Suchen

Studie: „Die Internet-Wirtschaft in Deutschland 2020-2025“ Die IT-Branche erlebt eine Dekade der Superlative

| Autor: Sarah Gandorfer

Mit einem Umsatzrückgang von 1,2 Prozent im Jahr 2020 geht die Internet-Wirtschaft im Vergleich zu anderen Sektoren der deutschen Wirtschaft robust durch die Coronakrise. Manchen Segmenten verpassen die Folgen der Pandemie sogar einen Schub. Eco prophezeit der hiesigen Internet-Wirtschaft in den nächsten Jahren ein unbändiges Wachstum.

Firma zum Thema

Dieses Jahr wird die Internetwirtschaft voraussichtlich rund 145 Milliarden Euro umsetzen und sich nach einem anfänglichen Coronaschock in den meisten Bereichen schnell wieder erholen.
Dieses Jahr wird die Internetwirtschaft voraussichtlich rund 145 Milliarden Euro umsetzen und sich nach einem anfänglichen Coronaschock in den meisten Bereichen schnell wieder erholen.
(Bild: vegefox.com - stock.adobe.com)

Obwohl Deutschland im EU-Durchschnitt bei der Digitalisierung lediglich Platz 12 unter den 27 EU-Mitgliedsstaaten belegt, sagt der Internet-Verband der Wirtschaft (Eco) der hiesigen Digitalbranche eine blühende Zukunft voraus. Oder vielleicht gerade deswegen, denn es gibt hierzulande noch einiges nachzuholen. Der Covid-19-Pandemie zum Trotz, bei der auch bedeutende Segmente der Internet-Wirtschaft Einbrüche erlitten, ist bis 2025 mit einer Umsatzsteigerung um knapp 75 Prozent auf circa 253 Milliarden Euro zu rechnen.

Heute hat die Internet-Wirtschaft einen Anteil von 4,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. 2025 soll es mit sieben Prozent ein deutlich größerer Anteil sein. Zudem werden in fünf Jahren eine halbe Million Arbeitnehmer in der Internetwirtschaft beschäftigt sein. Folglich gewinnt die Internet-Branche gesamtwirtschaftlich stetig an Bedeutung. So das Fazit, welches der Eco-Verband in seiner Studie „Die Internet-Wirtschaft in Deutschland 2020-2025“, in Zusammenarbeit mit den Analysten von Arthur D. Little zieht.

„Die nächsten Jahre sind der Start in eine digitale Dekade der Superlative“, glaubt der Eco-Vorstandsvorsitzende Oliver Süme. „Die Digitalisierung – das zeigt nicht nur Corona – wird auch in Zukunft eine immer bedeutendere Rolle innerhalb der deutschen sowie europäischen Wirtschaft einnehmen und langfristig steigt der Anteil der Internet-Wirtschaft in allen Branchen.“

Steigender Datendurchsatz bringt Wertschöpfung

Liegen die Analysten richtig, dann soll bis 2025 der Layer Network, Infrastructure & Operations durchschnittlich um 6,4 Prozent pro Jahr wachsen und so das Marktvolumen von 30,3 auf 41,3 Milliarden Euro steigern.

Der steigende Datendurchsatz ist auch ein wesentlicher Umsatztreiber für öffentliche Internet-Austauschpunkte. Der Internet-Knoten DE-CIX in Frankfurt am Main ist gemessen am Datendurchsatz der größte der Welt. Die hohen Wachstumsraten im Datenvolumen über die nächsten fünf Jahre übersetzen sich jedoch nicht linear in ein Umsatzwachstum für Internet Exchanges, da die Preise in diesem reifen Marktsegment stagnieren.

Aufgrund des anhaltenden Trends zum Outsourcing und des steigenden Bedarfs an zusätzlichen Datenspeicher- und Rechenleistungskapazitäten werden Umsätze im Segment Colocation & Housing bis 2025 mit 15,7 Prozent pro Jahr wachsen. Der kontinuierliche Anstieg des Datenverkehrs bedingt einen hohen Bedarf an zusätzlichen Rechenzentrumskapazitäten. Treiber dieses Anstiegs sind neben Video-Streaming und einer Vielzahl an Unterhaltungsdiensten auch neue digitale Geschäfts- und Anwendungsfelder wie Connected Cars, Smart Buildings, Industrial IoT und 5G.

