Über die Notwendigkeit von Zusammenarbeit

IT-Silos und ihre (nicht) versteckten Kosten

| Autor / Redakteur: John R. Gentry* / Ulrike Ostler

Die organisatorische Trennung der Teams für Storage, Netzwerk, Computing, Datenbanken und Anwendungen ist altertümlich. Jeder weiß es, (im Prinzip) doch hier gibt es eine Erklärung aus berufenem Munde.
Die organisatorische Trennung der Teams für Storage, Netzwerk, Computing, Datenbanken und Anwendungen ist altertümlich. Jeder weiß es, (im Prinzip) doch hier gibt es eine Erklärung aus berufenem Munde. (Bild: gemeinfrei: makamuki0/Pixabay)

Einige der häufigsten Beschwerden meiner Kunden stehen in direktem Zusammenhang mit den Problemen, die voneinander getrennte IT-Abteilungen erzeugen und fortbestehen lassen. Gemeint ist die organisatorische Trennung der Teams für Storage, Netzwerk, Computing, Datenbanken und Anwendungen. Doch gibt es einige Unternehmen, die dieses Problem angehen und bewältigen, an Effizienz gewinnen und sich letztendlich einen Wettbewerbsvorteil auf dem Markt verschaffen.

Aus unterschiedlichen Studien geht hervor, dass weniger als die Hälfte aller großen Unternehmen gemeinsam an so etwas Grundlegendem wie der Festlegung von Leistungsanforderungen für neue Infrastrukturen arbeiten. Das Problem wiederholt sich unabhängig von Region, vertikalem Markt, Unternehmensgröße und Unternehmensalter immer wieder.

John R. Gentry hält IT-Infrastruktursilos für altes Eisen.
John R. Gentry hält IT-Infrastruktursilos für altes Eisen. (Bild: Forbes Technology Council)

Die Trennung der IT hat ihre Wurzeln in den technischen Spezialkenntnissen, die für bestimmte Bereiche nötig sind. Diese empfundene Notwendigkeit wurde jahrelang von den Anbietern, durch die Einführung neuer Technologien – sehen wir der Wahrheit ins Gesicht, wir alle sind gut darin, neue Technologien zu implementieren, und ziemlich schlecht darin, alte Technologien außer Betrieb zu nehmen – und von Experten für alte Systeme weiter befeuert, die versuchen, sich unentbehrlich zu machen, um ihren Arbeitsplatz zu sichern. Diese Situation wird wiederum von der Tatsache verschärft, dass jeder Anbieter und jede neue Technikgeneration eigene spezifische Tools mitbringt, die im Allgemeinen nicht untereinander kompatibel sind und nicht in einem gemeinsamen Kontext funktionieren, was Silos wiederum fortbestehen lässt.

  • Hier sind die Fragen, auf die es wirklich ankommt:
  • Ist spezialisiertes Wissen immer noch relevant, geschweige denn notwendig?
  • Sichert es wirklich Arbeitsplätze?
  • Hilft ein spezialisierter Mitarbeiter, der seinen Wert beweisen will, wirklich dem Unternehmen?

Einstellungssache

Viele der Probleme im Zusammenhang mit IT-Silos sind auf das so genannte statische Weltbild zurückzuführen. Das ist der Glaube, dass bestimmte Eigenschaften, Fähigkeiten und Denkweisen statisch beziehungsweise unveränderbar sind – so hat es Carol Dweck in ihrem Buch „Selbstbild“ definiert.

Da die Fähigkeit der IT, einen Geschäftswert oder gar einen Wettbewerbsvorteil zu bieten, auf Menschen, Prozessen und Technologien beruht, ist diese isolierte Vorgehensweise nicht nur die Schuld der Technik. Da Prozesse aus dem Denken der Menschen entstehen, müssen wir auch hier ansetzen.

Wenn ein statisches Weltbild zu Widerstand gegen Änderungen führt und die Hauptmotivation der Menschen Selbstbehauptung ist, was ist die Alternative? Ein dynamisches Weltbild – der Glaube, dass nichts in Stein gemeißelt oder unveränderlich ist und dass Herausforderungen eine Wachstumsgelegenheit sind und die Anpassung des eigenen Denkens erfordern.

Softe Skills und harte Dollar

Der Microsoft-CEO Satya Nadella führt den kulturellen Wandel in Unternehmen auf die Änderung von einem statischen hin zu einem dynamischen Weltbild zurück. Das hat Microsoft nicht nur seine Relevanz zurückgegeben, sondern auch seinen Marktwert um 350 Milliarden Dollar gesteigert.

Wie kann man diesen Wandel also auf die Arbeitsweise einer IT-Organisation übertragen? Sehen wir uns einmal an, wie bestimmte Unternehmen mit ihren Silos umgehen, und ob sie eine Kultur der Zusammenarbeit einführen konnten, die besser für das Geschäft ist.

