Ein ROI von 668 Prozent über drei Jahre Große Pläne für die Ansible Automation Platform

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 6 min Lesedauer

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Die IBM-Tochter Red Hat hat kürzlich Anwender von der „Ansible Automation Platform“ (AAP) und Partner nach München eingeladen, um sie über den Stand der Dinge und Zukunftspläne zu informieren. Letztere sind weitreichend.

Einen Ausblick auf die Zukunft der „Red Hat Ansible Automation Platform“ hat Red Hat jüngst in München gewährt. (Bild:  Red Hat)
Einen Ausblick auf die Zukunft der „Red Hat Ansible Automation Platform“ hat Red Hat jüngst in München gewährt.
(Bild: Red Hat)

Die IT-Infrastrukturen von Unternehmen und Organisationen werden komplexer und Cloud-orientierter. Außerdem ist die Personaldecke im IT-Bereich dünn gestrickt.

In dieser Situation wird Automatisierung in Aufbau, Betrieb und Management des IT-Unternehmensrückgrats immer wichtiger. „Ansible“ mit seinen Playbooks, vordefinierten "Kochrezepten" für die per Software bewerkstelligte Bereitstellung und Konfiguration von Infrastrukturen, ihren Betrieb oder ihre Modifikation, ist hier derzeit faktisch marktführend. Weiterentwickelt wird die Open-Source-Software maßgeblich von Red Hat.

Einfacher, integrativer, breiter anwendbar

Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Ansible Automation Plattform (AAP). Sie soll, so Red Hat, den Anwendern einen einfacheren und individualisierten Zugang zu den Automatisierungsfunktionen von Ansible eröffnen.

Nun möchte Red Hat verstärkt Partner in die Plattform einbinden. Außerdem werden neue Kundengruppen und Umgebungen für AAP angepeilt, beispielsweise AI- und ereignisgetriebene Infrastrukturen oder GRC (Governance, Risk, Compliance)-Umgebungen.

Wrap-Up 2023

Zur Erinnerung: 2023 hatte Red Hat das AAP-Release 2.4, erstmalig für Event-driven-Architekturen, mit Repository-Management, validierter Content-Integration, dem „Ansible Builder 3.0“ und Installationsunterstützung für ARM, „IBM Z“ und „Power“ eingeführt. Außerdem können Kunden seitdem Ansible-Abos in der AWS-Cloud erwerben. Auf Azure ist Ansible für den Eigenbetrieb zugänglich.

Mit „Lightspeed“ stellte Red Hat zudem eine vom „IBM-Watson-Code-Assistant“ unterstützte KI-Funktion für das Schreiben von Playbooks vor. Und das Entwicklungs-Tool „Molecule“ unterstützt seit 2024 das Multifunktions-Testen von Ansible-Rollen unter unterschiedlichen Betriebssystemen.

AI wird zukünftig Automatisierungs-Selbstverständlichkeit

Mit der Lightspeed-Einführung springt Red Hat auf den rasenden KI-Zug auf. AI werde, so Red Hat, in Zukunft eine unverzichtbare Rolle beim Infrastruktur-Management spielen, das den dünn besetzten IT-Teams ohne weitgehende Automatisierung über den Kopf wächst.

Belkacem Moussouni, Head of Business Development EMEA im Bereich Automatisierung, zitierte Marktforschungsdaten, denen zufolge AI-basierte Automatisierung bis 2027 manuelle Aufgaben um 70 Prozent reduzieren werde, und zwar bei höherer Management-Qualität. „99 Prozent der von Etisalat befragten Anwender erreichen mehr Konsistenz, mehr Sicherheit und mehr Wiederholbarkeit.“

Bei IBM habe der Einsatz generativer AI den Entwicklungsaufwand um die Hälfte verringert. Und beim spanischen Versicherer Mutuamadrilena hätten die IT-Service-Anfragen um die Hälfte abgenommen. Das rechnet sich: Eine IDC-Studie bescheinigte AAP mit AI-Integration einen ROI von 668 Prozent über drei Jahre.

Weiterer Ausbau 2024

2024 soll es in großen Schritten weitergehen mit dem AAP-Ausbau, hat Automation Strategist Marc Schwering in München Kunden und Partnern geäußert. Dabei stehen die drei Themen Create, Manage und Skalierung im Vordergrund.