Am stärksten wächst hierzulande das Segment Services & Applications. Zwischen den Jahren 2020 und 2025 wird dieses mit durchschnittlich 17,2 Prozent pro Jahr wachsen und damit sein Marktvolumen von 13,7 auf 30,4 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Dabei tragen insbesondere die Public Cloud Services bei.

Mit einer Wachstumsrate von beinahe 30 Prozent pro Jahr legt Public IaaS bis 2025 sehr stark zu und etabliert sich ab 2023 als zweitgrößtes Segment des Layers Services & Applications. Weitere Treiber sind digitale Produkte und Dienstleistungen aus dem Bereich Cyber-Sicherheit mit einer Wachstumsrate von 10,7 Prozent bis 2025.

Die Public Cloud wächst weiterhin ungehemmt. Gründe sind die hohe Flexibilität, die Skalierbarkeit von Lösungen und die zugleich geringe Kapitalbindung. Ein weiterer Wachstumstreiber der Nachfrage nach Public Cloud Services ist die Einbindung von Smart Devices im Rahmen von IoT.

Da sich Web Hosting & Domains sich in einem sehr reifen Stadium der Marktentwicklung mit einer rückläufigen Preisentwicklung befinden, müssen sich hier die Anbieter mit Zusatzservices vom Wettbewerb differenzieren. Im Jahr 2019 besaßen 90 Prozent aller deutschen Unternehmen eine Website. Web Hosting ist zunehmend ein Commodity-Produkt.

Als Value-added Services offerieren die Provider deshalb oftmals das vollständige Management von Web Hosting an. Zusätzliche Services in umfassen beispielsweise Systemaktualisierungen, verwaltete Backups und Helpdesk Services. Die steigende E-Commerce-Nachfrage und die wachsende Zahl an Unternehmensneugründungen in Deutschland sorgen bis 2025 auch in diesem reifen Marktsegment für ein moderates Wachstum.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Aggregation & Transactions

Cyber-Kriminalität kostet die deutsche Wirtschaft jährlich mehr als 102 Milliarden Euro. Zwischen 2017 und 2019 hat sich der Schaden durch Cyber-Kriminalität von 55 Milliarden auf 102,9 Milliarden Euro fast verdoppelt. Durch veränderte regulatorische Rahmenbedingungen in Europa, ein steigendes Bewusstsein für Online-Bedrohungen sowie den Aufschwung digitaler Geschäftsmodelle stieg die Nachfrage nach Cyber-Security-Lösungen deutlich an. Mit 5,6 Milliarden Euro Umsatz 2019 ist der deutsche Cyber-Security-Markt hinter dem Vereinigten Königreich der zweitgrößte Markt Europas.

Mit einem Umsatzvolumen von 65 Milliarden Euro im Jahr 2019 ist Aggregation & Transactions der umsatzstärkste Layer der Internet-Wirtschaft in der Bundesrepublik. Allerdings ist er auch am stärksten von Umsatzeinbrüchen durch die Coronakrise betroffen. Die Analysten prognostizieren heuer einen Verlust von nahezu acht Milliarden Euro Umsatz gegenüber dem Vorjahr. Ab 2021 erholt sich das Segment jedoch. Es wird den Wachstumspfad mit einer durchschnittlichen Rate von 10,3 Prozent pro Jahr fortsetzen. 2025 wird diese Ebene ein Umsatzvolumen von 93,4 Milliarden Euro ausweisen.

Potenzial liegt außerdem bei dem Segment Paid Content, welches durchschnittlich um 9,5 Prozent pro Jahr wächst und so das Marktvolumen von 11,5 auf 1 8,2 Milliarden Euro erhöht. Diese Steigerung basiert auf einem homogenen, hohen Wachstum mit durchschnittlichen Jahresraten zwischen etwa sieben und elf Prozent.