Die Gefahren eines gemischten Weltbilds

Sehen wir uns zunächst ein Unternehmen an, das sich zwar auf dem neuesten Stand der Technik befindet und einen großen Wunsch nach Innovationen hat, und dennoch durch ein statisches Weltbild zurückgehalten wird, das es sowohl Geld als auch Zeit kostet. Dieser große Finanzdienstleister hat verschiedene Geschäftseinheiten in zahlreichen Regionen der Welt. Er verfügt über einige spezialisierte IT-Systeme für die Unterstützung bestimmter Geschäftsbereiche und Regionen.

Gleichzeitig gibt es auch eine sehr große IT-Organisation für Shared Services, deren Ziel es ist, im gesamten Unternehmen IT as a Service bereitzustellen. Leider arbeitet die IT nach wie vor in Silos – es gibt einzelne Organisationen für Computing, Netzwerke und Speicher. Und selbst diese Silos bestehen noch einmal aus kleineren Silos.

Das Ergebnis sind naturgemäß unabhängige Teams, die überhaupt nicht aufeinander abgestimmt sind. Wenn ein Team eine Entscheidung trifft, denkt es nicht an den Domino-Effekt, den diese für die gesamte Organisation haben könnte. Eine dieser Entscheidungen, die innerhalb eines dieser Silos getroffen wurde, hat zu einem Ausfall geführt, der dem Unternehmen nicht nur Zeit und Geld gekostet, sondern sich auch direkt auf die Kunden ausgewirkt hat, was wiederum weitere Konsequenzen nach sich gezogen hat.

Dynamisches Weltbild bei der Arbeit

Sehen wir uns nun eine andere Organisation mit einem dynamischen Weltbild an, die ihre Teams funktionsübergreifend zusammengeführt hat, um die Zusammenarbeit zu fördern und den Nutzen für das Unternehmen zu erhöhen. Es handelt sich dabei um einen Stromanbieter, der auf einem Markt tätig ist, auf dem Performance und Verfügbarkeit besonders wichtig sind. Statt die Funktionen der IT-Organisation einzelnen oder isoliert zu betrachten, hat das Unternehmen sich um einen einzigen Aspekt herum organisiert: Zuverlässigkeit.

Wenn die Organisation über Änderungen nachdenkt, geschieht das gemeinschaftlich, so dass direkte und indirekte negative Auswirkungen vermieden werden. Es gibt ein umfassendes Verständnis darüber, wie jeder Bestandteil die anderen beeinflusst, und man weiß genau, was für die geschäftskritischen Anwendungen benötigt wird.

Das Ergebnis? Aus Sicht der Personalabteilung ist das Unternehmen dreimal effizienter als zuvor, es setzt Projekte vier- bis fünfmal schneller um und maximiert Infrastrukturinvestitionen über eine Lebensdauer von fünf Jahren. All das führt zu einer gesünderen Gesamtorganisation und zu einer zufriedenstellenderen Beziehung zwischen Kunden und Mitarbeitern.

Best Practices

Wenn man noch einen Schritt weiter denkt, wird klar, dass diese Art der domänenübergreifenden Zusammenarbeit sogar einen Wettbewerbsvorteil mit sich bringt, wie man bei führenden Unternehmen für Online-Transaktionen und Online-Händlern beobachten kann. In diesen Organisationen arbeiten Infrastrukturteams direkt mit den Anwendungs- und Datenbankteams zusammen, um Infrastruktur und Anwendungen für maximale Performance zu optimieren. Das beschleunigt nicht nur die Transaktionen von heute, die Umsatz liefern, sondern steigert auch die Innovationsfrequenz für neue Produkte von morgen.

Laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht von Forrester (The Infrastructure Transformation Playbook For 2019) über Silos in Organisationen werden Unternehmen in Zukunft der Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern einen hohen Wert zumessen. Das wird die Führungsfunktion der Leitungsebene hin zum Management eines dynamischen Unternehmens verschieben.

Am Ende werden Chief Information Officers (CIOs) als „Anführer“ gesehen werden, die sich darum kümmern, dass ihre Organisationen dynamisch und reaktionsfreudig bleiben, und sie werden verantwortlich dafür sein, dass unproduktive Silos endgültig der Vergangenheit angehören.

* John R. Gentry vom Forbes Technology Council. Der Forbes Technology Council ist eine Community auf Einladung für CIOs, CTOs und technische Führungskräfte der Weltklasse. Außerdem ist Gentry Chief Technology Officer und SVP of Business Development at Virtual Instruments.

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Viele meiner Kunden haben nur noch 2 Silos: Infrastruktur und Applikationen. Das hat auch seinen...  lesen
posted am 18.03.2019 um 11:20 von Unregistriert

Genau, und deswegen gehe ich auch zum Zahnarzt wenn mein Bein gebrochen ist... Wozu brauchen wir...  lesen
posted am 18.03.2019 um 07:25 von Unregistriert


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