„Umfassende Toolbox für die Automatisierung“, so bezeichnet Marc Schwering, Automation Strategist bei Red Hat, die Software „Ansible“. (Bild:  Red Hat)
„Umfassende Toolbox für die Automatisierung“, so bezeichnet Marc Schwering, Automation Strategist bei Red Hat, die Software „Ansible“.
(Bild: Red Hat)

Entwickler profitieren als erstes von einer umfassenden Toolbox für den Aufbau automatisierter Umgebungen profitieren, zu der Befehlszeilen-Tools, eine Umgebung zum Aufbau von Ausführungsumgebungen und Ansible Navigator zum Durchpflügen des generierten Content gehören.

Zum Test-Tool Molecule packt „Red Hat Lint, ,das gern als Fusselbürste für Ansible-Playbooks bezeichnet wird, dazu. Ferner kommen „Ansible Creator“, das Python-Test-Tool „pytest-ansible“ und weitere Werkzeuge hinzu.

Ein Zugang für alle Automatisierungsprojekte unter Ansible

Zweitens, so Schwering, soll ein Developer Hub entstehen, „ein einheitlicher Zugangspunkt für die gesamte Automatisierungsentwicklung“. Der komme allerdings erst in der zweiten Jahreshälfte.

Red Hat greift seinen Kunden dabei unter anderem durch Templates, vorformulierte individualisierte Prozessstrukturen (Golden Paths), zusätzliche Dienstleistungen und die Dokumentation verbreiteter Anwendungsfälle unter die Arme. Unternehmen können ihre eigene Entwicklungsumgebung entweder auf konventioneller Infrastruktur oder in „Openshift Dev Spaces“ mit „Visual Studio“ aufbauen. Dabei können sie auch Lightspeed nutzen. Fürs Risiko-Management bei DevOps-Prozessen wird „Ansible Risk Insights“ integriert.

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Paketierte Automatisierung

Fürs Ende des Jahres plant Red Hat so genannte Automation Applications. Das sind vollständige Softwarepakete, mit denen sich Automatisierungsaufgaben einfach verteilen und anwenden lassen. Das Ganze kommt aber erst ab dem vierten Quartal. Im ersten Stadium soll AAP um Projekte, Job Templates und Workflows sowie weitere Informationen aus Ansible angereichert werden.

„AAP“ vereinigt alle Funktionen rund um die Automatisierung unter einem Dach und einer Benutzerschnittstelle.(Bild:  Red Hat)
„AAP“ vereinigt alle Funktionen rund um die Automatisierung unter einem Dach und einer Benutzerschnittstelle.
(Bild: Red Hat)

Im zweiten Stadium lässt sich dann der integrierte Content zur Bewältigung komplexer Tasks logisch aneinander koppeln (Composable Automation). Und schließlich sollen im dritten Stadium Automatisierungsprozesse möglichst weitgehend automatisch als Funktion ablaufen.

Schließlich möchte Red Hat auch das Management von Ansible-Automatisierungsumgebungen wesentlich vereinfachen. Dazu dient eine noch im Juli mit AAP 2.5.1 zu erwartende einheitliche Benutzerschnittstelle für alle: den IT-Betrieb, Entwickler und Plattform-Administratoren.

Hier sollen sich alle Beteiligten zentral authentisieren und autorisiert werden, hier wird das rollenbasierte Sicherheitskonzept definiert und angewandt und hier finden sich die verbesserten Funktionen für das laufende Betriebsmanagement.

Mehr Komfort und Resilienz für ereignisgetriebene Infrastrukturen

Wer Ansible ereignisgetrieben betreibt, profitiert ab dem dritten Quartal des laufenden Jahres von speziellen Controllern, die mit AAP 2.5 auf den Markt kommen. Sie ermöglichen unter anderem das aktive und passive Umschalten zwischen unterschiedlichen Bereitstellungsformen.

Die Event-driven Ansible Controller kommen gebündelt mit einem Installations-Tool oder „Openshift Operator“. Deshalb lassen sie sich laut Red Hat relativ einfach konfigurieren.

Für „GRC“-Umgebungen (GRC = Governance, Risk und Compliance) möchte Red Hat ebenfalls noch 2024 - allerdings ohne festes Datum - weitere Funktionen in AAP einführen. Dazu gehören die individualisierte, risikobasierende Regelerzwingung schon während er Entwicklung und Reporting-Mechanismen.

