Gartner-Produktübersicht zum Metadaten-Management

Drei Perlen und der Rest

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

(Bild: Gartner)

Mit der Menge der Daten wächst die Bedeutung der Metadaten und ihres Managements. Eigentlich könnte der Markt vor einem Boom stehen – mit entsprechenden Möglichkeiten für Neulinge. Die Meister sind allerdings zwei Altbekannte.

Informationen sind Unternehmenswerte. Eigentlich. Sie sind es nämlich nicht, wenn Metadaten zu ihnen fehlen oder kein System vorhanden ist, diese zu verwalten. Metadaten sind die Werte bildende Kraft hinter den Daten. Im Jahre 2018 sollen 80 Prozent der Data Lakes wertlose Datensümpfe sein, weil effektive Instrumente zum Metadaten-Management nicht in Gebrauch sind.

Enterprise Metadata Management (EMM) ist der grundlegende Ansatz, Informationen nutzbar zu machen. Es geht dabei nicht nur um ein technisches Verwalten von Metadaten, sondern um ihre Nutzbarmachung für Unternehmensanwendungen. Zwei beispielhafte Bereiche dafür sind Analytics und Governance.

Gefragt sind Alleskönner

EMM-Lösungen umfassen ein Metadaten-Repository, ein Glossar mit der Beschreibung von Definitionen und Beziehungen, Datenherkunft und Zweckbestimmung, Abhängigkeiten, Verwendungsregeln, semantische Regeln sowie Techniken zur Behandlung der Daten wie Extraktion, Transformation und Laden (ETL) BI-, Reporting und Modelierungs-Tools, Datenbank-Kataloge etc.

Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner hat EMM-Lösungen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist der Report „Magic Quadrant for Metadata Management Solutions“. Voraussetzung zur Aufnahme in den Überblick war, dass Lösungen die im vorherigen Absatz genannten Anforderungen erfüllen und außerdem mindestens zwei der folgenden Fähigkeiten liefern: Data Governance, BI und Analytics, Master Data Management, Service-oriented Architecture (SOA) sowie EMM. Neun Produkte erfüllten die Voraussetzungen.

Adaptive

Der Hersteller aus dem kalifornischen Aliso Viejo bietet „Adaptive Metadata Manager“ an. Das Produkt unterstützt in Kombination mit Beratung und Managed Services ein breites Feld von Metadaten-Anwendungen. Anwender loben umfangreiche Funktionalitäten. Allerdings kritisieren sie zugleich, dass dies die Anwendung des Metadaten-Managers nicht eben leicht machen. Auch seien die Installation und die Integration in die IT-Umgebung anspruchsvoll. Gartner platziert Adaptive unter den Visionaries, räumt der Lösung in der Ability to Execute allerdings kaum mehr als Mittelmaß ein

Cambridge Semantics

„Anzo Smart Data Manager“ heißt das Angebot des Bostoner Unternehmens. Sie basiert auf semantischen Modellen. Kundne loben vor allem den hohen Return of Investment. Cmabridge Semantics orientiert sich an den Semantischen Webstandards der World Wide Web Consortium (W3C), insbesondere an RDF/OWL. Das kann bei Kunden für Aufwand und Komplexität sorgen. Nach Gartner-Analyse der Kundenerfahrungen hat die Lösung dadurch die durchschnittlich längste Deployment-Zeit, die Dokumentation ist „begrenzt“, Anwender-Schulungen und professionelle Services sind erforderlich, was kostenträchtig werden kann. Außerhalb der USA ist Cambridge Semantics kaum vertreten. Cambridge ist in der Gartner-Übersicht der einzige Nischenplayer.

Collibra

Das Unternehmen mit zwei Hauptquartieren, nämlich in New York und Brüssel, vertreibt „Collibra Data Governance Center“. Dem Programm merkt man laut Gartner an, dass sie nicht aus einer technischen, sondern aus einer Business-Perspektive entwickelt wurde. Entsprechend ist Collibra auf branchenspezifische Lösungen orientiert, beispielsweise für Finanz- und Gesundheitswesen. Das Manko der Herangehensweise seien trotz eines großen Sets an Konnektoren technische Defizite bei der Metadaten-Aufnahme und Übersetzung. Moniert hätten Kunden den Produktpreis und die Costs of Ownership. Insgesamt allerdings kommt Collibra auf einen der vorderen Plätze.

