Erweiterung bei Zenium, Equinix kauft dazu

IT-Investments in London und Istanbul

| Autor: Ludger Schmitz

Zenium hat sein Rechenzentrum in Istanbul an Equinix verkauft. es heißt jetzt "IS1".
Zenium hat sein Rechenzentrum in Istanbul an Equinix verkauft. es heißt jetzt "IS1". (Bild: Zenium)

Brexit und Türkei-Krise gelten als Auslöser eines Abzugs von Investitionen aus diesen Regionen. Doch ein Zenium-Kunde aber hat in London einen Großauftrag erweitert, und Equinix übernimmt in Istanbul ein Rechenzentrum.

Seit dem Brexit-Votum ist vor allem die Londoner Finanzszene verunsichert oder schon auf der Flucht. Mit dem britischen Abschied von Europa kann London nicht mehr das Standbein in der EU sein. Das hat Folgen für IT-Dienstleister, insbesondere Anbieter von Rechenzentrumskapazitäten. In Europa buhlen mehrere Metropolen um die Finanzinstitute. Paris, Amsterdam und vor allem Frankfurt wegen des weltgrößten Internetknotens erleben einen Rechenzentrumsboom.

Ähnlich ist es in der Türkei. Die sich mit nationalistischen Tönen und Menschenrechtsverletzungen profilierende Erdogan-Regierung war von Europa lange nicht mehr so weit entfernt wie heute. Hier sind ausländische Investoren zumindest sehr zurückhaltend geworden. Also auch hier kein Bedarf an weiteren RZ-Kapazitäten?

Manchmal kommt es anders als gedacht

Allerdings gibt es Beispiele, die der Erwartung widersprechen. Zumindest gibt es RZ-Service-Anbieter, die sich im Wettbewerb mit anderen behaupten. Manche können dabei offenbar sogar gewinnen.

So hat ein Kunde von Zenium seinen bisher schon bestehenden Mietvertrag für das Rechenzentrum „London One“ um 1 Megawatt erweitert. Dabei dehnt der Kunde sich nicht auf Server in der Nähe schon genutzter Reihen aus, sondern wird ins Erdgeschoss einer zweiten Halle einziehen. Dort hat er sich darüber hinaus die Option auf weitere 2 MW gesichert.

Auch Zenium Frankfurt Two schon zur Hälfte ausgebucht

Dieser ungenannte Kunde geht also von einem unverändert steigenden RZ-Bedarf aus. Und den erwartet er nicht nur in London, sondern auch in Frankfurt. Denn in der Rhein-Main-Metropole hat derselbe Kunden sich bei Zenium in dessen Rechenzentrum „Frankfurt Two“ weitere 1,76 MW RZ-Leistung gesichert, plus einer zusätzlichen Option auf das Doppelte.

London One liegt im westlichen Londoner Vorort Slough und ist ein bevorzugter RZ-Standort in diesem Großraum. Das Rechenzentrum ist seit 2016 in Betrieb und bietet auf 4300 Quadratmetern Fläche 9 MW Leistung. Frankfurt Two im Stadtteil Sossenheim bietet dann mit dem nebenan gelegenen „Frankfurt One“ 7500 Quadratmeter Fläche und 17,6 MW Stromversorgung. Frankfurt Two geht erst im zweiten Quartal 2018 in Betrieb, ist aber jetzt schon zu 50 Prozent ausgebucht.

Equinix übernimmt von Zenium

Dagegen ist Zenium auf dem Rückzug aus der Türkei. Das Unternehmen hat sein Rechenzentrum in Istanbul verkauft, das bisher 2,5 Millionen Dollar Jahresumsatz generierte. Zenium kassierte dafür 93 Millionen Dollar – und zwar von Exquinix. Der Käufer hat das Rechenzentrum bereits in „Equinix IS2“ unbenannt. Es bietet 1500 Quadratmeter Fläche mit einer Option auf 12.000 Quadratmeter und 22 MW. Der Colocation-Anbieter betreibt in Istanbul bereits das Data Center „IS1“.

Equinix setzt auf Expansion – ungeachtet der Verhältnisse in der Türkei. So heißt es in einer Pressemitteilung von Equinix, Istanbul sein „ein strategisches Portal zwischen Europa und Asien mit kritischer ökonomischer und geopolitischer Bedeutung“. Das Unternehmen verweist darauf, dass sich in Istanbul mehrere Glasfaser-Seekabel zwischen Europa, Afrika und Asien treffen.

Istanbul: Schaltstelle zwischen Kontinenten

Equinix hat jetzt 67 seiner 180 „Internetions Business Exchange“ (IBX) Rechenzetren in 18 Metropolen und 13 Ländern Europas und des Nahen Ostens. Das Unternehmen übernimmt mit IS2 zehn Netzwerkanbieter, darunter Turk Telekom. Offenbar setzt Equinix vor allem auf den wachsenden lokalen Bedarf. So spricht das Unternehmen in seinem Statements unter der ersten Begründung von einem erweiterten Angebot für türkische Unternehmen.

Erst später ist in der Equinix-Meldung allgemein von einem wachsenden allgemeinen Bedarf in Folge von Cloud Computing die Rede. Dort verweist der Anbieter auf den „Global Interconnection Index“, wonach der Bandbreitenbedarf in Europa bis zum Jahr 2020 jährlich um 44 Prozent auf 1451 Tbps steigen werden. Offenbar sieht sich Equinix in Istanbul an der Schaltstelle zwischen Europa, Asien und Afrika.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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