Das umsatz- und zugleich wachstumsstärkste Segment hierin ist Gaming. Aufgrund stetig steigender Beliebtheitswerte von Onlinespielen und technologischen Fortschritten bezüglich Latenzzeit und Bandbreite, wächst das Segment mit durchschnittlich 10,6 Prozent jährlich auf 5,7 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025. Gerade während des Lockdown stieg die Nachfrage nach Home-Entertainment-Angeboten kurzfristig stark an.

IoT und Smart Home

Als Industrial IoT definieren die Analysten sämtliche Umsätze durch IoT-Lösungen in allen Branchen, insbesondere im Maschinenbau, in der Elektro- & Elektronikindustrie, in der Metallindustrie, im Baugewerbe sowie in der Land- und Forstwirtschaft. 2019 betrug das Marktvolumen in diesem Segment 5,4 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Wachstum seit 2015 von durchschnittlich 14,7 Prozent pro Jahr. Die höchsten Umsätze werden in der Branche Maschinen- & Anlagenbau generiert (48 Prozent).

Aufgrund der steigenden Investitionen in die Vernetzung von Objekten, Nutzern, Unternehmen und Partnern wird sich das Umsatzniveau bis 2025 auf rund zwölf Milliarden Euro erhöhen und somit mehr als verdoppeln. Als wesentliche Nachfragetreiber sind Effizienzbestrebungen in der deutschen Industrie sowie schnellere Reaktionszeiten und eine zunehmende Flexibilität zu nennen.

Vielfalt und Nutzen von IoT-Plattformen als Enabler und Schaltzentrale unterschiedlicher Systeme und Maschinen nehmen stetig zu. IoT-Plattformen werden sich in den nächsten Jahren stetig weiterentwickeln und durch Datenverarbeitung sowie Auswertung der gesammelten Informationen den Mehrwert von Industrial-IoT-Lösungen erhöhen.

2019 besaßen laut GfK ungefähr 49 Prozent aller Haushalte mindestens ein Smart-Home-Produkt. Durch die steigende Beliebtheit von digitalen Sprachassistenten wie Amazon Alexa wird die Akzeptanz Smart-Home-Produkten steigen. Bereits heute zählen Smart T V und Multiroom-Audiostreaming zu beliebten Medien in der Unterhaltungskategorie. Bei der Modernisierung und dem Neubau von Gebäuden wird die Marktdurchdringung von Smart-Home-Technologie weiter zunehmen und sich das Umsatzvolumen bis 2025 auf zwölf Milliarden Euro verdoppeln.

Der Markt für digitale Anwendungen im Bereich Medical & Healthcare hat aktuell ein Volumen von rund drei Milliarden Euro. Mit 20,4 Prozent pro Jahr wird das Segment stark wachsen,so dass das Umsatzvolumen sich bis 2025 weit mehr als verdoppeln und 7,7 Milliarden Euro erreichen wird.

Derzeit viel diskutiert infolge der Schulschließungen sind die Investitionen in die digitale Bildungsinfrastruktur. Der Bund stellt bis 2025 insgesamt fünf Milliarden Euro zur Verfügung, um die Voraussetzungen für Bildung in einer digitalen Welt bundesweit einzuführen und zu verbessern.

Die Umsetzung des Digitalpakts hat sich bis Anfang 2020 sehr verzögert. So hatten im Januar 2020 16 Bundesländer lediglich 20 Millionen des Fünf-Milliarden-Pakets abgerufen. Ursachen lagen in der verzögerten Ausgestaltung von Medienkonzepten und einer späten beziehungsweise unzureichenden Definition des IT-Bedarfs der einzelnen Träger.

Die Coronakrise wirkt als Katalysator von Digitalisierungsprozessen im Bereich Bildung und Wissenstransfer und sorgt für einen langfristigen Schub. Die Studienautoren gehen davon aus, dass bis 2025 das Segment mit einer durchschnittlichen Rate von 25,7 Prozent pro Jahr wächst und bis ein Gesamtvolumen von über 6,75 Milliarden Euro erreicht.

(ID:46670100)

Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS