Project Suncatcher schickt KI-Hardware ins All Jetzt startet das Google-Re­chen­zen­t­rum im All

Von Paula Breukel 3 min Lesedauer

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Google testet erstmals KI-Hardware unter realen Bedingungen im Orbit. Vier Tensor Processing Units (TPUs) sollen zeigen, ob Strahlung, Vibration und vor allem die Wärmeabfuhr den Aufbau orbitaler Recheninfrastruktur zulassen.

Warum KI-Rechenzentren ins All verlagern? Google testet dafür erstmals TPUs im Orbit. Dauerhafte Solarenergie und weniger Flächenengpässe stehen Problemen bei Kühlung, Wartung und Weltraumschrott gegenüber.(Bild:  © CNES/ill./DUCROS David, 2015)
Warum KI-Rechenzentren ins All verlagern? Google testet dafür erstmals TPUs im Orbit. Dauerhafte Solarenergie und weniger Flächenengpässe stehen Problemen bei Kühlung, Wartung und Weltraumschrott gegenüber.
(Bild: © CNES/ill./DUCROS David, 2015)

Google bringt sein „Project Suncatcher“ in die nächste Phase. Heute, am 1. Oktober, soll ein Testsatellit mit vier Tensor Processing Units (TPUs) an Bord einer „Falcon 9“ von Spacex ins All starten. Die Mission soll zeigen, wie sich die KI-Beschleuniger unter realen Bedingungen im niedrigen Erdorbit verhalten.

Google verfolgt mit Suncatcher langfristig die Idee, Rechenleistung für Künstliche Intelligenz (KI) in Satelliten auszulagern. Das Unternehmen hatte das Projekt bereits im November 2025 vorgestellt. Damals waren zwei Prototypen für eine Lernmission bis Anfang 2027 angekündigt. Nun zieht Google den ersten Hardwaretest vor.

Vier TPUs testen die Infrastruktur im Orbit

Der aktuelle Satellit entsteht gemeinsam mit dem Erdbeobachtungsunternehmen Planet und fliegt als Teil der „Transporter-18-Rideshare“-Mission mit. Im Mittelpunkt stehen die „Trillium“-TPUs von Google. Sie sollen unter anderem zeigen, wie gut die Beschleuniger mit Strahlung und den mechanischen Belastungen eines Raketenstarts umgehen.

Google hat die Hardware bereits am Boden getestet. Dazu gehörten Vibrationstests sowie Versuche mit Protonenstrahlung. Nach Angaben des Unternehmens überstanden die TPUs dabei eine Strahlungsdosis, die über der Belastung einer fünfjährigen Weltraummission liegt. Erst der Einsatz im Orbit soll nun zeigen, wie sich die Hardware unter den tatsächlichen Bedingungen verhält.

Wärmeabfuhr bleibt ein Infrastrukturproblem

Für Betreiber orbitaler Recheninfrastruktur ist dabei nicht nur die Strahlung relevant. Eine der größten technischen Herausforderungen ist die Kühlung. Im Vakuum fehlt die Luft, über die Rechenzentren auf der Erde einen Teil ihrer Abwärme abführen.

Google setzt deshalb auf Heatpipes und Radiatoren. Die Heatpipes transportieren die Wärme von den Chips zu Flächen, die sie als Wärmestrahlung ins All abgeben. Das Unternehmen hat diesen Ansatz bereits in einer thermischen Vakuumkammer getestet. Der Flug soll zeigen, wie sich das Kühlsystem unter realen Bedingungen bewährt.

Auch die verfügbare Energie spricht zunächst für einen Einsatz im Orbit. Google verweist darauf, dass Satelliten dort nahezu dauerhaft Sonnenlicht nutzen können. Nach Unternehmensangaben lässt sich in niedrigen Erdumlaufbahnen bis zu achtmal mehr Solarenergie gewinnen als mit vergleichbaren Anlagen am Boden.

Von einem orbitalen KI-Rechenzentrum ist der aktuelle Test allerdings noch weit entfernt. Google untersucht zunächst einzelne Hardware- und Infrastrukturkomponenten. Erst spätere Missionen sollen zeigen, ob sich daraus skalierbare Rechenkapazität entwickeln lässt.

Satelliten sollen über Laser verbunden werden

Für eine größere Infrastruktur plant Google Satelliten mit jeweils Dutzenden TPUs. Mehrere Satelliten sollen dabei als Cluster zusammenarbeiten. Dafür benötigt das Unternehmen schnelle Verbindungen zwischen den einzelnen Systemen.

Google will dafür optische Laserlinks einsetzen. Die Herausforderung liegt weniger in der Technologie als in der Kombination aus hoher Bandbreite und präziser Ausrichtung bewegter Satelliten. Zwei weitere Satelliten sollen 2027 genau diese Kommunikation testen.

Damit verschiebt sich die Fragestellung von der einzelnen Recheneinheit zur Infrastruktur. Energieversorgung, Kühlung, Interconnects und die Kommunikation zur Erde müssen gemeinsam funktionieren, damit aus einzelnen Satelliten tatsächlich eine verteilte Rechenplattform werden kann.

Spacex und Blue Origin verfolgen eigene Konzepte

Google ist mit dieser Idee nicht allein. Spacex arbeitet unter dem Namen „StarMind“ an eigenen Satelliten mit lokalem KI-Computing. Die aktuellen Entwürfe sehen „AI1“-Satelliten mit bis zu 250 Kilowatt Spitzenleistung und 175 Kilowatt durchschnittlicher Leistung vor. Die Systeme sollen Rechenleistung im Orbit bereitstellen und Ergebnisse über Laser an das „Starlink“-Netz übertragen.

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Spacex plant zudem eine eigene Fertigung für die Satelliten. Die sogenannte „Gigasat Factory“ in Bastrop soll ab Ende 2027 Tausende KI-Satelliten produzieren können. Für den Transport in den Orbit setzt das Unternehmen auf Starship.

Auch Blue Origin arbeitet an orbitaler Recheninfrastruktur. Das Unternehmen hat bei der US-amerikanischen Federal Communications Commission (FCC) eine Konstellation mit bis zu 51.600 Satelliten beantragt. „Project Sunrise“ soll Rechenzentren im All ermöglichen und in sonnensynchronen Umlaufbahnen betrieben werden.

Hinzu kommen weitere Ansätze aus der Branche. AMD beschreibt den Weltraum als besonders anspruchsvolle Edge-Umgebung und arbeitet an Hardware für entsprechende Anwendungen. Dabei stehen lokale Verarbeitung, begrenzte Kommunikationsverbindungen sowie knappe Energie- und Wärmebudgets im Mittelpunkt.

Vom Rechenzentrum zum verteilten Orbit-System

Damit entsteht ein neues Infrastrukturmodell, das sich deutlich von klassischen Rechenzentren unterscheidet. Statt einer zentralen Anlage mit Netzanschluss, Kühlwerk und Serverräumen entstehen verteilte Rechenknoten im Orbit.

Der aktuelle Google-Test beantwortet allerdings zunächst eine wesentlich grundlegendere Frage:

Hält die Hardware die Bedingungen überhaupt aus?

Erst wenn Strahlung, Energieversorgung, Kühlung und Kommunikation zuverlässig funktionieren, lässt sich über größere Cluster sprechen.

Google bezeichnet Suncatcher deshalb selbst als langfristiges Forschungsprojekt. Der Start ist kein fertiges orbitales Rechenzentrum, sondern ein erster Praxistest für die dafür notwendigen Bausteine.

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