedelt sein soll, danach sollte ein 300-Megawatt-Projekt im Raum Frankfurt folgen. Für die beiden Projekte wurden bereits 25 Prozent des Fonds-Portfolios eingeplant. Es liefen bereits Vorleasingverträge und Planungsprozesse.

Eric Solberg, Vorsitzender von Stratus und EXS, kündigte vergangenes Jahr aber auch an: „Die Projekte in London und Frankfurt stehen erst am Anfang. Weitere Projekte wurden in wichtigen Gateway-Städten in Europa wie Dublin und Mailand sowie in Asien wie Tokio, Manila, Jakarta und Mumbai identifiziert. Als spezialisierter Entwickler von Entwicklern für asiatische Immobilien freut sich EXS, unser Netzwerk regionaler lokaler Partner in den SCDC-Fonds aufzunehmen.“

Schon damals freuten sich aber nicht alle Aktionäre, zum Beispiel ARA, das während eines feindlichen Übernahmeangebots versucht hatte, einen ARA-Vertreter in den Cromwell-Vorstand zu setzen. „ARA ist entsetzt darüber, dass Cromwell sich kürzlich verpflichtet hat, erhebliche Mittel von Wertpapierinhabern für Investitionen in Rechenzentren bereitzustellen, einem Sektor, in dem Cromwell keine Expertise hat", sagte ein Sprecher von ARA Asset Management.

Geplatzt oder aufgeschoben?

Jetzt berichtet die „Australian Financial Review“, dass der Fonds geparkt wurde, nachdem die Bemühungen, erneuerbare Energien zur Stromversorgung der Standorte zu sichern, gescheitert waren. Die beiden Standorte befanden sich bereits in der Entwicklung durch Stratus - Teil des Private-Equity-Fonds EXS Capital Group - als Cromwell den Fonds ankündigte, und Stratus hat die Standorte immer noch auf der Website des Unternehmens aufgeführt.

Die australische Zeitung zitiert Geschäftsführer Michael Wilde mit der Aussage: „Die ursprüngliche Struktur, die wir untersucht haben, entspricht nicht unseren Anforderungen, aber die Anlageklasse selbst ist für viele unserer Kapitalpartner von Interesse. Wir werden weiterhin sehen, was wir in diesem Bereich tun können."

Ob der Frust über das Scheitern der Bemühungen, erneuerbare Energien für die Stromversorgung der Standorte zu sichern, der tatsächliche Grund für das vielleicht vorläufige Aus der ambitionierten Datacenter-Pläne von dem Investor aus Brisbane und Stratus sind oder doch eher die Cromwell-internen Turbulenzen, lässt sich an dieser Stelle nicht klären. Es war aus dem deutschen Management von Cromwell und Status niemand zu einer Aussage bereit.

Um genau zu sein lautet der Kommentar seitens Cromwell: „Im Moment gibt es dazu keine weiteren Kommentare; wir werden Sie jedoch auf dem Laufenden halten, wenn es weitere Updates von der Gruppe über den Markt für Rechenzentren gibt.“

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Über den Autor

 Ulrike Ostler

Ulrike Ostler

Chefredakteurin DataCenter-Insider, DataCenter-Insider