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Datacenter-Allianz kämpft für Rechenzentren als KRITIS-Unternehmen Eco Allianz fordert für deutsche Rechenzentren Befreiung von der EEG Umlage

| Autor: Ulrike Ostler

Deutschland verfügt im internationalen Vergleich über besonders sichere, zuverlässige und energieeffiziente Rechenzentren, so die unter dem Dach vom Eco – Verband der Internetwirtschaft gegründeten Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Deutschland. Sie sieht hierzulande durch die hohen Strompreise dennoch Wettbewerbsnachteile für Anbieter digitaler Infrastrukturen und fordert: Weg mit der EEG-Umlage.

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Der niederländische Rechenzentrumsverband hat eine Umfrage initiiert, in der es um die Anerkennung der Rechenzentren als Bestandteile der Kritischen Infrastrukturen eines Landes geht. Das hat unter anderem Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Betriebe.
Der niederländische Rechenzentrumsverband hat eine Umfrage initiiert, in der es um die Anerkennung der Rechenzentren als Bestandteile der Kritischen Infrastrukturen eines Landes geht. Das hat unter anderem Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Betriebe.
(Bild: Dutch Data Center Association)

Der Verband macht darauf aufmerksam, dass es die digitale Dienste seien, die in der aktuellen durch die Corona-Pandemie ausgelöste Krise den Motor für Wirtschaft und Gesellschaft trotz staatlich verordneten Ausgangsbeschränkungen, Kontaktverboten, Homeoffice-Regelungen und Schulschließungen überhaupt am Laufen halte. Dass es dafür Rechenleistung braucht, scheint nicht jedem klar zu sein; denn die Allianz betont, dass diese das Ökosystem digitaler Infrastrukturen und hier insbesondere Rechenzentren und Cloud-Infrastrukturen gewährleiste.

Das dürfte Insidern durchaus vertraut sein. Und ob das jetzt der richtige Zeitpunkt ist, Wettbewerbsvorteile für die Rechenzentren zu fordern, da die deutsche Wirtschaft, und nicht nur diese, in eine absehbare Rezession rutscht, Betriebe in vielen Branchen ums Überleben kämpfen, Infrastrukturbetriebe, die die Digitalisierung und remotes Arbeiten ermöglichen, aber profitieren, sei dahingestellt.

Dr. Béla Waldhauser, Sprecher der Allianz, betont indes: „Stromkosten sind ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor für Rechenzentren. Die Stromkosten sind in Deutschland teilweise viermal so hoch wie im europäischen Vergleich. Dies liegt vor allem an der so genannten EEG-Umlagen, Abgaben und der Stromsteuer, die es in dieser Art und Höhe in anderen Ländern nicht gibt.“

Das Ansinnen der Dutch Datacenter Association

Auch die niederländische Datacenter Association (DDA) macht Druck. Allerdings geht es hier um die Anerkennung als „Kritische Infrastruktur.“ So heißt es auf der Website des Verbands: „Nach Angaben der DDA, dem Fachverband der Rechenzentren, ist der Internetverkehr unter seinen Teilnehmern in den letzten Wochen bereits um etwa 15 Prozent gestiegen.“ Es zeige einmal mehr, dass die digitale Grundlage aus Netzwerken, Internet-Hubs, Rechenzentren, Cloud- und Hosting-Service-Providern ein entscheidender Teil auch der niederländischen Gesellschaft und Wirtschaft sei.

Stijn Grove, DDA-Direktor, sagt: „Derzeit wird hinter den Kulissen hart gearbeitet, um alles auf Kurs zu halten.“ Allerdings werde erwartet, dass die Rechenzentren in der kommenden Zeit erheblich vergrößert werden müssten, um der ständig wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. Eine DDA-Studie, die etwa zusammen mit der Rabobank veröffentlicht wurde, demonstriere, dass jeder Umsatz von 1 Euro, der im Jahr 2019 hier investiert wurde, direkt und indirekt einen Mehrwert von bis zu 15 Euro für die niederländische Wirtschaft bringen werde. Der gesamte digitale Fußabdruck mache nicht weniger als 460 Milliarden Euro an Wertschöpfung und 3,3 Millionen Arbeitsplätzen aus.

The Future of the Digital Economy - Time for Fundamental Choices“ ist eine Veröffentlichung von Rabobank, Surf, DHPA, ISPConnect, AMS-IX und der niederländischen Rechenzentrumsvereinigung. Die Forschung haben von Pb7 Research und theMETISfiles betrieben.

Dennoch gehörten Rechenzentren, Netzwerkunternehmen und Cloud-Anbieter noch nicht zu den Unternehmen, die in Krisenzeiten eine bundesweite Ausnahmestellung einnähmen. Obwohl das Bewusstsein für die Bedeutung dieses wichtigen Sektors wachse, stehe er noch nicht auf der Liste der kritischen Sektoren.

Was die Verbände wollen

Doch gerade in einer Krisensituation müssten die Systeme gewartet und aufgerüstet werden, um den Zugang zu den Datenzentren zu gewährleisten. Der Branchenverband fordert daher, dass die Rechenzentren als systemkristischer Sektor Anerkennung finde.

Auf der Linkedin-Seite der DDA heißt es: „In der vergangene Woche haben wir mit der großen Unterstützung aller nationalen Wirtschaftsverbände Informationen darüber gesammelt, wie unsere Industrie pro Land gesehen wird (siehe: Grafik).“ Um Maßnahmen zu ergreifen, habe man am Mittwoch über dieses Thema mit den EU-Kommissaren Thierry Breton, Chef des französischen IT-Giganten Atos und erfahrener Lobbyist, sowie Margrethe Vestager, Executive Vice-President of the European Commission for a Europe fit for the Digital Age, gesprochen.

Der niederländische Rechenzentrumsverband hat eine Umfrage initiiert, in der es um die Anerkennung der Rechenzentren als Bestandteile der Kritischen Infrastrukturen eines Landes geht. Das hat unter anderem Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Betriebe.
Der niederländische Rechenzentrumsverband hat eine Umfrage initiiert, in der es um die Anerkennung der Rechenzentren als Bestandteile der Kritischen Infrastrukturen eines Landes geht. Das hat unter anderem Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Betriebe.
(Bild: Dutch Data Center Association)

Hierzulande ist das zum Teil anders. Große Rechenzentren gehören bereits zu den KRITIS-Unternehmen, allerdings nicht zu den Unternehmen, die aufgrund ihres hohen Strombedarfs, mindestens mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung, ohne den kein Überleben möglich wäre, von der EEG-Umlage befreit sind. 2017 wurde die zu zahlende EEG-Umlage für Unternehmen mit einer Stromkostenintensität zwischen 14 und 20 Prozent auf 20 Prozent der vollen EEG-Umlage begrenzt.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie profitierten im Jahr 2019 genau 2.058 Unternehmen oder selbständige Unternehmensteile (1.910 produzierendes Gewerbe / 148 Schienenbahnen) mit insgesamt 2.840 Abnahmestellen aufgrund ihrer bis zum 30.09.2018 gestellten Anträge von der Besonderen Ausgleichsregelung [§ 64 ff. EEG]. Die begünstigte Strommenge lag bei insgesamt 112.101 Gigawattstunden .

Jedenfalls argumentiert Walhauser: „Aktuell erleben wir, wie wichtig zuverlässige, sichere und souveräne digitale Infrastrukturen für die Aufrechterhaltung von Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland sind. Die Umlagen, Abgaben und Steuern für Rechenzentren müssen daher auf ein moderates Niveau gesenkt werden, um diesen Wettbewerbsnachteil abzumildern und international wettbewerbsfähig zu bleiben. Darüber hinaus muss das EEG wirtschaftlich attraktive und ökologisch wertvolle Lösungen ermöglichen.“

Nachhaltige Forderungen

Immerhin soll die Forderung nach günstigerem Strom keine Freifahrschein für unkontrollierte Umweltbelastung sein: Waldhauser sagt: „In diesem Kontext könnten auch gleich die Rahmenbedingungen für die Nutzung der Abwärme von Rechenzentren verbessert werden.“ Er schlägt vor: „Aktuell verpufft die genutzte Energie zum Betrieb und Kühlung von Rechenzentren überwiegend ungenutzt, dabei könnte sie beispielsweise in Nah- oder Fernwärmenetze eingespeist werden und so Wohnungen oder öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbäder oder Turnhallen heizen und damit einen wertvollen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten.“

Doch auch hierzulande fehlt es an einheitlichen Regeln für den Rechenzentrumsbetrieb: Waldhauser mahnt, dass gerade in Zeiten der Corona-Krise und den damit verbundenen Diskussionen über Ausgangsbeschränkungen Gemeinden, Länder und Bund im Umgang mit Rechenzentrumsbetreibern konsistenter handeln müssten und alle notwendigen Maßnahmen eng mit den Verantwortlichen der Wirtschaft abstimmen müssten. Hier gäbe es noch Luft nach oben zur Optimierung dieser notwendigen, behördenübergreifenden Kommunikation.

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Über den Autor

 Ulrike Ostler

Ulrike Ostler

Chefredakteurin DataCenter-Insider, DataCenter-Insider