Besser skalieren

Für mehr Skalierbarkeit wird AAP auf RHEL (Red Hat Enterprise Linux) in Container gepackt. So passen mehrere Dienste auf eine Instanz.

AAP gibt es jetzt auch auf dem „AWS-Marketplace“. Das bedeutet, dass Red Hat den Großteil der Management-Aufgaben übernimmt. Kunden sind nur für die Ausführungsebene und hier für die Sicherheit und Skalierbarkeit ihrer Infrastruktur zuständig.

Red Hat hat eine ganze Reihe von Programmier- und Test-Tools sowie weitere Werkzeuge in seine neue „AAP“-Toolbox gepackt. (Bild:  Red Hat)
Red Hat hat eine ganze Reihe von Programmier- und Test-Tools sowie weitere Werkzeuge in seine neue „AAP“-Toolbox gepackt.
(Bild: Red Hat)

Schließlich sichert Red Hat jetzt volle Funktionsgleichheit auf allen Infrastrukturen zu, wenn Red Hat bei vermaschten Entwicklungsumgebungen auf unterschiedlicher Infrastruktur. Dass gilt beispielsweise wenn diese in unterschiedlichen Clouds laufen.

SAP-Automatisierung: Starten mit PoC

Wer komplexe Automatisierungsprojekte mit SAP gestalten will, sollte am besten mit einem nicht zu umfangreichen PoC (Proof of Concept) starten. Diese Weisheit ist zwar nichts Neues, kann aber gar nicht oft genug betont werden.

Darauf hat Joachim Kunze, EMEA Senior Solution Architect, hingewiesen. Gerade die Automatisierung von SAP-Umgebungen unter RHEL (Red Hat Enterprise Linux) werde mit vorformulierten Rollenkonzepten unterstützt. Ä

hnliche Rollenkonzepte werden auch von der Ansible-Community definiert. Sie finden sich zum Beispiel auf Github.

Kundenbeispiele vom Integrator

Zu den größten Partnern mit viel Ansible-Know-how gehört der aus IBM ausgelagerte Integrator und Dienstleister Kyndryl. So verwaltet das Unterehmen automatisiert rund 700.000 Managed Endpoints bei mehr als 1.200 Kunden weltweit.

Zu den Kunden, bei denen Kyndryl Red Hat/Ansible-Technologie einsetzte, gehört beispielsweise der Reisedienstleister Alpitour aus Italien. Dort hat Kyndryl unter Reduzierung der Infrastrukturkosten eine anpassungsfähige, zukunftssichere Infrastruktur aufgebaut.

Beim Einzelhändler Carrefour hat Kyndryl mit Hilfe von AAP die gesamte Enterprise-Cloud mit 400 Servern unterbrechungsfrei in eine zentralisierte Betriebsumgebung migriert. Nun sollen mehr als 700 Server in den einzelnen Läden folgen.

Weitere Partnerschaften

Partner Cyberark wiederum kombiniert seine anwendungen für identitätsbasierende Sicherheit auch in IoT- und Automatisierungs-Umgebungen bei der Realisierung von Kundenumgebungen mit AAP. Auch Arista, Spezialist für Hochleistungs-Ethernet-Switches, arbeitet eng mit Red Hat Ansible zusammen. So gibt es mit AVD (Arista Validated Designs) Ansible vorab definierte Architekturen unter dem Arista-BetriebssystemEOS“, die sich über Ansible/AAP verwalten lassen.

Kommentar:

Derzeit scheint Ansible auf dem Markt für automatisiertes Infrastruktur-Management relativ weit vorn zu liegen. Zwar gibt es beispielsweise mit „Puppet“, „Chef“ und „Attune“ durchaus Alternativen. Allerdings haben die bislang deutlich weniger Gewicht.

Man darf gespannt sein, ob AI-basierte Produkte den Markt erweitern und völlig neue Wege aufzeigen. Allerdings dürfte es jeder Newcomer schwer haben, den vorhandenen Wissens- und Erfahrungsvorsprung einzuholen, zumal Ansible ebenfalls eine Open-Source-Software ist, zu der viele beitragen können.

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