China und Dänemark out, Irland in

Facebook kippt die Pläne für ein zweites Rechenzentrum in Dänemark

| Redakteur: Ulrike Ostler

Dias Facebook-Rechenzentrum in Odense
Dias Facebook-Rechenzentrum in Odense (Bild: Facebook auf Facebook)

Beleidigt? Oder gekränkt? 2020 soll ein Facebook-Rechenzentrum in Odense eröffnen. Kürzlich aber gab es Vorwürfe der Steuerhinterziehung und unlauterer Arbeitspraktiken vor Ort. Ist das der Grund, warum Facebook die Pläne für eine zweites Datacenter in Dänemark, dieses Mal am Standort Esbjerk verschoben oder gar beerdigt hat? Oder sind es die Bestimmungen der DSGVO, die die Vollbremsung verursachten?

Jedenfalls habe Facebook mehrere Millionen Dänische Kronen in die Evaluation des Standorts investiert, heißt es, insbesondere in Bodenuntersuchungen. Jedenfalls teilte der Social-Media-Gigant der Nachrichtenagentur Ritzau kürzlich mit: „Wir haben beschlossen, unser Projekt für ein Rechenzentrum in Esbjerg auszusetzen. Nach zwölf Monaten intensiver Recherche über das Projekt, einschließlich umfangreicher Investitionen in den jeweiligen Bereichen, sind wir nun an einem Punkt angelangt, an dem wir eine fundierte Entscheidung treffen können.“

Die 71.000 Einwohner zählende Stadt Esbjerg ist liegt an der Westküste Dänemarks mit. Im Juni wurde die Nachricht bekannt, als sich herausstellte, dass ein zu diesem Zeitpunkt noch unbekanntes Unternehmen den Standort für einen riesigen Rechenzentrumscampus ausgeguckt hatte.

In der lokalen Berichterstattung schrieb „Fagbladet 3F“ zu den Vorwürfen in Odense, dass ein Subunternehmer des Unternehmens zugegeben habe, ausländischen Bauarbeitern weniger als den branchenüblichen Satz zu bezahlen. Mitarbeiterunterlagen zeigten zudem, dass Überstunden über ausländische Bankkonten gezahlt wurden, um Einkommenssteuern zu vermeiden.

Facebook baut in Dänemark ein Datacenter mit Abwärmenutzung

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13.09.17 - Im dänischen Odense entsteht ein neues Facebook-Rechenzentrum. Bereits im Januar 2017 erfolgte der erste Spatenstich, im Jahr 2020 soll es in Betrieb gehen. Der Clou aber liegt im Anschluss an das örtliche Fernwärmenetz. lesen

Ausbau in Irland

Während die Pläne für Esbjerg zumindest ausgesetzt sind, plant Facebook den Campus seines Rechenzentrums in Clonee, Irland, fast zu verdoppeln. Die Anlage soll von 86.000 auf 150.000 Quadratmeter wachsen. Schon Ende des Monats soll damit begonnen werden.

Die Erweiterung des Rechenzentrums ist bereits die zweite. Der Baubeginn war 2016 und 2018 fiiel die Entscheidung auf 86.000 Quadratmeter zu erweitern. Nach lokalen Angaben sind derzeit rund 300 Menschen dort beschäftigt.

Laut Planung kann die Site auf insgesamt acht Rechenzentren in zwei Gebäuden wachsen und bis zu 72 Megawatt Strom benötigen. In den vergangenen drei Jahren bezog Facebook den Strom zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie. Außerdem gut für den Umweltschutz: Beim Bau der beiden Rechenzentren im Jahr 2018 konnten 97 Prozent der anfallenden Bauabfälle recycelt werden.

Kein Facebook-Datacenter in China

Während die Facebook-Pläne in Europa also ein Plus und ein Minus aufweisen, scheibt Mark Zuckerberg über mögliche weitere Expansionen , dass Facebook keine Einrichtungen in „Ländern bauen wird, die nachweislich Menschenrechte wie Privatsphäre oder Meinungsfreiheit verletzt haben“. Es darf gemutmaßt werden, dass er dabei China meint.

Das Medium „Datacenter Dynamics“ zitiert zudem eine anonyme Quelle derart, dass das Unternehmen zwar eine grenzüberschreitende Kommunikation ermöglichen möchte, aber keine Möglichkeit sehe, Dienstleistungen in China zu betreiben oder kritische Betriebsinfrastrukturen dort zu platzieren. Immerhin will sich Facebook als „datenschutzorientierte Plattform“ positionieren.

Laut Datacenter-Dynamics täte dem Unternehmen ein Potenzial von 1,4 Milliarden neuen Nutzern gut, wenn es weiter wachsen wolle. Derzeit zähle der Konzern rund 2,7 Milliarden Nutzer bei Facebook, Instagram, Messenger und Whatsapp und werde in den meisten seiner derzeitigen Märkte bald einen Sättigungspunkt erreichen.

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