Data Advantage Group

Von dem Unternehmen aus San Francisco kommt „MetaCenter“. Gartner bescheinigt der Lösung eine leistungsfähige Architektur, die nicht nur für zügige Implementierung, sondern auch für schnelle Anpassung an neue Anforderungen sorge. Das Resultat seien geringe Implementierungsrisiken und ein guter Return on Investment. Kunden seien mit der Performance und der Skalierbarkeit zufrieden. Eine Benutzeroberfläche erfordere von den Anwendern keine Programmierkenntnisse und ermögliche eine einfache Analyse. Workflows oprientieren sich an Governance-Prozessen. Allerdings ist das Unternehmen außerhalb der USA kaum vertreten. Gartner: „Its approach to innovation is conservative ... as it continues to play safe in an highly transformative market“. Das Ergebnis ist eine schlechte Bewertung bei der „Completeness of Vision“, während es eine dritten Platz in Sachen „Ability to Execute“ gibt.

Global IDs

Das Unternehmen aus Princeton hat zwei Suites im Programm, „Enterprise Information Management“ und „Ecosystem Management“. Hier besteht der Ansatz in Maschinen-unterstütztem Lernen zur automatischen Erkennung und Pflege von Metadaten. Dies könnte angesichts wachsender Komplexität der Daten zukunftsweisend sein. Das Repository ist graphenorientiert, damit skalierbar, flexible und die Grundlage für ein weites Spektrum von Funktionen (mit Defiziten beim Rules Management). Allerdings sei es für Anwender nicht einfach, die technischen Vorteile für das Business umzusetzen. Die größte Schwachstelle ist für Gartner offenbar, dass der Anbieter noch klein ist, was die Bewertung bei Ability to Execute gedrückt hat.

IBM

Big Blue ist bekannt für den „InfoSphere Information Governance Catalog“. In allen technischen und Anwendungsaspekten findet Gartner eigentlich nur lobende Worte für das IBM-Angebot. Das gipfelt in den Bezeichnugen „adopted as an enterprisewide standard“ und „enables business-level understanding of data assets“. Doch es gibt massive Kritik an den Kosten der Software und an den Total Cost of Ownership, bei vielen potenziellen Kunden ein Ausschlusskriterium. Einen weiteren Kritikpunkt, schwachen professionellen Services, habe IBM inzwischen angegangen. Insgesamt steht das IBM-Angebot mit an der Spitze der Visionäre und hat eine etwas schwächere Bewertung bei der Ability to Execute wohl den Kosten zu verdanken.

Informatica

Hier geht es um drei Lösungen, den „Metadata Manager“, das „Business Glossary“ und den „Enterprise Information Catalog – Standard Edition“. Wie im Fall IBM zeigt sich Gartner sehr beeindruckt von den Lösungen. Das Informatica-Angebot hat die weiteste Verbreitung im Markt für Metadaten-Management. Eine kurios anmutende Kritik ist, viele Kunden würden nicht verstehen, dass die drei Produkte nahtlos integriert seien. Der wichtigste Kritikpunkt ist, dass die Lizenzen und Kosten von Informatica schwer zu verstehen seien. Viele Anwender hätten Bedenken wegen der hohen Kosten im Vergleich zu Alternativen auf dem Markt. Gleichwohl hat Informatica mit seinem Angebot die Spitzenposition ganz rechts oben in Gartners magischem Quadranten.

Oracle

„Enterprise Metadata Management“ ist der Titel des Angebots von Oracle. Positive Bewertung findet, dass diese Lösung gut in andere des Herstellers eingebettet ist – und zwar so, dass Metadaten Management letztlich zur Grundlage für andere Business-relevante Prozesse wird. Oracle arbeitet an Machine Learning für das Modellieren und Designprozesse. Allerdings scheinen Anwender Oracle vor allem als Anbieter von Datenbanken wahr und für Metadaten-Management nicht ernst zu nehmen. Im Gegensatz zu Oracles Stärken in Sachen Datenbanken bewerten Anwender das MDM-Angebot als schwach im Vergleich zu Wettbewerbern. Kritik gilt auch dem Support durch Oracle, besonders in kritischen Situationen. Oracle kommt dadurch in puncto Ability to Execute auf den letzten Platz.

SAP

Bei den Walldorfern gehören „Power Designer“ und „Information Steward for Metadata Management“ zusammen. SAP deckt viele Aspekte von Metadaten-Management, Datenintegration, Master Data Management, Datenqualität und Information Life Cycle Management ab. Von Gartner befragte Anwender vergaben gute Noten für die funktionalen Fähigkeiten. Allerdings sei das Deployment anspruchsvoll, wenn man beide Produkte miteinander verbinden wolle. Der Wertgewinn sei schwach, und der Support auch. Insgesamt bekommt SAP den letzten Platz bei der Completeness of Vision und ist in der Ability to Execute nur mittelmäßig.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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